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Test
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16.02.2018

Heavyocity Gravity Test

Kontakt-Library

3..., 2..., 1..., Zero

2013 kam der Film Gravity in die Kinos mit einem damals revolutionären Soundtrack, bestehend aus Hybrid-Elementen, Orchester und Foley-Sounds. 2015 legt Heavyocity eine Hybrid-Scoring Library gleichen Namens vor: Gravity.

Der Name ist wohl weniger Zufall als Referenz, denn die Library bezieht sich eindeutig auf die Klangästhetik des Soundtracks. Hits, sphärische Riser, wabernde Pads, Whooshes; alles, was sich im Film findet, findet sich auch hier. Und man merkt wieder einmal, dass Heavyocity einst von Komponisten und Sounddesignern gegründet wurde, denn diese Library ist ein Deluxe-Werkzeug für den arbeitenden Komponisten. Das betrifft den Umfang der Sounds, die klangliche Vielfalt innerhalb eines eng abgesteckten Sound-Konzepts sowie die Möglichkeiten zur flexiblen Anpassung und zur Organisierung – im Sinne von organisch – der Sounds. Was genau die Library zu bieten hat, wie sie aufgebaut ist, klingt, sich in der praktischen Handhabung verhält, all das werden wir im Folgenden klären.

Details

Installation, Hauptkategorien und verschiedene Menütypen 

Es geht sehr übersichtlich los. Nachdem die knapp 10 GB große Library geladen und installiert ist, gibt es 4 Kategorien zur Auswahl: Hits, Pads, Risers und Stings.

Jede dieser vier Kategorien teilt sich wiederum in bis zu vier Unterkategorien auf: Complex Pads: Pads, die aus drei verschiedenen Soundkomponenten bestehen. 

  • Menüs: Instrumente mit einem Sound pro Taste. 
  • Breakouts: Ähnlich wie Menüs, jedoch in vier Oktaven unterteilt, die je 12 Sounds aus den Kategorien Subs, Impacts, Tails und Whooshes enthalten, zur Eigenkreation von komplexen Sounds. 
  • Und schließlich Elements: Pro Instrument ein Sound, der sich über die komplette Klaviatur erstreckt. Ich erkläre das deshalb so ausführlich, weil sich die Fenster und FX-Menüs von Gravity teilweise verändern, je nachdem welche Unterkategorie man lädt. Jede Veränderung im Detail zu besprechen würde diesen Test sprengen, aber zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich viele Effekte in Gravity, insbesondere EQs und Filter, für jeden Sound einzeln regeln lassen. In den mehrkanaligen Complex-Pads kommen außerdem Motion- und Pitchingeffekte hinzu, die für jeden Kanal einzeln regelbar sind. Doch dazu später mehr.

Das Main-Fenster

Beim Öffnen des Hit-Menüs setzt erstmal Überforderung ein. Das Fenster ist voll und farbenfroh, vor Weltraumhintergrund wabert es wellenartig, eine große „12“ steht in der Mitte und links und rechts ist alles voller Drehregler und Fenster. Na schön, der Reihe nach: Links befinden sich vier globale Effekte, Reverb, Chorus, Delay und Distortion. Alle einzeln an- und abschaltbar und mit je vier Parametern zur Einstellung. Vom Hall abgesehen gibt es hier keine Presets. Weiter geht es mit den Fenstern Sample, Punish und Twist. Sample ist schon auf den ersten Blick ein Segen, hier lässt sich nämlich der Sample-Offset bestimmen, und zwar nicht nur im Sekunden-, sondern auch im Taktraster. Das umständliche Setzen von MIDIbalken hat hier endlich ein Ende! Die große „12“, von der gerade die Rede war, bezieht sich auf den Effekt Punish. Dieser ist eine Mischung aus Kompression und Sättigung. Ich kann mir denken, dass der Effekt beim Anschlag auf 100 mit „Punish“ tatsächlich sehr gut beschrieben ist. Twist schließlich ändert den Ton. Wie genau, wird leider nirgendwo verraten. Parameter wie Attack, Release und Decay verstehen sich von selbst. Erwähnenswert ist jedoch die Tatsache, dass sie in den Menüs, bei denen auf jeder Taste ein anderer Sound liegt, einzeln pro Taste geregelt werden könne, oder eine Einstellung per Link auf alle Sounds angewendet werden kann.

