Serie_Interview
Feature
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11.03.2018

Interview und Gear-Chat mit Guido May

Münchener Groove und Swing für Pee Wee Ellis

von Jazz & Funk bis Latin ...

20 Jahre ist es her, dass der legendäre Saxophonist Pee Wee Ellis den damals aufstrebenden Münchener Drummer Guido May in seine Band berief. Genau der Pee Wee Ellis, der mit James Brown spielte und dem die Musikwelt unter anderem den Song „The Chicken“ zu verdanken hat. In Pee Wees Band kann Guido May seine Qualitäten und musikalischen Vorlieben ideal unter einen Hut bringen: Ausgecheckte und geschmackvolle Funky Grooves und virtuoses, aber stets musikdienliches Getrommel. 

Aber auch sonst ist der Grenzgänger mit einem deutlichen Hang zu Jazz und Fusion sehr umtriebig. Neben eigenen Bands und zahlreichen Side-Projekten springt er auch mal als Feuerwehrmann in die Bresche, wie am Vorabend unseres Interviews. Ein Konzert mit Rundfunkaufzeichnung beim BR stand an. Da der Tourdrummer Gary Husband überraschend gesundheitsbedingt ausfiel, trat Guido May in den Ring… ohne Probe und mit einem dicken Stapel Noten aus seiner Dropbox bewaffnet. Die Literatur waren anspruchsvolle Stücke mit vielen krummen Taktarten aus der Feder des Bandleaders und Pianisten Antonio Farao. In der Band spielen außerdem weitere begnadete Hochkaräter wie der Harpspielers Grégoire Maret und der Schweizer Bassist Heirig Känzig. Doch genau solche Herausforderungen liebt Guido May. Er hat nicht nur das Handwerk und die Erfahrung, sondern auch das Selbstvertrauen, solche Aufgaben souverän zu meistern. Kommen dann noch magische musikalische Momente dabei heraus, so erzählt er mir während unseres Gespräches, beflügelt ihn das geradezu. Eine Erfahrung, die er sucht und aufgrund derer er das Zusammenspiel mit anderen hervorragenden Musikern so sehr schätzt und liebt.

Unser Interview beginnt in einem italienischen Restaurant, zur Foto-Session und zum weiteren Interview geht es weiter ins Studio des Keyboarders und Organisten André Schwager, mit dem Guido auch das gemeinsame Orgel-Trio Brändle • Schwager • May betreibt.

Wann hast du angefangen zu trommeln?

Mit 13 Jahren erst, ich hatte zuvor sieben Jahre lang klassischen Klavierunterricht, wollte aber immer Schlagzeuger werden. Das wusste ich auch schon immer, aber ich musste erstmal durch den Klavierunterricht. Und dann hat es sich doch durchgesetzt. Ich war mit meinen Eltern auf einem Jazz-Konzert und habe Art Blakey gesehen. Das hat mich so fasziniert, dass ich wusste, das will ich machen und nichts anderes. Dann war ich für zwei Jahre an der Dante Agostini (heute Drummer’s Focus) Schlagzeugschule in München, das war ganz toll, denn oben drüber war damals noch das Pro Percussion Center. Ich bin dann alle zwei Wochen mit dem Zug aus Traunreut in die große Stadt und in das große Schlagzeuggeschäft gefahren und hatte Schlagzeugunterricht. Das war immer großartig. Ich hab’ dann alles aufgesogen, was ich kriegen konnte, habe gleich die Drums & Percussion abonniert und alles angeschaut, was da an Noten im Pro Percussion Center rumlag, und das war natürlich einiges. Aus Amerika kam das Modern Drummer Magazin. Da habe ich mir alles rausgeschnipselt, was ich finden konnte. Und natürlich die Sendung „Super Drumming“ von Pete York, die hat glaube ich alle infiziert damals.

