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Feature
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27.02.2019

Interview und Gear-Chat: TrommelTobi

Der Drummer von Sido und Yarah Bravo über Musik und gesunden Lebenswandel.

Tobias Fröhlich, der sich selbst nur TrommelTobi nennt, ist ein umtriebiger Trommler, der sich mit seinem Mix aus akustischem Spiel und Fingerdrumming vor allem in der Hip-Hop-Welt einen Namen gemacht hat. Mit seinem Spiel bereichert er auf nationalen und internationalen Bühnen die Live-Besetzungen von Künstlern wie der R&B-Sängerin Yarah Bravo, dem Beat-Produzenten Suff Daddy und nicht zuletzt dem Berliner Rap-Urgestein Sido. Mit letzterem absolvierte er kürzlich zum Jahresende mehrere ausverkaufte Shows, bevor er sich nun mit dem Berliner Sänger FINN wieder der Herausforderung der musikalischen Begleitung eines Songwriters stellt. Wir sprachen mit ihm über seinen Werdegang, seine aktuellen Projekte und besonders über die lebensverändernde Ernährungsumstellung durch Saftfasten und was das Ganze für ihn mit Musik zu tun hat.

Hey Tobi, mit wem bist du gerade musikalisch unterwegs?

Ich spiele in mehreren Projekten. Der namhafteste Act ist natürlich Sido, für den ich 2015 das erste Mal getrommelt habe. Wir haben zum Jahresende gerade mehrere Weihnachtsshows gespielt, die für dieses Jahr teilweise schon wieder ausverkauft sind. Im Laufe des Jahres kommt dann auch das neue Album. Seit 2012 spiele ich bei Amewu, einem Rapper, den ich textlich sehr schätze. Wir spielen live zu zweit mit Backingtrack, also Drums und Rap. Bei Yarah Bravo spiele ich seit 2010 Drums und bin mit ihr auch international unterwegs. Im letzten Jahr waren das 25 Shows in 14 Ländern in verschiedenen Konstellationen. Sie spielt zwar auch alleine, aber es gibt Setups von uns beiden als Duo, bei dem sie mit einem DJ-Controller die Beats steuert, über die ich dann spiele oder aber eine Konstellation mit DJ und noch mit vier- bis fünfköpfiger Band. Dadurch kann sie je nach Budget flexibel spielen, seit 2017 kommen aber die meisten Bookings mit Band zustande. Außerdem spiele ich noch bei FINN, einem Singer-Songwriter aus Berlin. Letztes Jahr ist sein Debütalbum rausgekommen, mit dem wir Support-Tourneen und eine eigene Tour gespielt haben. Das waren dann so 30 bis 40 Konzerte. Dieses Jahr kommt dann das zweite Album, zu dem wir im Mai erst eine kurze und später im Jahr eine längere Tour spielen. Bei FINN bin ich Teil des Projekts und deshalb natürlich auch sehr gespannt, was da alles passieren wird. Es war für mich auch eine Herausforderung, nach jahrelangem Hip-Hop-Drumming mal wieder im akustischen Singer-Songwriter-Kontext zu spielen. Außerdem bin ich mit Suff Daddy, einem Hip-Hop-Produzenten, unterwegs. Da spiele ich neben dem akustischen Drumset auch viel auf meinem Akai MPD Pad Fingerdrums. Bei ihm bin ich seit 2016 Drummer seines Lunchbirds-Projekts, für das DJ Werd von Sido die Band zusammengestellt hat.

Spielst du dort ein Hybrid-Setup?

Nein. Ich spiele entweder Drums oder auf dem MPD Pad. Ich habe zu Beginn der Zusammenarbeit die Einzelspuren der Beats bekommen, die live umgesetzt werden sollten. Das sind Kick, Snare und Hi-Hats, die ich über Ableton mit dem Pad spiele. Früher wollte ich immer nur der Akustik-Drummer sein, weshalb das für mich Neuland war, da ich zwar zuhause schon immer Beats gemacht habe, aber bei Suff Daddy nicht nur einen viertaktigen Loop baue, sondern den gesamten Song dann am Pad spiele. Ich mag auch diese Trennung zwischen akustischen Drums und Pads, weil das zwei unterschiedliche Sound-Welten sind. Das Drumset ist mit Bass Drum, Snare Drum, Floor Tom, Hi-Hat und zwei Crashes auch nicht besonders groß.

Wie sieht dein Setup bei den anderen Projekten aus?

