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18.02.2020

Hat Justin Bieber geklaut? Nein, nur den Loop eines Sample-Anbieters benutzt.

Eigentlich ist Justin Bieber hier gar nicht das große Thema. Das beginnt aber trotzdem mit dem Sänger. Der hat nämlich mit einem Song seines neues Albums für Gesprächsstoff gesorgt. Auf Twitter scheinen die Finger ja immer schneller als das Gehirn zu sein, denn genau da durften wir Zeuge werden, wie der Star des Diebstahls bezichtigt wurde und das vermeidliche Verbrechen genauso schnell wieder aufgeklärt wurde. Ein Sample ist nämlich der eigentliche Protagonist dieser Geschichte. Aber der Reihe nach:

Justin Bieber und der Loop von Splice Sounds

Als Justin Bieber letzte Woche sein neues Album „Changes“ veröffentlichte, ließ der Ärger nicht lange auf sich warten. Nur wenige Stunden später meldete sich der Künstler Asher Monroe auf Twitter (wo sonst?) und bezichtigte den Star des Diebstahls.

Der Vorwurf: Bieber hätte sich für den Titel „Running Over“ bei der Melodie von Monroes Stück „Synergy“ bedient. Und tatsächlich ist in beiden Liedern die gleiche Akkordfolge mit einem identischen Sound zu hören. Und wie sich dann herausstellt, gibt es sogar noch weitere Stücke mit genau diesem Motiv. Was ist da los?

Die Sache ist schnell aufgeklärt: Die Künstler benutzen einen Loop des Produzenten Laxcity, der in dem Sample Pack „Medasin x Laxcity – Overdose Vol. 8“ auf Splice Sounds veröffentlicht wurde. Asher Monroe war sich dieser Tatsache vermutlich nicht bewusst – wahrscheinlich wurde der Beat von einem anderen Produzenten eingekauft. Vielleicht hat er auch nur die Möglichkeit gesehen, Publicity für sich herauszuschlagen.

Medasin x Laxcity – Overdose Vol. 8

Medasin x Laxcity – Overdose Vol. 8 · Quelle: Splice Sounds

Sample Packs sind ein gängiges Produktionsmittel

Die Story beweist einmal mehr, dass Sample Packs heutzutage ein gängiges Mittel für die Produktion sind. Hits werden am Fließband produziert, da beschleunigen vorgefertigte Melodien, Hooks und Vocals die Arbeit. Und auch etablierte Stars scheuen sich nicht, diese zu benutzen.

Mindestens drei Lektionen können wir daraus ziehen:

  1. Es kommt nicht unbedingt darauf an, wie originell ein Sample ist, sondern was daraus gemacht wird.
  2. Wer selbst gerne Samples und Loops produziert und veröffentlicht, bringt vielleicht das zukünftige Material für den Hit eines Superstars heraus.
  3. Wenn Songs auf für alle frei zugänglichen Sounds basieren, scheint sich das Publikum nicht daran zu stören.

Ist das noch kreativ?

Das Benutzen von Samples scheint einen Riss zwischen Musikschaffenden zu ziehen. Für die eine Gruppe ist es ein völlig legitimes Mittel bei dem Schreiben und Produzieren von neuen Titeln. Für andere hingegen ist dies anscheinend der Untergang und Ausdruck einer Generation, der es an Fähigkeiten und Ideen mangelt.

Übrigens ist diese Story nicht vergleichbar mit dem Disput zwischen Kraftwerk und Moses Pelham. Denn das hier benutzte Sample stammt aus einem offiziellen Produkt, das den lizenzfreien Gebrauch für eigene Werke erlaubt.

Wie denkt ihr darüber? Ist der Gebrauch von Samples unkreativ? Ist das ein Armutszeugnis für Justin Bieber? Wie immer, sind eure Meinungen willkommen!

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