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15.11.2018

Kaufberatung - Die 3 besten Studio-Gesangsmikrofone unter 200 Euro

Infos und Tipps: Worauf ihr beim Kauf eures Studio-Mikrofons achten solltet

Muss es immer ein Großmembran-Kondensatormikrofon sein?

Du bist auf der Suche nach einem geeigneten Studio-Gesangsmikrofon? Sicher denkst Du wie viele zuerst an die stellenweise empfindlich teuren Mikrofon-Klassiker zum Vocal-Recording. Diese Studio-Mikrofone sind selbstverständlich eine gute Wahl – wenn man nicht auf den Preis achten muss. Doch keine Sorge, es gibt auch wirklich gute, günstige Mikrofone, die sich für Vocalaufnahmen im Homerecording-Studio, in erster Linie natürlich für Einsteiger, aber auch für fortgeschrittene Sänger, bestens eignen. Wir zeigen euch, worauf ihr bei und vor dem Kauf eines Mikros achten solltet.

Mit welchen Mikrofonen wird im Studio Gesang aufgenommen?

Meist wird ein Großmembran-Kondensatormikrofon benutzt.

Kann man auch mit anderen Mikrofonen aufnehmen, zum Beispiel Live-Gesangsmikrofone?

Aber sicher: Auch Kleinmembran-Kondensatormikrofone oder die beiden Typen dynamischer Mikrofone, Tauchspulenmikros und Bändchenmikros sind geeignet. Live-Gesangsmikrofone, die meist auf der Bühne in der Hand gehalten werden, eignen sich prinzipiell auch – wir bei allen dynamischen Mikrofonen sind die Höhen allerdings etwas schwächer und oft auch die Auflösung nicht so hoch.

Müssen Studio-Gesangsmikrofone unbedingt teuer sein?

Nein, schon für recht wenig Geld bekommt man ordentliche Mikros. Keines der hier vorgestellten Mikrofone zur Gesangsaufnahem kostet mehr als 200 Euro.

Was brauche ich außer dem Mikrofon zum Aufnehmen?

Neben diversem Mikrofon-Zubehör sind ein Audio-Interface, Lautsprecher und/oder Studiomonitore notwendig. Optional ist ein separater Mikrofon-Vorverstärker, weil viele Audio-Interfaces einen eingebauten Preamp besitzen. Auch ein USB-Mikrofon kann in Betracht gezogen werden.

Wandlerprinzip: Kondensatormikrofon oder dynamisches?

Es gibt zwei grundsätzlich unterschiedliche Arten, mit denen ein Mikrofon Schall in Spannung umwandelt. Das Kondensator-Prinzip ist das, welches in den meisten Fällen zum Einsatz kommt. Der Vorteil: Es wird mit extrem dünnen Häutchen (Membranen) gearbeitet, welche sich sehr schnell und ungestört bewegen können. Dadurch sind diese Mikrofone sehr detailliert, nehmen unterschiedliche Frequenzen ziemlich gleichmäßig auf und besitzen prinzipiell eine gute Höhenwiedergabe. Daher sind sie oft die erste Wahl in Studios, wenn Gesang aufgenommen werden soll. Wir schätzen die Verwendung von Kondensatormikros bei Gesangsaufnahmen auf gut 90%.

Allerdings bedeutet das nicht das Aus für das dynamische Wandlerprinzip. Sogenannte Tauchspulenmikrofone, unter denen das Shure SM58 sicherlich das bekannteste ist, werden auch dann und wann im Studio für Vocal-Recordings eingesetzt. Sie sind robuster, oft nicht sehr teuer, aber höhenärmer und nicht so linear. Die bekanntesten Klassiker – die aber auch bis zu 1000 Euro kosten können, findet ihr hier im Vergleichstest. Die größte Verbreitung haben bei Aufnahmen der Gesangsstimme Shure SM7B und Electro-Voice RE20

Bändchenmikros

Als eine Art Geheimwaffe gelten Bändchenmikrofone, auch "Ribbon"-Mikros genannt. Diese sind auch dynamische Mikrofone und folgen einem sehr alten Prinzip. Sie gelten als höhenarm, rauschig und anfällig, haben aber einen ganz eigenen, samtigen Charakter. Wie auch Tauchspulenmikrofone benötigen sie aber meist einen sehr guten Preamp, um ihre Eigenschaften zur Geltung zu bringen. Kondensatormikrofone sind meist weniger wählerisch.