Wie ging es dann weiter? Du hast Abi gemacht …

… Genau, ich hab Abi gemacht, bin gleichzeitig in den Ferien auf die ganzen Jazz-Workshops gegangen. Davon gibt’s ja in Deutschland ganz viele. Das fand ich auch großartig, da gab es in der Früh immer Schlagzeugunterricht, als Einzel- oder Gruppenunterricht am Set, und nachmittags zwei Combos. Da wurden Platten vorgestellt und Stücke nachgespielt. Abends waren dann Sessions, bei denen ich sehr viel gelernt habe. 

VHS-Videos gab es auch schon?

Ja, die habe ich auch alle noch, gibt es jetzt aber alles auf YouTube. Die ersten Dave Weckl Videos hoch und runter, Chick Corea Electric Band… und ich bin immer viel auf Konzerte gegangen: Jazzwoche Burghausen oder alles, was in München lief. Von den Brecker Brothers mit Dennis Chambers bis hin zu Pat Metheny, oder Joe Henderson oder die Chick Corea Electric Band.

Hast du das Gefühl, dass das Angebot an Konzerten nachgelassen hat?

Nein, eben nicht! Wir haben hier in München einen Club, der heißt Unterfahrt. Das ist quasi mein zweites Zuhause. Eigentlich muss man gar nicht mehr nach New York, weil alle neuen Bands und auch die ganz Großen da spielen. Momentan ist es konzerttechnisch unglaublich, was einem da geboten wird. 

Wie ging es dann bei dir weiter?

Nach zwei Jahren Zivildienst, wo ich mich nach nächtlichen Sessions immer aus dem Bett geschält habe, um ältere Leute zu Hause zu betreuen, war ich kurz auf dem Vermont Jazz Center, eine Schule von Attila Zoller, die oberhalb von New York liegt. Daraus haben sich die ersten New York Aufenthalte ergeben. Das war immer super, eine tolle Inspiration, auch mit super Schlagzeuglehrern wie zum Beispiel Yoron Israel. Und immer direkt die Musikhistorie dazu. Es war also nie so, dass du nur am Instrument saßt, sondern es wurde viel Musik gehört und dann in den Combos und hinterher auf den Sessions direkt umgesetzt. Auf Sessions gehen, das empfehle ich jedem Schlagzeuger. Ob Funk oder Jazz, es geht darum, mit Leuten zusammen zu spielen… weil Schlagzeug allein kann auch trist sein. Es gehört in den musikalischen Kontext. 

Dann hattest du bald auch deine ersten größeren Gigs, oder?

Ja, es ging dann gleich los. Ich hab viel mit der Hammond-Organistin Barbara Dennerlein gespielt. Sie hatte zu der Zeit eine amerikanische und eine europäische Band. Da spielten auf den Platten Leute wie Jeff Tain Watts oder Dennis Chambers, und wir sind hier in Europa getourt. Das war der Einstieg, wo ich gemerkt habe, okay, es geht ein bisschen über Deutschland hinaus. 

Wie alt warst du da?

Da war ich so etwa 22. Ich war in der Jazz-Szene sehr aktiv, hab ein paarmal bei Klaus Doldinger ausgeholfen, ein paar Sachen mit Till Brönner gespielt und hatte mit der Thilo Wolf Big Band auch einen Fernseh-Gig. Da hatte vor mir der Wolfgang Haffner gespielt. Und dann geht’s halt relativ schnell, wenn man einmal etwas bekannter ist und einen ein paar Leute gehört haben. Dann kamen auch die ersten CDs mit Peter O’Mara, mit dem ich viel gespielt habe, bis zu dem einen Anruf, der mein Leben komplett verändert hat. Der kam von der Plattenfirma, die eine neue Band für einen Saxophonisten namens Pee Wee Ellis suchte. Aufgenommen wurde das Ganze in Köln, im Topaz Studio, die Platte hieß „ A new shift“. So ging das weiter mit erster großer Tournee und „Ohne Filter“ TV-Aufzeichnung.

Wie lange spielst du jetzt mit ihm?

20 Jahre. Er hat natürlich mehrere Schlagzeuger, je nachdem wo er spielt, aber es gibt dieses Klüngel von Leuten, die angerufen werden. Es spielen auch mal andere Bassisten oder Keyboarder, das ist in der Jazz-Szene eh so, dass mal gewechselt wird, je nachdem wer Zeit hat.

