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Test
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04.10.2013

ION LP2CD USB Test

Plattenspieler mit integriertem CD-Brenner

Liebling, ich habe die Plattensammlung geschrumpft!

ION LP2CD im bonedo.de-Test. Welcher DJ oder Vinyl-Liebhaber hat nicht schon einmal darüber nachgedacht, seine Scheiben ins digitale Zeitalter zu überführen? Vor allem, wenn es diese nicht für schmale Euros im digitalen Download gibt! Diesen Vorgang möchte uns ION-Audio schmackhaft machen, ihres Zeichens Hersteller einer ganzen Reihe von kleinen und großen Helferlein, die sich dem Thema „Konvertierung und Speicherung in digitale Formate“ verschrieben haben.    

Im Gegensatz zu handelsüblichen Turntables verbauen die Amerikaner in diesem Gerät nämlich einen CD-Brenner, der es ermöglicht, die Schallplatte auf einen Silberling zu konvertieren. Wer nun vielleicht zurecht anmerkt, dass Vinyl ja inzwischen eher zum Nischenprodukt „mutiert“ ist, dürfte umso erstaunter sein, dass sich im Produktsortiment auf der deutschen Internetpräsenz der Firma sage und schreibe 16 Turntables einfinden. Vom Vertikal-Player über den iPod-Rekorder bis hin zum batteriebetriebenen Modell für unterwegs reicht die Spanne.  

Mein heutiger Testkandidat LP2CD könnte wohl eine der schnellsten und einfachsten Möglichkeiten darstellen, um eine Schallplatte in eine CD zu verwandeln: CD-Einlegen, Platte starten, Aufnahme drücken, Brennen. Fertig. Außerdem ist das mit 399 Euro bepreiste Produkt in der Lage, CDs zu kopieren oder Line-Signale zu verewigen, zum Beispiel alte Kassettenaufnahmen. Der CD-Player und der interne Flash-Speicher dürfen natürlich auch als Musiklieferanten verwendet werden. Wer seine Schätzchen indes lieber am PC weiterbearbeiten will, der nutzt das integrierte USB-Audiointerface und bekommt dazu noch die Software „EZ Vinyl Converter für PC“ und „EZ Audio Converter für Mac“ an die Hand.

Details

Doch bevor es mit der Digitalisierung losgehen kann, steht erst einmal die Montage einiger Komponenten an. Wie üblich für die meisten kostenintensiveren Turntables, wozu sich auch der ION mit 399 Euro Straßenpreis getrost zählen darf, sind einige Bauteile, wie der Riemen, der Alu-Plattenteller, das Gegengewicht, der Deckel und natürlich das Tonabnehmersystem von Hand zu montieren. Nützliche Tipps zum Einstellen des Auflagedrucks und des Anti-Skating gibt das Handbuch. Ich spare mir an dieser Stelle aus hoffentlich verständlichen Gründen eine genauere Beschreibung der Vorgänge zugunsten einer Bilderfolge. Schließlich möchte auch beim Rennwagen niemand haarklein erzählt bekommen, wo überall ne Schraube angezogen wurde. Was er unter der Haube hat, wie er sich fährt und welche Qualitäten er sonst noch an den Tag legt, ist wohl interessanter.

Stichwort Verarbeitungsqualität: Bei der ersten Begutachtung des „Törnies“ fällt mir auf, dass er trotz seines integrierten CD-Brenners und der zusätzlichen Bedienelemente mit knapp fünf Kilogramm Gewicht im Vergleich zu meinen DJ-Laufwerken Vestax PDX 2300 MK2 Pro ein wahrer Leichtfuß ist, was nicht zuletzt dem hohen Kunststofffaktor geschuldet ist. Auch das Tonarmlager wirkt minderwertiger als bei meinem japanischen Kollegen: Es hat deutlich mehr Spiel und ist im Aufbau wackeliger. Tonabnehmer wie das beigelegte ION-GT-System, das mich irgendwie an Numarks Groovetool erinnert, finden Anschluss über einen SME-Bajonettanschluss. Der S-förmige Tonarm wird von einem Lift und der Sicherungshalterung begleitet. Daneben sitzt die Anti-Skating-Schraube. Hinten bringe ich das skalierte Gegengewicht auf einem Teilstück an, das sich bedauerlicherweise als ziemlich dünnes Plastikrohr herausstellt. Hier ist die Gefahr eines Bruchs nicht ausgeschlossen, sollte man das Gerät unsanft transportieren, ohne das Gewicht zu entfernen. Ich merke jedoch an, dass es sich hier nicht um einen Profi DJ-Turntable für die Wanderdiskothek handelt, sondern um ein Consumer-Gerät zum Plattenhören und Aufzeichnen. Daher fließt auch nicht negativ in die Wertung ein, dass der Teller auf dem Chassis schleift, wenn man in bester Scratcher-Manier draufdrückt und ihn bewegt. An der konisch zulaufenden Spindel sitzt der knapp 700 Gramm wiegende Platter indes wie ´ne eins und der Rundlauf ist exakt. Der Antriebsriemen sitzt fest. Eine vinylschonende Slipmat ist Teil des Lieferumfangs, dem ebenfalls ein angenehm leicht federnder, transparent-grauer Deckel angehört, zu dem mir spontan einfällt: „Danke schön, ION-Audio“. Ich wuchte - nee, stimmt ja in Anbetracht des Gewichtes gar nicht, hebe das Teil auf den DJ-Tisch um es noch etwas genauer zu inspizieren.

