Gitarre Hersteller_Joyo
Test
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22.03.2017

Joyo Mjolnir Test

Vollröhren-Topteil für E-Gitarre

Wo der Hammer hängt

Mit dem Joyo Mjolnir betritt ein kleines Vollröhren-Topteil mit zwei Kanälen und einer puristischen Industrie-Optik die Szene. Und wer den Namen Mjolnir googelt oder vielleicht sogar in der germanischen Mythologie bewandert ist, der weiß, dass es sich dabei um Thors Hammer handelt, mit dem der einst die Feinde der Götter zerschmetterte. Und weil besonders in der Heavy-Szene die Mythologie generell einen hohen Stellenwert hat, ist bei diesem Namen klar, welche Klientel der chinesische Hersteller Joyo mit dem Amp ansprechen möchte.

Ausgestattet mit zwei Kanälen und einer Vielzahl an Einstellmöglichkeiten richtet sich der Verstärker mit Lunchbag-Abmessungen vor allem an High-Gain-Freunde, und das alles zu einem mehr als attraktiven Preis. Grund genug, den Verstärker auf die Box zu stellen.

Details

Optik/Verarbeitung

Der zweikanalige Amp wird in einem Karton geliefert, in dem sich auch ein Fußschalter befindet, mit dem zwischen den beiden Kanälen gewechselt wird. Er besteht vollständig aus Metall und ist mit einem satt einrastenden Schalter ausgestattet. Das benötigte Stereo-Klinkenkabel liegt in drei Meter Länge bei.

Das Topteil selbst ist ebenfalls aus Metall gefertigt, bringt 8,9 kg auf die Waage und lässt sich dank des auf der Oberseite angebrachten Bügelgriffs komfortabel transportieren. Der lässt sich zudem nach hinten wegklappen, sodass man bei Bedarf den Verstärker etwas besser verstauen kann. Die obere Hälfte des Amps ist in Gitteroptik und bietet nahezu ungehinderte Frischluftversorgung. Mit seinen 334 mm x 181 mm x 215 mm fällt das Topteil recht kompakt aus, wobei die Bedienung der zahlreichen Potis und Schalter glücklicherweise nicht darunter leiden muss.

Der Amp ist, wie bereits erwähnt, zweikanalig aufgebaut und entsprechend sind auch die Potis in zwei Reihen angeordnet. Beide Kanäle sind identisch und besitzen jeweils einen Gainregler, eine Dreiband-Klangregelung bestehend aus Bass, Middle und Treble, ein Master- und ein Presence-Poti. Sämtliche Knöpfe sind mit dem Schaft des Potis verschraubt und besitzen weiße Skalenmarkierungen, sodass ein Ablesen der Stellung auch aus einiger Entfernung zu erkennen ist. Umgeschaltet wird entweder mit dem bereits erwähntem Fußschalter oder mithilfe eines Kippschalters, der sich links neben den Reglern befindet und mit Clean/Distortion beschriftet ist. Direkt daneben liegt die Eingangsbuchse.

Ist der cleane Kanal in Arbeit, wird dies von einer gelben LED angezeigt, im Distortion-Kanal leuchtet sie rot. Darunter befindet sich ein weitere Schalter, mit dem eine Boost-Funktion aktiviert werden kann, die auf beiden Kanäle wirkt. Rechts neben den Potis sind zwei weitere Mini-Kippschalter montiert, wobei der obere mit Push und der untere mit Mid Cut beschriftet ist. Wird Push eingeschaltet, werden im cleanen Kanal die Mitten angehoben, Mid Cut höhlt diese im Distortion-Kanal etwas aus. Das sind durchaus sinnvolle Ergänzungen, denn um den Cleansound durchsetzungsfähiger zu gestalten, werden gern die Mitten angehoben. Dagegen werden bei High-Gain-Sounds die Mitten bevorzugt herausgedreht, um den sogenannten "Scoop"-Sound zu generieren. Ein größeres Kippschalter-Duo, bestehend aus Standby und Power, darf natürlich auch nicht fehlen. Wird der Amp angeschaltet, leuchtet eine blaue LED auf der rechten Seite des Bedienfeldes.

Ein Blick auf die Rückseite des sauber gefertigten und komplett schwarz lackierten Amps zeigt die Kaltgeräte-Buchse, für die das passende Kabel im Karton beiliegt, darunter ein Umschalter, der zwischen 230 Volt und 120 Volt wählt. Damit dies nicht versehentlich geschieht, wird der Schalter von einem durchsichtigen Kunststoffstreifen abgedeckt. Der Blick wandert weiter nach rechts und bleibt bei dem Effektloop hängen, der aus einer Send- und einer Return-Buchse besteht. Die Loop lässt sich mittels eines Kippschalters zudem komplett deaktivieren, sehr gut. Aber auch dem Send-Level hat man ein eigenes Poti spendiert, mit dem sich der Level des ausgehenden Signals feinjustieren lässt. Der mitgelieferte Fußschalter findet seinen Anschluss ebenfalls hier auf der Rückseite genau wie die potenziellen Lautsprecher. Hier stehen drei Klinkenbuchsen bereit, die einen Anschluss einer 4, 8 oder 16 Ohm Box ermöglichen. Ein Blick ins Innere des Verstärkers zeigt drei ECC 83, zwei EL 84 und eine ECC82 Röhre, der Amp liefert 15 Watt Ausgangsleistung, Röhrenwatt, wohlgemerkt. Denn die können eine beträchtliche Lautstärke erzeugen, was ich im Praxisteil natürlich näher erkunden werde.

Die Verarbeitung des in China gefertigten Topteils ist für den aufgerufenen Preis sehr gut und hinterlässt bei mir insgesamt einen hochwertigen Eindruck.

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