Aber er ist da schon sehr loyal seinen Musikern gegenüber?

Absolut loyal. Also wenn’s geht, spiele ich. Und ich liebe es auch, mit ihm zu spielen. Das ist einfach auch mein Stil. Er ist eigentlich vom Herzen Jazz-Musiker, spielt aber das ganze Funk-Zeug und auch afro-kubanische Sachen. Er hat den ganzen Funk mit geprägt und Musikgeschichte geschrieben. Er ist ohne Frage auch mein Mentor.

Wenn du nicht mit Pee Wee unterwegs bist, was machst du so in einer Woche?

Ich übe natürlich und habe ganz viele Side-Projekte. Ab und zu gibt es Studio-Sessions. Ich beschäftige mich die ganze Zeit mit Musik. Ich probe, ich versuche Musik zu schreiben und treffe mich mit anderen Musikern. Wir machen auch Sessions und spielen zusammen. Dann unterrichte ich noch einen Nachmittag, was mir auch sehr viel Spaß macht. Pädagogik, besonders mit Kindern, ist mein Ding. Entweder Kinder oder Profis. Dazwischen ist schwieriger Grau-Bereich, nach dem Motto „Zeig mir mal schnell, wie es geht, ich habe aber keine Zeit zu üben.“ Ich kann dann nur sagen, dass es keine Abkürzung gibt. Mit den Kleinen ist es halt schön, weil ich sofort sehe, was los ist. Ich war früher oft als Skilehrer tätig, hab auch einen Skilehrerschein. So wie jemand die Piste runterfährt, kann ich ihm genau sagen, was er hier und da machen kann. So geht’s mir auch mit dem Schlagzeug und den Kindern. Bei den Profis bereite ich Leute auf Hochschulstudien oder Abschlüsse vor, oder wenn jemand bei irgendwelchen Landesjugend-Jazzorchestern spielen will, gebe ich Tipps, wie Big Band Schlagzeug funktioniert. Da mache ich es aber immer so, dass ich den Leuten so viel mitgebe, dass sie sich erst wieder melden sollen, wenn sie neuen Input benötigen. Da trete ich ihnen dann gern wieder in den Hintern (lacht). 

Guckst du ab und zu über den Tellerrand, was andere Drummer im In- und Ausland so machen?

Dauernd, ich mache nichts anderes! (lacht) Ich bin ein „Schwamm“ bis heute geblieben. Früher waren es viele Live-Konzerte, das mache ich nach wie vor. Egal welcher Drummer da gerade ist, ich schaue immer auf die Musik. Meistens ist es so, wenn mir die Musik gefällt, gefällt mir natürlich auch der Drummer, denn das geht für mich einher. Diese absolute Technik abliefern, das kann man üben. Aber in einer Band zu spielen und vor allem gut in einer Band zu spielen, das kann man nicht üben, das ist ein anderes Level.

Kann man sich nicht dahin entwickeln?

Ja, du musst es halt wirklich wollen. Dauernd hören und Sachen auschecken. Ich beschäftige mich auch die ganze Zeit damit, mache im Prinzip nichts anderes. Wenn mir irgendjemand einen Namen sagt, dann bleibt das in meinem Kopf und dann gehe ich nachher her und check den Drummer aus. Weil ich auch immer wissen will, was los ist, das darf nie aufhören. Im Prinzip bin ich gleichzeitig Drummer und Fan. Es gibt immer irgend jemanden, der etwas macht, was ich nicht kann, oder irgendwas spielt, wo ich denke: Woah, warum bin ich da nicht drauf gekommen? Ungerade Sachen oder was auch immer. Mit diesen ganzen YouTube Links leben wir in guten Zeiten. 

Auch abseits von Jazz und Fusion?

Ja, ich höre alles, querbeet. Nur mit ganz harten Sachen und Blast Beats kannst du mich jagen. Aber sonst, wirklich alles.

Kannst du drei Schlagzeuger nennen, die sehr prägend für deine musikalische Entwicklung waren?

