Hersteller_iZotope Software
Test
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02.11.2012

Praxis

Grundsätzlich lässt sich mit Stutter Edit, nachdem es in den gewünschten Kanal insertiert wurde und mit steuernden MIDI-Noten versorgt ist, relativ schnell zur Tat schreiten, respektive dem Audiomaterial auf die Pelle rücken. Hilfreich ist hierbei in jedem Fall die umfangreiche Zusammenstellung von fertigen Effektbänken. Neben fünf Signature-Bänken vom Künstler „BT“ höchstpersönlich, stehen hier knapp 40 weitere Zusammenstellungen bereit, die insgesamt 800 Einzeleffekte umfassen und mit deren tatkräftiger Unterstützung bereits ein breites Spektrum an möglichen Effekteinstellungen abgedeckt wird. Die Effekte sind dabei größtenteils in thematische Rubriken geordnet und liegen in verschiedenen, sinnvollen Einstellungen vor, sodass man sich im Zweifel gar nicht mehr an das Programmieren machen muss, sondern sich einfach die zum aktuellen Track passenden FX aus den Bänken zusammenstellen kann. Diese Arbeitsweise wird durch die relativ gute Preset- und Bankverwaltung unterstützt, in der sich Effekt-Settings via "Copy-Paste" von einer Bank in die andere verschieben lassen. Auch das Anlegen eigener Bänke ist hier möglich. 

Wer eine tiefempfundene Abneigung gegen jegliche Form von Presets hat, der kann natürlich auch in Handarbeit schrauben. Das Entwerfen eigener Kreationen ist sicherlich nicht als kompliziert zu bezeichnen – ganz im Gegenteil. Im Vergleich zum Hantieren mit mehreren einzelnen Plugins plus Automation zum Erreichen entsprechend vertrackter Klangepisoden, ist die Arbeit mit Stutter Edit weitaus übersichtlicher. Wirklich einfach ist sie aber dennoch nicht. Das liegt Prinzip bedingt in der Komplexität der Materie und den vielen Stellschrauben – sprich Parametern – die es hier im Griff zu halten gilt und wo man schon mal den Überblick verlieren kann, welcher Regler jetzt für welches Klangverhalten verantwortlich ist. Ich vergebe dafür keinen Minuspunkt, denn es ist fraglos ein immanentes Problem, dass komplexe Effekte eben auch komplex sind. Wer noch mehr Frickelei braucht, kann auch von der starren Methode der voreingestellten Gesture-Length abweichen, denn unter den globalen Optionen lässt sich neben der Flankensteilheit des Filters und dem zugehörigen MIDI-Controller auch ein Controller für den so genannten „Timeline Override“ definieren. Legt man diesen beispielsweise auf das Modulationsrad, werden Morphings zwischen den Werten der jeweiligen Paramter entsprechend auch manuell durchfahren.

Das globale Filter agiert sowohl in der Einstellung „aggressive“ wie auch „gentle“ recht kraftvoll und löscht im unteren und oberen Maximalbereich das Audiomaterial wunschgemäß vollständig aus. Leider wurden auf meinem Testsystem (Cubase 6.5) Automationsfahrten beim Audio-Rendering nicht berücksichtigt – ein halber Minuspunkt dafür.

Auch die Lösung, den Effekt-Sound-Generator über ein eingeblendetes, halbtransparentes Fenster einzubetten, halte ich nicht unbedingt für ideal. Denn um dieses wieder zu verlassen, muss man in der linken Ecke von „Generator“ auf „Gesture“ klicken. Das ist zwar nicht unlogisch, entspricht aber so gar nicht dem typischen Mauszeigerweg zum Schließen von Fenstern, der für mich als Windows-User gewohnheitsmäßig in der oberen rechten Ecke liegt. Naja, man kann es halt nicht jedem recht machen.

Zu guter Letzt fielen mir im Test immer wieder kleine Unsauberkeiten im Grafik-Rendering auf: Mal blieb eine Auswahlbox über einem anderen Fenster stehen, mal mochte das Plugin-Fenster erst beim zweiten Klick aufgehen. Das schränkt die Arbeit in keiner Weise ein – ein bisschen Debugging steht bis zum nächsten Update allerdings schon auf der Hausaufgabenliste bei iZotope.

Ob man Stutter Edit nun in Einzelspuren, Subgruppen oder in der Summe zum Einsatz bringt, hängt natürlich maßgeblich vom gewünschten Ergebnis ab. Kleine Percussion-Figuren, die im Hintergrund eines ansonsten aufgeräumten Minimal-Techno-Tracks vor sich hin mäandern, profitieren durchaus davon, wenn man sie über die gesamte Länge des Titels kontinuierlich bearbeitet. Bringt man Stutter Edit dagegen in der Summe ins Spiel, sollte man schon genau darauf achten, an welchem Punkt und mit welchem Effekt man den Audiostrom malträtiert, denn kaum etwas wirkt redundanter als zwei Mal dieselbe dramatische Audioepisode innerhalb eines Tracks zu hören zu bekommen. Und das ist auch gut so, denn trotz aller Arbeitserleichterung ersetzt Stutter Edit eben nicht das musikalische Feingespür des ausführenden Produzenten. Wer also einfach die Preset-Bänke von oben nach unten – respektive C6 bis C2 – abfeuert, wird auch mit Stutter Edit absehbar nicht zu einem gefeierten Clicks’n’Cuts-Artist werden.

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