Bass Hersteller_Hoefner
Test
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24.08.2015

Praxis

Viele Jahre lang war man ja während der Edel- und Boutiquebass-Welle in den 1980er-Jahren weitgehend auf Sound und Handling von Longscale- bis Extra Longscale-Mensuren eingeschworen. Und nicht wenige Bassisten rümpften ein wenig zimperlich die Nase, wenn ein Shortscale-Bass in einem Laden stand - doch haben sich die Zeiten geändert! Man spürt derzeit wieder einen deutlichen Trend zur Renaissance von Flatwound-Sounds und damit verbunden auch durchaus eine neue Wertschätzung für den spezifischen Sound einer ganzen Generation. Auch ich habe Shortscale-Bässe lange ignoriert, fand sie vom Gefühl her "lappig" und vom Sound her schlapp. Doch wie heißt es so schön: "You live, you learn!". Bekanntlich lernt man nie aus und so gehe ich frischen Mutes und offenen Ohres an die Aufgabe heran und bin absolut gespannt, was mir der Höfner Club Ignition aus China zu sagen hat.

Die in der vorherigen Beschreibung erwähnten Mängel haben tatsächlich keinerlei Relevanz in Bezug auf Sound und Bespielbarkeit. Wer sich an kleinen optischen Makeln stört, der wird zwangsläufig wesentlich tiefer in die Tasche greifen müssen, um sich alternativ eines Club Bass-Modells aus der Meisterfertigung des Höfner-Werkes in Bayern zu bedienen. Ich lasse also die Bagatellen beiseite und widme mich den Kernaufgaben des Basses!

Man kann sich vielleicht vorstellen, wie andersartig ein Bass wirkt, der lediglich knappe 2 kg wiegt und eine Mensur von winzigen 76cm aufweist, wenn man ansonsten gewohnt ist, auf bis zu 5 kg schweren breithälsigen 5-Saitern mit 86cm Longscale-Mensur zu spielen. Zwangsläufig kommt anfangs eine Art "Spielzeug-Gefühl" auf, denn alles wirkt viel kleiner, schmaler und filigraner. Der Halsumfang ist dermaßen gering, dass man sich erst einmal genau überlegen muss, wie man seine Finger der Greifhand sortiert. Auch die Saiten wirken sehr weich und locker, sodass man seine Anschlagtechnik vollkommen neu ausrichten und Attack und Druck weit zurückfahren muss. Und auch das enge Spacing zwischen den Saiten ist für mich nicht gerade eine alltägliche Umgebung. Nichtsdestotrotz mache ich mich nach wenigen Minuten Eingewöhnungsphase an einen ersten Recording-Versuch mit beiden Tonabnehmern gemeinsam geschaltet. Und siehe da: Was ich höre, weiß zu erstaunen! Vernehmbar ist ein runder, warmer Basston, sowie aufgrund der aufgezogenen Roundwound-Saiten trotzdem auch ein schöner Höhenanteil. Das leichte Mittenloch aufgrund der parallel geschalteten Tonabnehmer fügt dem Sound einen schönen Charakter hinzu, der durch die Halbresonanzkonstruktion des Basses noch weiter unterstützt wird. Eines ist jedoch auch sofort klar: man muss diesen Bass vergleichsweise zart behandeln! Wer gewohnt ist, die Saiten hart anzuschlagen oder gar zu malträtieren, wird hier stark zurückrudern müssen, um dem Bass gescheite Töne zu entlocken. Stellt man sich darauf ein, ist das Resultat aber in der Tat hörenswert!

Jetzt untersuchen wir die Soundeigenschaften der einzelnen Tonabnehmer und deren Kombination in Verbindung mit Plektrum- und Fingeranschlag. Es überrascht dabei wenig, dass die beiden Tonabnehmer sehr unterschiedlich klingen, denn wurden sind ja auch an sehr gegensätzlichen Stellen positioniert. Dadurch, dass der Stegtonabnehmer sehr dicht am Steg sitzt, wirkt er alleine gespielt sehr scharf und bissig, während der direkt am Hals sitzende Tonabnehmer natürlich das klangliche Gegenteil bietet und sehr bassig und mild klingt. Beide Ergebnisse überraschen mich daher nicht besonders - aber nie hätte ich vermutet, dass die Kombination der beiden Tonabnehmer derart gut zusammenpasst!

Hier zunächst die einzelnen Soundbeispiele der möglichen Pickup-Konstellationen:

Wenn man sich die Gegebenheiten der Konstruktion des Höfner Club Ignition ansieht (speziell die Verbindung aus Shortscale und Halbresonanz!) mit dem Halstonabnehmer in der vorhandenen, weit vorne liegenden Position, begünstigen all diese Faktoren einen Sound, der zum Beispiel sehr gut im Reggae funktionieren kann. Aber natürlich auch in vielen anderen, ähnlich gelagerten Stilrichtungen.

Hier hören wir einmal den Bass mit dem Daumen angeschlagen und gleichzeitig mit dem Handballen abgedämpft, und dann mit normalem Fingeranschlag bei identischer Einstellung:

Im nächsten Beispiel demonstriere ich noch einmal den drastischen Soundunterschied zwischen dem Halstonabnehmer und der Kombination mit beiden Tonabnehmern. Beim Plektrumspiel kommt der Unterschied fast noch deutlicher zum Vorschein als beim Fingeranschlag. Auch bezüglich des Plektrumspiels möchte ich noch einmal wiederholen, dass man sich sowohl in puncto Saitenspacing als auch geringe Saitenspannung erst einmal gut eingewöhnen muss, um spieltechnisch nicht ins Schleudern zu geraten. Besonders mit dem Plektrum funktioniert der Sound des Halstonabnehmers aber geradezu hervorragend.

Zwischendurch habe ich natürlich auch diverse Male den "Rhythm/Solo"-Schalter betätigt, mit dem man schnell und bequem zwischen zwei unterschiedlichen Lautstärken hin- und herwechseln kann. Ich hatte hierfür allerdings keine sonderliche Verwendung während des Tests. In einer Livesituation mag das hingegen durchaus für den einen oder anderen Bassisten nützlich sein.

Zuletzt noch zwei Beispiele, gespielt mit Fingeranschlag mit beiden Tonabnehmern. Diese Einstellung funktioniert meiner Meinung nach in Verbindung zu dieser Anschlagtechnik am besten.

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