Hmm, schwierig. Also vom Swing, vom Gefühl her, was ich gehört habe, war es immer mehr Elvin Jones als Tony Williams. Das war für mich immer runder, mehr afrikanisch. Mit Coltrane, das habe ich immer geliebt. Elvin war für mich der Hero. Und dann natürlich einige Leute, die genau das weiterentwickelt haben. Jeff Tain Watts finde ich unglaublich, oder Carl Allen, auch wenn der nicht so bekannt ist. Dann natürlich Art Blakey, aus der alten Garde. Dieses tief empfundene Swing Feel, das aus dem Afrikanischen kommt, das liebe ich, das war immer meins. 

Dann kann ich natürlich sagen, wen ich nach und nach entdeckt habe. Dennis Chambers auf jeden Fall, den habe ich damals das erste Mal auf einem Konzert mit John Scofield in Ingolstadt gesehen, und erst hinterher habe ich herausgefunden, dass er eigentlich ein totaler Funk-Schlagzeuger ist und mit den ganzen Funk Heroes gespielt hat. Vinnie Colaiuta… immer wenn ich denke, ich bin eigentlich ein ganz guter Schlagzeuger, schaue ich mir Vinnie an. Dann weiß ich wieder, wo die „Eins“ ist. Hochnäsigkeit oder Arroganz gibt’s nicht. (lacht) Und natürlich viele andere Jazz Drummer wie Philly Joe Jones, Papa Jo Jones, auch Buddy Rich… Die Liste ist endlos. 

Wenn du dich mit dem Guido May von vor 20 Jahren vergleichst, siehst du nicht nur eine spielerische Entwicklung, sondern auch eine menschliche Entwicklung, die damit einhergeht und dazu führt, dass du manche Dinge heute anders betrachtest?

Ja, gute Frage. Ich hatte letztes Jahr so ein Aha-Erlebnis. Ich mache sehr viel Sport und bin beim Joggen blöde auf den Ellbogen gestürzt und habe mir die Schulterpfanne gebrochen. Worauf ich zweieinhalb Monate pausieren musste. Das hat viel verändert, denn ich hab gemerkt, zur Ruhe kommen ist auch mal ganz gut. Das war wichtig, kurz mal aus allen Komfortzonen rauszukommen, aber das hat bewirkt, dass ich umso mehr weiß, dass ich das liebe, was ich tu.  

Mein Schlagzeugspiel hat sich im Vergleich zu früher mehr gesetzt, es ist alles sehr viel klarer geworden. Früher war es mehr Chaos, es kamen Sachen heraus, die ich nicht geplant hab. Jetzt merke ich, dass es alles in mir verborgen ist. Das Spiel hat sich schon ein bisschen verändert, da ich natürlich auch übe und schneller werden will und möchte, dass bestimmte Sachen besser funktionieren. Aber grundlegend glaube ich, hat es sich nicht so sehr verändert. Wenn ich mir Videos von vor zehn Jahren anschaue, wie ich da spiele, da ist im Prinzip schon alles da. Alles andere ist Feinschliff. 

Was ich in all den Jahren gelernt habe, ist, wie wichtig Rudiments sind, wie man sie aufs Set übersetzt, wie man ein Solo aufbaut oder wie man die Kollegen gut klingen lässt. Das ist natürlich Erfahrung. Immer wieder auf Bühnen gehen und ganz viele „Fehler“ machen. Nur so lernt man es. Dieser berühmte Moment, wo man bei einer Session auf eine Bühne geht, und einer ein Stück ansagt, und du kennst es nicht. (lacht) Dann gehst du runter von der Bühne und denkst nur „Oh Sch….“ Aber ich sag dir was. Hinterher gehst du ganz schnell nach Hause und checkst das, und dieses Stück vergisst du dann hinterher nie wieder. Das sind die Momente, die wirklich alles verändern und wo du am meisten lernst. Oder auch mit Pee Wee. Wenn ihm irgend etwas nicht gefällt, sagt er auf der Bühne auch mal Stopp und gibt dir eine klare Ansage. Dann ist es ihm auch sch…egal, wie die Leute im Publikum reagieren. Da habe ich am meisten gelernt. Auch wenn es nur Kleinigkeiten sind, das macht was.