Typisch: Großmembran-Kondensatormikrofon

Um Vocals aufzunehmen, bedienen sich die meisten also eines Kondensatormikrofons, davon die erdrückende Mehrheit des Großmembran-Kondensatormikrofons, wie es von Georg Neumann einst erfunden wurde. Das muss aber nicht unbedingt sein, denn es gibt auch viele Beispiele für die Nutzung kleiner Membranen. Diesen fehlt meist aber etwas von dem stärkeren Charakter der Großmembran, zudem sind sie bei naher Besprechung meist nicht sehr angenehm im Klang und liefern weniger Output. Dafür sind sie aber sehr detailliert. 

Wenn ihr euch über diese Dinge tiefer informieren wollt, empfehle ich euch den Grundlagenartikel meines Kollegen Guido Metzen. 

Auf was man bei einem preiswerten Mikrofon verzichten sollte:

Röhrenmikrofone

Es gibt ein paar Sachen, von denen man meiner Meinung nach besser die Finger lässt, wenn man auf 200 Euro Budget begrenzt ist – weil sie für diesen Betrag nicht sinnvoll umgesetzt werden können oder andere Eigenschaften leiden. Ganz oben auf der Liste steht die sagenumwobene Röhre: Verabschiedet euch von dem Gedanken, für wenig Geld ein gutes Röhrenmikrofon bekommen zu können. Alleine wenn man bedenkt, dass ein Netzteil mit im Lieferumfang sein muss, ein spezielles Kabel genutzt werden muss, eine vernünftige Röhrenschaltung mit gut selektierten Bauteilen… das ist zu diesem Preis nicht zu machen. Empfehlenswerte Röhrenmikrofone beginnen bei 1000 Euro. 

Umschaltbare Richtcharakteristik

Im Regelfall wird mit sogenannter Nierencharakteristik aufgenommen. Das bedeutet, dass das Mikrofon auf der Vorderseite am empfindlichsten, auf der Rückseite am unempfindlichsten ist. So gut wie alle Kondensatormikrofone, bei denen man diese Richtcharakteristik nicht einstellen kann, bieten die genannte Nierencharakteristik. Manche Mikros lassen eine Umschaltung zu, um auch mit Kugel oder Acht zu arbeiten. Bei einem begrenzten Budget sollte man darauf verzichten, dieses für eine zweite aktive Membran, die zusätzliche Elektronik und den Schalter auszugeben. Ein gutes Beispiel sind die ansonsten identischen Sennheiser MK4 (nicht umschaltbar) und das mehr als doppelt so teure MK8 (umschaltbar und mit Pad/HPF).

Was nicht unbedingt nötig ist:

Ein Pad, das ist eine Vordämpfung, kann dann relevant sein, wenn das Mikrofon schnell verzerrt, aber das wird euch mit Vocals kaum gelingen. Nehmt ihr nur Vocals auf, benötigt ihr das eigentlich nicht.  Hochpassfilter, also Tiefensperren, die Bässe aus dem Signal nehmen, sind da schon etwas praktischer, wenn man besonders männliche Stimmen im Nahbereich aufnimmt. Aber viele Vorverstärker bieten das auch an, und natürlich tut's die Software ebenfalls. Die Nachteile sind in diesem Preissegment eigentlich nicht relevant. Wofür also Geld für etwas ausgeben, das nicht sein muss? Das gilt auch für elastische Aufhängungen ("Spinnen"), die qualitativ üblicherweise nur ein kleines bisschen Verbesserung beisteuern. Und Holzschatullen, Transportköfferchen und dergleichen: Bedenkt immer, dass man diese Dinge natürlich immer mitbezahlt. Manche Hersteller stecken das Budget lieber in möglichst gute Mikrofonkapseln, robuste Gehäuse, gute Bauteile – und versenden das spartanische Mikro in einer simplen Pappschachtel.

