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Test
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15.06.2012

JZ Microphones Vintage V11 Test

Großmembran-Kondensatormikrofon

Gut aufgestellte Startelf?

Nein, "Vintage 11" ist nicht der Name für ein Team in der höchsten Altersklasse im englischen Fußball. Vielmehr handelt es sich um ein weiteres Mikrofon aus Juris Zarins' Manufaktur, welches wie die Vintage 47, 67 und 12 aus der gleichen Serie stammt. Allerdings – und das ist ungewöhnlich – liegt die Abslösesumme mit 555 Talern bei fast der Hälfte dessen, was für jeden der drei genannten Kollegen an Transfergebühr fällig wird. Das lässt aufhorchen: Taugt das Mikrofon zum hochwertigen Einstieg in die Profiliga der Großmembran-Kondenser und zum sinnvollen Erweitern eines bestehenden Mikrofonkaders?

Wir haben uns das V11 zum Testspiel kommen lassen und direkt auf den Platz geschickt. In welcher Liga das JZ beheimatet ist, ist anhand der äußeren Merkmale kaum auszumachen, denn mit fester Niere und ohne Pad und Filter ist die Vielseitigkeit zumindest recht eingeschränkt. Aber was zählt, ist ja schliesslich das Ergebnis.

DETAILS

Der günstigere Preis im Vergleich zu JZs Champions League kommt offenbar nicht von ungefähr: Statt Holzschatulle ist es eine sicherlich preiswertere Plastikbox, die das V11 aufnimmt. Es liegt übrigens eine kleine elastische Halterung bei, die mit Elastomeren statt Gummibändern arbeitet. Auch der Mikrofonbody, der bei den anderen Vintages aufgrund der nicht ganz tadellosen Beschichtung schon eher an 2. Bundesliga erinnerte, ist beim Vintage 11 eher "Regionalliga Nord": Am dicken, schwarzen Messing wurde gespart, im Bereich zwischen Korb und Fußstück trägt das 11er ein schwarz glänzendes Trikot (das eher an den Schiri erinnert), auf dem ein wenig ambitioniert wirkendes JZ-Logo positioniert wurde. Rückseitig ist in Plakettenform ein Label mit den Informationen über das Mikrofon angebracht. Neben der Rückennummer 11 liest man dort den Herstellungsort Riga und die Serial. 

Umschalten, um auf verschiedene Spielsituationen reagieren zu können, ist bei dem JZ leider nicht möglich, denn neben der vorgegebenen Richtcharakteristik Niere muss das Mikrofon ohne Vordämpfung und HPF auskommen – was generell für ein Mikro erst einmal kein Beinbruch ist. Neben der obligatorischen, männlichen XLR-Buchse findet man auf der Unterseite zwei Anschlüsse für Schraubstollen. Diese sollen sich jedoch nicht in die Grasnarbe bohren, sondern sind lediglich dafür gedacht, die kleine elastische Elastomerhalterung aufzunehmen. Immerhin: Unter den vier Vintage-Mikros ist das 11 das einzige, das mit einer elastischen Halterung aufwarten kann. Allerdings muss man auch auf den praktischen Kugelkopf verzichten.

Weitaus feinmaschiger als jedes Tornetz ist das schwarze Korbgitter gestaltet, welches aus zwei unterschiedlich dichten Gittern besteht – eine feine Gaze allerdings ist nicht vorhanden. Das wichtigste Element ist aber bekanntlich rund: Im Inneren agiert eine GDC-11-Kapsel, welche in bekannter JZ-Manier mit einem besonderen Supttering-Verfahren ihre Leitfähigkeit erhalten hat. Mit 27 Millimetern Memranduchmesser ist die Kapsel zwei Millimeter größer als die GDC-47, -67 und -12 der anderen Mikrofone und liegt dadurch knapp über einem Zoll. Laut JZ Microphones ist es ja die Kapsel, die den Charakter ihrer Mikrofone prägt. Findet man bei den drei genannten Zahlen noch Verwandtschaft in der Neumann-Historie und beim AKG C12, soll die 11 hingegen eigenständig sein – aber dennoch nebulös "vintage". Wir werden sehen.

Mit großer Membran- und dadurch Kondensatorfläche lassen sich ordentliche Pegel hinter der Kapsel abgreifen. Nach der Elektronik sind es 22 Millivolt pro Pascal, die das Mikro ausgibt, Doping mittels 48 Volt Phantomspeisung vorausgesetzt. Die Class-A-Schaltung im Inneren sorgt für nur 6,5 dB(A) Eigenrauschen, erst bei 134 dB geht dem System die Puste aus, denn ab dort sind es 0,5% THD (1 kHz an 1 kOhm).

Mit verletzungsbedingten Ausfällen scheint der baltische Hersteller nicht zu rechnen, das erklärt sich durch die fünfjährige Garantiezeit.

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