Auch mit wem ich zusammenspiele, das ist ganz wichtig. Du verbringst die meiste Zeit nicht hinter dem Schlagzeug, sondern indem du mit jemandem irgendwo rumsitzt, im Bus, im Auto oder auch mal im Flugzeug. Da wird die Zeit verbracht, und da willst du gut auskommen und das Gefühl haben, hier bin ich richtig, der andere versteht mich. Und dann gemeinsam auf die Bühne zu gehen, ist noch mal auf einem ganz anderen Level. Und da lege ich, je älter ich werde, immer mehr Wert drauf. 

Du reist ziemlich viel…   

Ja, die Ruhephasen sind sehr wichtig, denn unter Spannung zu sein, das kenne ich.

Lass uns doch mal ein bisschen über dein Equipment sprechen. Du bist im letzten Jahr zu Zildjian gewechselt und scheinbar sehr zufrieden. Warum gerade Zildjian und nicht ein anderer Hersteller?

Vom Herzen bin ich ja Jazz-Schlagzeuger, jeder kennt die berühmten alten K’s, davon habe ich natürlich auch ein paar. Und das verbindet schon. Zildjian ist für mich mit dem Sound des Jazz stark verknüpft. Ich war zehn Jahre lang bei Meinl und habe dann über mein Vic Firth Endorsement Frank Rohe kennengelernt. So kam eins zum anderen. Ich wurde eingeladen, mir die neuen Sachen anzuhören und bin dann gewechselt. So reifte die Entscheidung, dass ich im Herzen doch zu Zildjian gehöre. Meine Hi-Hats, die 13er New Beats, habe ich mein ganzes Leben gespielt, die habe ich damals aus der ersten Musikschul-Bigband abgestaubt. So schließt sich dann ein Kreis. 

Kurz vor unserem Interview hast du auch ein neues Drumset Endorsement bekommen. Du bist neuerdings bei Drum Workshop. DW und Jazz passt vom Klischee für viele nicht so zusammen?

Doch, finde ich schon. DW hat eine tolle Jazz-Reihe, die habe ich gehört und die finde ich super. Ich hatte ja vorher kein Drum Endorsement. In dem Bereich, in dem ich unterwegs bin, also Jazz und Funk, kriegt man meistens ein Set gestellt. Entweder die Clubs haben selbst eins oder ich hab bisher gespielt, was die Backline liefert. Aber auch hier schließt sich ein Kreis, denn ich hatte vor 20 Jahren schon mal ein DW Endorsement, hab mich dann allerdings schweren Herzens von dem Set getrennt. Jetzt hat die Zeit einfach gepasst. Der Support ist super, wir planen gerade eine Video-Reihe für DW, und ich fühle mich da gesehen. Besonders für Funk sind 20“ x 16“ DW Bassdrums einfach super, das knackt, das geht im Prinzip nicht besser. 

Aber in den Clubs wirst du weiterhin die Backline Kits nutzen?

Ja, aber wenn die Events oder Festivals größer sind, kann man sich auch die Firma aussuchen. Da werden in Zukunft natürlich nicht nur wie bisher die Trommelgrößen, sondern auch die Marke DW Drums auf dem Rider stehen. Meine Becken nehme ich immer auf dem Rücken mit. Ansonsten spiele ich noch Vic Firth Stöcke und Remo Felle.

Würdest du jungen Leuten empfehlen, Musiker zu werden? Denn der wirtschaftliche Aspekt wird auch gern mal beschönigt…

Es ist tatsächlich so, Musikbusiness ist ein hartes Business. Es gibt eigentlich keine Formel. Das einzige, was ich sagen kann: Versuch, du selbst zu sein, und das Leben spielt dir zu. Oder auch nicht. Wenn es dieses Buch mit der Formel gäbe „How to be successful“, dann könnte sich jeder danach richten. Aber so funktioniert das Leben eben nicht, auch nicht als Musiker.