Bei FINN kommt vielleicht zum neuen Album ein Sample Pad dazu, aber momentan spiele ich dort alles komplett akustisch. Wenn aber eh Backingtracks mitlaufen, bin ich oft auch bequem und packe das eine Signal, was da sonst vom Pad kommen würde, lieber auf den Track. Ich bin ein großer Fan von Layering und spiele seit Ewigkeiten zu Beats, weswegen das für mich eigentlich Normalität ist. Ich habe auch bei den Shows mit Yarah Bravo keinen Click mitlaufen, sondern lasse mir einfach den Beat auf die Ohren geben und orientiere mich an den Sachen, die auf der Produktion passieren. Man lernt da, genau hinzuhören und sich eher an Melodien, Synths oder Bässen zu orientieren. Natürlich kann dann ein rhythmischer Sound zusammen mit der Snare mal einen Flam ergeben, aber das ist normalerweise immer in einem Bereich, der im Hip-Hop okay ist. Bei Sido ist mein Setup auch sehr sparsam und nur durch ein Hängetom und ein Ride-Becken ergänzt. Er hasst eigentlich Becken. (lacht) Das kenne ich aber von einigen Sängern, die gerade auf kleineren Bühnen schnell davon genervt sind. Ehrlich gesagt will ich auch gar nicht so viel Kram mitschleppen. Es gibt viele Produktionen, bei denen ich selber aufbaue, fahre und manchmal sogar noch Merchandise verkaufe – da möchte ich nicht noch ein riesengroßes Setup auf- und abbauen.

Schauen wir mal in die Vergangenheit: Wie bist du zur Musik gekommen?

Ich habe im Alter von 11 oder 12 Jahren angefangen, Schlagzeug zu spielen. Ich wollte eigentlich schon viel früher anfangen, musste meine Eltern aber bestimmt drei, vier Jahre davon überzeugen. Vom Kommunionsgeld habe ich dann mein Schlagzeug gekauft. Ich hatte damals das Glück, dass wir in einem Einfamilienhaus gewohnt haben, in dem ich in einem Kellerraum trommeln konnte. Aus heutiger Sicht und in Berlin lebend, merke ich erst, was das für ein Privileg war, dass ich da ganz in Ruhe mein Ding machen konnte. Ich habe dann erst bei uns im schwäbischen Dorf Unterricht genommen und später, als ich meinen Führerschein hatte, ein paar Jahre bei Flo Dauner. Er hat mir wirklich sehr viel geholfen, gerade was Click, Timing und Sound angeht. Meine ersten Band- und Bühnenerfahrungen sammelte ich mit meiner zwei Jahre älteren Schwester Julia. Sie sang und spielte Gitarre und tut das in eigenen Projekten auch heute noch. Später habe ich dann zweieinhalb Jahre an der Academy of Contemporary Music in Zürich studiert. Das war eine Privat-Uni, die damals so ein bisschen als das kleine Berklee College galt. Ich habe mir damals ja auch Flo Dauner als Lehrer gesucht, weil er in Berklee war. Später war ich dann noch zwei Jahre am Drummer's Focus. Irgendwann habe ich dann gemerkt, dass ich einfach in eine brodelnde Großstadt gehen muss, um Musik zu machen und bin dann 2004 nach Berlin gezogen. Ich hatte früher in Süddeutschland schon immer nebenher in Musikläden gearbeitet und habe das dann auch in Berlin erstmal weitergeführt. Unabhängig voneinander habe ich dann 2009 Sidos DJ Werd und Yarah Bravo kennengelernt. Ich wusste erst gar nicht, wer sie ist und habe dann begeistert auf Myspace ihre Musik gehört und gesehen, dass sie 1,5 Millionen Follower hat. Ich fand ihre Musik so cool und habe sie dann regelrecht bekniet, einen Drummer mitzunehmen. Ein Jahr später habe ich dann mein erstes Konzert mit ihr gespielt. Sie hat mich auch letztlich dazu ermutigt, meinen Nebenjob an den Nagel zu hängen und richtig selbstständiger Musiker zu werden, um meiner Leidenschaft voll und ganz nachgehen zu können. Finanziell hat das damals eigentlich noch keinen Sinn gemacht, ich brauchte auch definitiv den Sprung ins kalte Wasser, aber acht, neun Jahre lang war das auf jeden Fall nicht leicht. Finanziell kenne ich auf jeden Fall alles, und gerade bei geringeren Gagen bräuchte man eigentlich 20 bis 25 Gigs im Monat, um klarzukommen. Aber das war der Weg, den ich gehen musste, um jetzt da zu sein, wo ich bin. Es ist ja in einer Großstadt wie Berlin auch unglaublich schwer, die richtigen Leute kennenzulernen. Das dauert eine Ewigkeit, und manche kriegen es vielleicht nie hin. Ich hatte jahrelang ein schlechtes Gewissen, weil ich dachte, dass ich irgendwie mehr hätte machen können. Aber in Retrospektive bereue ich eigentlich nichts davon. Seit letztem Jahr arbeite ich jetzt auf Teilzeitbasis als Content Manager der Website eines Musikladens. Das ist perfekt für mich, weil ich nur Montag, Dienstag und den halben Mittwoch arbeiten muss und mich ab dann komplett der Musik widmen kann, aber trotzdem finanziell gut über die Runden komme. Für mich war es anfangs etwas schwer, weil es sich kurz wie ein Scheitern anfühlte, aber jetzt merke ich, dass es mir dadurch viel besser geht. Ich bin ja auch nicht mit Acts unterwegs, die sechs Wochen am Stück auf Tour sind, weswegen sich das nicht in die Quere kommt. Mir hilft die Struktur auch, weil ich zwar immer super gerne Musik gemacht habe, aber oft auch in den Tag hinein gelebt habe. Für die komplette Selbstständigkeit bin ich vielleicht einfach nicht so geschaffen.