Schlusslicht bildet Unsion; hier werden mehrere leicht verstimmte Varianten desselben Sounds gleichzeitig gespielt, was zu einer Verdickung des Klangs führt.

Sonderfall Complex Pads

Wie erwähnt bilden die Complex Pads einen Sonderfall. Sie bestehen aus drei Samples und alle lassen sich unabhängig voneinander bearbeiten. Regelbar sind Pitch-Range, Sample-Offset, Volume-Modulation sowie global die Rate der Volume-Modulation. Selbstverständlich gibt es auch Mute- und Solo-Funktionen für jedes Signal.

EQ und Filter

Die EQ- und Filter-Sektion hält auf den ersten Blick keine großen Überraschungen bereit. Der EQ funktioniert in den Element-Menüs als Master-EQ, in allen anderen Menütypen lassen sich individuelle Einstellungen pro Sample/Kanal vornehmen. Das Gleiche gilt für den Filter. Möchte man jedoch im Filter oder EQ eine Einstellung auf alle Samples/Chanel anwenden, so lässt sich der Filter per „Link“-Button in einen Master-Filter verwandeln. Vervollständigt wird das Angebot vom Master-EQ.

TFX – die triggerbaren Effekte

Die triggerbaren Effekte lassen sich, wie es der Name schon andeutet, per Tastatur triggern, was praktisch ist, um dem Sound kurzfristig und punktgenau Leben einzuhauchen, ihn zu filtern, zu verzerren oder sonst wie durch die Mangel zu drehen. Es gibt fünf Effekte: Distortion, LoFi, Filter, Panner und Delay. Jeder dieser Effekte hat zwei editierbare Parameter. Und jedes dieser Parameter wird wiederum per Step Sequencer dargestellt der sich im Advanced-Modus ebenfalls editieren lässt. Hier kann noch einmal tief in die Materie eingegriffen werden. Wählen lässt sich zwischen 16 oder 32 Steps des Sequencers, verschiedenen Sequenztypen, die Range, wie sehr ein Parameter moduliert wird und die Härte der Übergänge von einem Step zum anderen.

Gewaber ohne Ende – das Motion-Fenster

Motion basiert ebenfalls auf dem Prinzip des Step Sequencer, nur dass hier andere Parameter, nämlich Volumen, Pan und Pitch moduliert werden. Die Einstellungsmöglichkeiten des Sequencer sind ansonsten dieselben wie bei den TFX. Auch Motion lässt sich per Taste antriggern und so punktgenau anwenden. 

Bis zu acht verschiedene Pattern können kreiert und anschließend per Pattern Chain bis auf über maximal acht Takte in Reihe geschaltet werden. Dieses Feature macht enorm viel Sinn, da sich so organische Texturen herstellen lassen, die sich permanent verändern und ggf. auch auf ein Bild zielgenau anpassen lassen. Auch für Motion gilt, dass die dreikanaligen Complex Pads pro Kanal einen eigenen Step Sequencer haben.

Sounds selber zusammenbauen – der Designer

Der Designer ist ein Werkzeug, um Hits und Riser aus Einzelkomponenten selbst zu bauen. Zusätzlich gibt es die Oktave der Selector-Keys auf der die vollständigen Hits/Riser zu den Einzelkomponenten liegen. Ist man mit denen zufrieden und möchte nur ein Detail ändern, so kann man dieses per Learn-Button in den bestehenden Hit/Riser einfügen. Auf den ersten Blick erschließt sich mir dieses Fenster am wenigsten. Von der grafischen Darstellung abgesehen verstehe ich nicht, wofür es die Selector Keys braucht, denn es lassen sich ja eh alle Sounds einzeln anspielen. Aber vielleicht gibt es ja einen Unterschied in der Handhabung. Und damit widme ich mich der Praxis.

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