Hast du einen Jahresplan, dass du weißt, was du ungefähr machen wirst. Dass du auch monetär etwas planen kannst, oder ist das bei dir jeden Monat anders? 

Es ist jeden Monat anders. Da kann ich nur den Tipp geben: Lasst das Geld los, dann kommt es zu euch. Das ist zwar entgegen unserer westlichen Erziehung, wo alle immer sagen, du musst doch, du musst doch. Letztendlich erkennen alle irgendwann, dass es nicht das Wichtigste ist, auch wenn es in vielen Momenten so ausschaut, auch über Jahrzehnte so ausschaut. 

Ich bekomme Angebote und hab bis jetzt bis 2019 Gig-Buchungen oder Tourneen. Aber ich kann es nie vorhersehen. Das sagen ja alle Musiker, du weißt nie, wann die nächste Tour oder der nächste Gig kommt. Ich hab meine eigenen Projekte, in denen ich mich natürlich engagiere. Aber es ist nie einzusehen, ich wüsste auch keinen, bei dem es anders ist. Auch nicht bei den Stars (lacht). Also jeder muss machen und schauen, wo er bleibt. Aber seinem Herzen folgen ist glaube ich nie falsch.

Hast du eigentlich mal einen Plan B gehabt, wo du dachtest: „Ach, ich könnte ja auch dieses oder jenes machen?“

Ich hatte natürlich die Phasen, wo ich frustriert war, aber das geht jedem mal so. Ich glaube, das gehört mit dazu, und das ist in jedem anderen Job auch so. Das Leben zeigt dir dann irgendwann den Weg. Als ich meinen Schulterbruch hatte, dachte ich auch, wer will mir jetzt hier ein Zeichen geben oder mich prüfen?

Hast du einen Ausgleich zum Trommeln?

Ja, ich mache viel Sport. Ich jogge mindestens dreimal die Woche jeweils eine Stunde, bin seit der Reha auch in einem Fitness-Studio, nicht zum pumpen, sondern für die allgemeine Gesundheit und das Körperbewusstsein. Gesunde Ernährung und Sport ist immer super und wichtig, gerade für uns Schlagzeuger. 

Danke für’s Gespräch!

  • Equipment Guido May
  • Drums: DW
  • Performance Frequent Flyer Kit
  • 20“x12“ Bass Drum, 12“x8“ Tom, 14“x11“ Floor Tom, 14“x5“ Snare Drum
  • Becken: Zildjian
  • Jazz Set Up:
  • 20“ / 22“ K Constantinople Renaissance Rides
  • 13“ A New Beat Hats, traditional
  • Funk Set Up:
  • 21“ K Custom Special Dry Ride
  • 16“ K Custom Session Crash
  • 15“ K Dark Thin Crash
  • 14“ K Mini China
  • 8“ A Trash Splash, brilliant
  • 9“ K Custom Hybrid Splash, brilliant
  • X-Hat: 13“ K Custom Special Dry Hi Hats
  • 13“ A New Beat Hats, traditional
  • Sticks: Vic Firth Jazz AJ3 American Jazz
  • Felle: Remo
  • Sonstiges Equipment (Vintage):
  • Gretsch USA Bop Kit 18"/12"/14"
  • Vintage Zildian K Becken
  • Ludwig Supraphonic Hammered Bronze Snare mit Sonor Gussreifen

Anspieltipps der Redaktion:

Brändle • Schwager • May - "Simplicity" (2017/organic music)

Pee Wee Ellis - "The Spirit Of Christmas" (2013/minor music)

Guido May - "G-Strain" (2012/Radau Records)

Pee Wee Ellis - "Tenoration" (2011/M.i.G.-music)

Kenny Wheeler + Bamberger Symphoniker "Wake, Awake!" (2005/Berlin Classics)

Wolfgang Schmid Kick - "Kick Off" (1999/Hot Wire Records)

Pee Wee Ellis - "A New Shift“ (1998/minor music)

Peter O'Mara - "Heritage" (1998/SBF records

Weiterführende Links: 

Guido May auf Wikipedia 

Guido May bei Facebook

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