Waren Coverbands für dich keine Alternative? Immerhin verdient man da ja häufig auch ganz gut.

Tatsächlich nie. Aber nicht weil ich es komplett ablehne, sondern weil ich es einfach noch nie gemacht habe. Wenn die Band cool ist und das Zeug geil gespielt wird – warum nicht? Ich habe früher auch nicht permanent Sachen abgesagt, sondern es war sehr schwer, dass man in die Position kommt, überhaupt angefragt zu werden. Für mich war es auch entscheidend, dass ich irgendwann mal nicht mehr auf das klassische Bandsetting gesetzt habe, sondern mich als Freelancer oder Sessiondrummer positioniert und mit verschiedenen Acts mein Einkommen generiert habe. Das ist ja auch ein bisschen Erfahrungssache, und man lernt ja selbst erst über die Jahre, was man eigentlich will oder was man sich zutraut.

Fokussierst du dich jetzt mehr oder weniger komplett auf Hip-Hop?

Das wird glaube ich einfach immer mein Ding bleiben. Ich habe von den Produzenten, mit denen ich zusammengearbeitet habe, so viel gelernt, weil die keine Drummer sind, sondern einfach ihre Beats basteln. Das ist sehr inspirierend. Ich habe mir die Beats mit den verschiedenen Feels angehört und immer versucht, dazu zu trommeln. Das Grundpattern von Kick und Snare ist ja schnell klar, aber das Feel der Hi-Hat, egal ob gerade oder „wobbelig“, muss man auch erstmal so spielen. Wenn man dann den Beat ausmacht, dazu spielt und es rollt, hat man irgendwann seinen Style gefunden. Früher waren die Hip-Hop Acts ja seltener mit Livebands oder Drummer unterwegs, aber das hat sich über die Jahre gut entwickelt, und ich hatte das Glück, mit einigen Künstlern unterwegs sein zu können. Ich fühle mich in der Kultur auch am wohlsten, weil es da mehr um ein Miteinander geht. Im Rock- und Pop-Bereich habe ich das Gefühl, dass die Künstler sich gegenseitig nicht so supporten und pushen wie im Hip-Hop.

Du hast vor einiger Zeit auf Facebook einen recht langen Post zum Thema Saftfasten geschrieben. Was hat es genau damit auf sich, und wie hat es dein Leben beeinflusst?