Audio-Interfaces mit 48V Phantomspeisung und Sonderfall USB-Mikrofon

Um das Mikrofonsignal eines normalen Mikros in den Computer zu bekommen, muss ein Audio-Interface her. Dieses benötigt mindestens einen Mikrofon-Eingang ("Mic Preamp"). Verwendet ihr ein Kondensatormikrofon, sollte er auch 48 Volt Phantomspeisung anbieten, damit das Mikrofon überhaupt funktioniert. Einen Überblick über Audio-Interfaces findet ihr samt Kaufberater hier

Ihr könnt euch möglicherweise das Interface sparen, denn es gibt USB-Mikrofone, die das Audio-Interface direkt eingebaut haben. Wenn ihr Gesang aufnehmen wollt: Kauft kein Mikro, das nicht auch einen Kopfhörerausgang besitzt, der das Verhältnis von Mikrofonsignal zu Playback regeln kann und das Mikrosignal ohne Verzögerung auf analogem Wege ausgibt. Das nennt sich "Direct Monitoring". Von allem anderen: Finger weg!


So, und hier sind sie ausführlich – Unsere drei Tipps für Vocal-Mikros bis maximal 200 Euro Kaufpreis:

Rode NT1-A

Zurecht eines der beliebtesten Großmembran-Kondensatormikrofone ist das Rode NT1-A. Dieses wird im Kit mit Zubehör angeboten und gilt als eines der Mikrofone mit dem besten Preis-Leistungsverhältnis. Es ist ordentlich verarbeitet und liefert ein professionelles Signal, das mit vielen Stimmen gut zurechtkommt.

#Testbericht Rode NT1-A 

Lewitt LCT 240 Pro

Schoeps haben mit dem V4 U den vielleicht besten Beweis geliefert, dass auch kleinere Membranflächen als Gesangsmikrofone durchaus ihre Berechtigung haben. Dieser Beweis kostet allerdiings das zehnfache der hier dargestellten Mikrofone. Das wie AKG aus Österreich stammende Unternehmen Lewitt hat mit dem erstaunlich preisgünstigen Mikrofon LCT 240 für einen Ladenpreis von deutlich unter 200 Euro ein Kleinmembran-Kondensatormikrofon mit einer akustisch relevanten Scheibe um die Kapsel herum im Angebot. Sucht man ein sehr detailliertes Mikrofon mit klaren Höhen und feiner Zeichnung, lautet mein Tipp: LCT 240! Allerdings sollte euch klar sein, dass das Lewitt im Nahbereich nicht den typischen sonoren "Broadcast"-Sound hinbekommt. Und das Leuchtwerk bei der Umschaltung von Pad und Hochpassfilter bezahlt man auch mit. Allerdings ist besonders die Filterung sehr gelungen, die beiden Optionen sind schlau gewählt. 

#Testbericht Lewitt LCT 240 Pro

Perfektes Einsteiger-Bändchen: sE Electronics X1R

Ein gut geeignetes Bändchen-Mikrofon für Einsteiger ist das Ribbon aus der X1-Serie des Herstellers sE Electronics. Es ist für ein Mikro dieser Bauart noch ziemlich höhenreich und nicht so "hard to handle" wie die klassischen Designs von Coles oder AEA. Somit transportiert es die Sanftheit der Bändchen sehr gut, hat aber keinen zu aufdringlichen Charakter. Gut: Es kommt auch an weniger hochwertigen Vorverstärkern gut zur Geltung.

#Testbericht sE ELectronics X1R

 

 

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