Software
Test
10
11.05.2017

Praxis

Bedienung

Am oberen Rand der Bedienoberfläche hält der Synth einen INIT-Button bereit, mit dem alle Parameter zurückgesetzt werden – so lassen sich von Grund auf neue Sounds schrauben. Direkt daneben befindet sich das Preset-Menü, das leider ohne Browser auskommen muss – bei 200 Presets ist das auf Dauer schon recht unübersichtlich. Eigene Patches lassen sich abspeichern und werden daraufhin an das Ende des Preset-Menüs hinzugefügt. 

Die Bedienung von 808 Studio geht insgesamt locker von der Hand, das Interface ist intuitiv aufgebaut und durch die Single-Screen-Bedienoberfläche sind alle Parameter immer erreichbar. Nach dem Laden des INIT-Patchs sind Kick- und Sub-Modul bereits aktiviert und ein wenig mit dem Amp gesättigt. Für einen typischen 808-Subbass würde es schon ausreichen, nur diese beiden Oszillatoren zu verwenden. Mit der Master-Hüllkurve wird der Klangverlauf des Sub-Oszillators reguliert. Das Kick-Modul verleiht dem 808-Sound ein gewisses Maß an Attack. Leider ist es jedoch nicht möglich, eine druckvolle Bassdrum zu erzeugen – dafür ist das Kick-Modul auch nicht gedacht. Vielmehr wird die Attack des Klangs etwas definierter, wenn auch ohne wirklichen Punch.

Trotz des Kick-Moduls ist es also unumgänglich, in einer Produktion eine zusätzliche Bassdrum einzusetzen, etwa eine punchy 909. Ignite VST hält mit dem ROMpler Heat Up 2 alles an Sounds bereit, die man zur Produktion von Trap Beats gebrauchen kann. Darunter auch einige Drumkits, aus denen ich mir ein paar Sounds rausgesucht habe, um eine Drumsektion zu bauen. Unter anderem die obligatorische 909-Bassdrum. Wie das Layering einer solchen Bassdrum mit dem Klang von 808 Studio harmoniert, hört ihr in den folgenden Klangbeispielen.

Oszillatoren und Effekte

Die Effekte lassen sich für Kick- und Sub-Modul separat hinzuschalten. Das ist praktisch, um beispielsweise den Sub-Oszillator zu bearbeiten und die Kick „clean“ zu lassen. Die beiden Layer des Oszillator-Moduls lassen sich mit dem Klang, der aus Kick- und Sub-Oszillator resultiert, ineinander mischen. Daraus entstehen vollere, aggressivere Sounds – je nach Wellenform, Oktave und eingestelltem Filter (Drive und Resonanz) sind hier „Wobble-Subs“ bis hin zu schrillen obertonreichen Klängen möglich – Skrillex lässt grüßen. Da 808 Studio jedoch über keine Matrix und zusätzliche Filter verfügt, liegt die Stärke des Synths natürlich bei den 808-Sounds, wofür er nun mal auch gedacht ist.

Die Effektsektion ist insgesamt überschaubar gehalten, reicht jedoch für das übliche Subbass-Sounddesign aus und passt insgesamt zum einfach strukturierten Bedienkonzept des Klangerzeugers. Lediglich beim Amp hätte ich mir verschiedene Sättigungsstufen (etwa Röhre- oder Bandsättigung) gewünscht. Klanglich machen sie ihren Job gut. In Kombination mit dem Fat-Modus des Sub-Oszillators hat man aber auch in puncto Sättigung genug Möglichkeiten, satte Bässe zu erzeugen.

Pitch Slide und Global

Damit der Bassdrum-Sound so richtig ins Rollen kommt, haben die Herrschaften von Ignite VST ein Pitch Slide Modul entwickelt. In vielen Trap-Songs hört man sehr häufig einen Verlauf in der Tonhöhe der Bassdrum. Wird dieser Tonhöhenverlauf in die Länge gezogen, entsteht beispielsweise ein sogenannter „Bassdrop“, der gerne dazu verwendet wird, um einen Song-Part einzuleiten, etwa den Refrain. Das Schöne am Pitch Slide Modul ist, dass nicht nur die Geschwindigkeit des Tonhöhenverlaufs, sondern auch die Tonhöhe einstellbar ist, auf der der Slide enden soll. Stellt man hier beispielsweise -3 ein, wird die gespielte Note wiedergegeben und verläuft daraufhin drei Halbtöne herunter. Das macht es wirklich sehr einfach, lebendige Slides zu spielen, top!

Im Global-Modul sind Master Volume, ein zusätzliches High-Cut-Filter sowie ein Glide-Parameter am Start. Letzterer erzeugt besonders in Kombination mit dem Pitch Slide Modul rollende Bässe, die ineinander übergehen. Der Pitch Slide drückt den Bass in der Tonhöhe nach unten und durch Glide erfolgt ein Verlauf zur nächsten Note hin.

Für wen lohnt sich 808 Studio?

Aktuelle Trap-Beats stehen und fallen nun mal mit stilechten 808-Subbass-Klängen. Bei der Nutzung fertiger oder selbst angelegter Samples wird die individuelle Klanggestaltung (passend zum Song) sehr stark einschränkt. Wer eine Roland TR-808 sein Eigen nennt, kann sich natürlich eigene Samples erzeugen. Letztlich ist man aber – um dem Sound aktueller Produktionen gerecht zu werden – auch dann auf die Möglichkeiten des Samplers und weiterer Effekte begrenzt, mit denen die Samples über ein MIDI-Keyboard gespielt werden können. 

Wer also auf Samples verzichten möchte, muss auf andere Klangerzeuger ausweichen. Viele Synthesizer – oft sogar DAW-eigene – verfügen über einen Oszillator mit Sinuswellenform sowie mehreren ADSR-Hüllkurven und einer Matrix. Wird eine Hüllkurve für den Lautstärkeverlauf und eine weitere für den Verlauf der Tonhöhe verwendet, kommt man auch ohne 808 Studio zu stilechten Subbässen. Wie gut die Ergebnisse klingen, hängt dann vom Synth und den verwendeten Effekten ab.

Ich persönlich kam bisher weder mit Samples noch mit verschiedenen Synths und Effekten zu Klängen, die mich voll und ganz zufriedengestellt haben. Vor allem Pitchverläufe der Attack sowie am Ende der Sustainphase sind mit vielen Synths teilweise nur durch Umwege realisierbar – da wird das reine Komponieren oftmals von Synth-Programmierung unterbrochen. Ich sehe 808 Studio als Go-to-Synthesizer, der zwar hauptsächlich zur Gestaltung 808-typischer Subbässe geeignet ist, diese Aufgabe jedoch ohne viel Zeitaufwand und vor allem mit hervorragend guten Ergebnissen erledigt! Besonders das Pitch Slide Modul sowie das schlichte und gleichzeitig effektive Bedienkonzept machen diesen Synth in meinen Augen für diese Aufgabe einfach perfekt.

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