Richtig. Das war zu meinem vierzigsten Geburtstag, und ich habe darüber geschrieben, wie viel es bei mir ausgelöst hat. Es gibt einen Blog namens „Beastme“. Die Autorin Julia Wolf ist selbst Musikfan und schreibt in ihrem Blog Artikel über Musik, Sport und Gesundheit. Sie hat mich dann gebeten, diesen Beitrag, etwas ausführlicher geschrieben und mit Fotos belegt, auf ihrem Blog zu veröffentlichen. Angefangen hat alles 2016. Ich hatte damals zwei massive Hexenschüsse, vielleicht waren das auch beinahe schon Bandscheibenvorfälle. Obwohl ich früher sehr sportlich war, hatte ich fünf Jahre lang eigentlich gar keinen Sport mehr gemacht und viel auf Couches, in Tourbussen und im Flugzeug rumgesessen. Ich habe mich viel zu wenig bewegt, mich komisch ernährt und dann auch 104 Kilo gewogen. Das sind 25 Kilo mehr, als ich heute auf die Waage bringe. Als ich dann die Dokumentation „Fat, Sick and Nearly Dead“ gesehen habe, wusste ich, dass ich etwas ändern muss. In der Doku wird ein übergewichtiger 38-jähriger begleitet, und es wird viel über Migräne, Diabetes 2, Gelenkbeschwerden und Morbus Crohn gesprochen. Viele der Betroffenen berichten, wie sehr ihnen das Saftfasten geholfen hat, und daraufhin habe ich auch damit angefangen. In der Doku macht jemand das sechs Monate lang, ich selbst habe mit zehn Tagen begonnen, und diese Zeit hat bei mir neben sieben Kilo Gewichtsverlust in so vielen Richtungen alles zum Positiven verändert. In kurzer Zeit habe ich gelernt, dass unser körperliches und psychisches Wohlbefinden nahezu komplett von unserer Ernährung abhängt. In erster Linie brauchen wir ja Wasser, Gemüse und Obst. In der Evolution gab es für den Menschen immer wieder Zeiten, in denen er nichts zu essen hatte. In der ersten Phase ist man energielos und hat häufig auch Kopfschmerzen und Magenknurren. Nach drei bis sechs Tagen neutralisiert sich der Geschmacks- und Geruchssinn, und man bekommt einen nahezu unerklärlichen Energieschub. Da wird ein Instinkt geweckt, damit der Mensch Nahrung riecht und Energie zum Suchen freigesetzt. Als ich am sechsten Tag aufgewacht bin, habe ich mich 20 Jahre jünger gefühlt und hatte Energie bis zum Gehtnichtmehr. Da hat sich bei mir im Kopf richtig ein Schalter umgelegt, weil ich nach dem regelrechten Vollpumpen des Körpers mit Nährstoffen und Vitaminen auch nach der Fastenzeit einen Heißhunger auf Obst und Gemüse habe. Durch den neutralisierten Geschmackssinn merkt man erst, wie man sich jahrelang zu süß, zu salzig oder zu fettig ernährt hat. Ich habe jetzt gar keinen Bock mehr, mich mit ungesundem Zeug vollzuknallen, weil ich weiß, wie sich mein Körper fühlt, wenn er das bekommt, was er braucht. Ich habe dann in den zwei Jahren danach insgesamt 30 Kilo abgenommen und hatte auch wieder richtig Bock, mich zu bewegen. Seit zweieinhalb Jahren mache ich deshalb auch jeden Tag mindestens eine Stunde Yoga. Mir geht es einfach jetzt so gut.

Hat dieser Ernährungswandel dich auch als Musiker verändert?

Ich hab definitiv viel mehr Energie, obwohl ich seitdem bis zu zwei Stunden weniger Schlaf brauche. Mein Körper ist ja jetzt auch nicht mehr damit beschäftigt, irgendwelche Sachen zu verdauen, die ich mir kurz vor Mitternacht noch reingeknallt habe. Auf Tour fallen für mich auch Raststätten-Snacks aus. Wenn man mal zehn Tage nichts gegessen hat, ist es überhaupt kein Problem, zwei, drei Stunden auf etwas Vernünftiges zu warten. Seit ich mit mir selbst, also mit Geist und Körper, besser im Einklang bin, besitze ich ein höheres Maß an Konzentration und Überblick, auch was die Bühne anbelangt. Ich bin weniger mit mir selbst beschäftigt und kann mich daher besser auf die Show, den Künstler und meine Mitmusiker konzentrieren. Kurz gesagt: Ich höre auf der Bühne besser zu. Und das schadet nie.

Vielen Dank für's Gespräch!

  • TrommelTobis Equipment:
  • Drums: Spaun Revolutionary Series
  • Bassdrum: 22"x14"
  • Toms: 12"x9", 16"x16" Floor Tom
  • Snares: 13"x7" und/oder 14"x5,5" Maple Snare
  • Becken:
  • 14“ Sabian HHX Evolution Hi-Hat
  • 15“ Masterwork Thalles Crash
  • 18“ Sabian HHX Legacy Series Crash
  • 21“ Sabian Artisan Elite Series Ride
  • Felle: Evans
  • Sticks: Promark 5A und 5B
  • Electronics:
  • Macbook Pro
  • Ableton Live
  • Akai MPD32 MIDI-Controller

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