Auf der Oberfläche tummeln sich der Einschaltknopf, der große Startknopf für den Antrieb, eine Riege Taster zur Steuerung des integrierten CD-Players und Flash-Speichers und diverse Menü-Tasten. Daneben sitzt ein sechzehnstelliges Display mit blauer Hintergrundbeleuchtung. Rechtsaußen ist der Wahlschalter für die Umdrehungen pro Minute (33,3/45/78) beheimatet. Ein Pitch-Fader ist nicht zugegen, was sicherlich verständlich ist, denn es handelt sich ja um ein Konversion- und nicht um ein Mix-Tool. Dann folgt ein Phono/Line-Switch, mit dem ich mich zwischen Schallplatte und einem extern angeschlossenen Gerät entscheiden kann. Es folgt ein Drehknopf zum Aussteuern der Aufnahmelautstärke. Und, ihr lest richtig, ein Kopfhöreranschluss mit Lautstärkeregelung. Das macht Sinn, denn wer mit dem Gerät einzig Musik konvertieren möchte, braucht es nicht zwangsläufig an eine Stereoanlage anschließen. Wer aber „frei“ hören möchte, der sicherlich schon. Womit wir uns dem Backpanel zuwenden.

Backpanel

Am leicht, aber nicht vollständig vertieften Anschluss-Panel verbaut der Hersteller eine Kaltgerätebuchse, eine USB-Buchse Typ-B und je einen Line-In und einen Line-Out, ausgeführt im Stereo-Cinch-Format. Der Turntable gibt also Line-Pegel aus und ist somit kompatibel zu Stereoanlagen oder Aktivboxen, die keinen Entzerrervorverstärker haben. Ein Erdungskabel gibt es folglich ebenfalls nicht. Zwar gewähren mir die „Abluft-Rippen“ einen spannenden Blick auf das Platinenleben, doch ob das wirklich eine gute Idee ist? In der feucht-vernebelten Diskothek hätte der Turntable damit wegen akuter Schweiß-, Nebel- und Biereindringungsgefahr gleich die Rote Karte bekommen. Im Studio oder Wohnzimmer, wo in der Regel kaum Gefahrenquellen in Form von Horden wild feiernder, glasbewaffneter Tänzer anzutreffen sind, spielt das natürlich keine Rolle, daher belasse ich es dabei, den Sachverhalt erwähnt zu haben. An der vorderen Front, wo auch das ION-Logo prangt, erwartet mich der CD-Brenner mit seiner etwas wackeligen Laufwerkschublade.

Grundsätzlich würde ich dem Turntable/CD-Player-Kombinat recht solide Audioeigenschaften attestieren, nur beim Soundcheck mit dem ION-GT-System im Bajonett klingt es ein wenig gedrungen aus den Monitoren, doch wer kein Hi-Fi-Enthusiast ist, kann vielleicht damit leben. Vor allem wenn man sich bewusstmacht, was ein Tonabnehmersystem, dessen Nadel im Doppelpack kaum 25 Euro kostet, zu leisten vermag. Dafür gibt es gerademal eine halbe Ortofon Nightclub-Nadel. Wer das nötige Kleingeld hat, dem würde ich aber dennoch empfehlen, sich ein höherwertiges System zuzulegen. Der Kopfhörerverstärker klingt transparent und ist laut genug für den angestrebten Verwendungszweck. An der Qualität der Wandler habe ich nichts weiter auszusetzen. Die gebrannte CD (später mehr dazu) ist vom Original kaum zu unterscheiden. Hier sind einige Aufnahmen, die mit folgenden nachstehend auch im Bild zu sehenden Systemen gemacht wurden: ION Audio GT, Ortofon DJ-S, Ortofon Digitrack, Stanton Trackmaster MP4. Ich möchte hier jedoch keinen Tonabnehmervergleich anzetteln. Wer das Thema vertiefen möchte, der kann dies in unserem Tonabnehmer-Testmarahon tun.

Silberlinge steuere ich über die Standard-Tasten Open/Close, Play/Pause, Rew/Fwd, wobei die Wiedergabe einer Schallplatte automatisch unterbricht, wenn ich eine CD starte und wieder Fahrt aufnimmt, wenn ich die CD auswerfe. Beide Signale auf einmal spielen selbstverständlich nicht ab. Einzig die Laufwerksgeräusche des integrierten Brenners sind für den stillen Genuss einer CD nicht ganz optimal. Obendrein hätte ich mir gewünscht, dass LP2CD auch Daten-CDs mit MP3- oder AAC-Dateien abspielen kann, was den „Wohnzimmereinsatz“ für mich klar einschränkt. Immerhin kann mittlerweile fast jedes Mittelklasse-Autoradio diverse Formate abspielen und durch Ordnerstrukturen navigieren. Unter diesem Aspekt hätten dann sicher auch ein Browser-Encoder und ein „erweitertes“ Display Sinn gemacht. Ganz verloren für die Download-Sound-Shopper ist die Partie aber nicht, denn wer möchte, kann im Übrigen auch sein mobiles Device am Line-In durchschleifen, was wir wohlwollend zur Kenntnis nehmen.

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