Gitarre Hersteller_HarleyBenton
Test
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19.03.2020

Harley Benton DC-Junior TV Yellow Test

E-Gitarre

Puristischer Überraschungsfaktor

Auch mit der Harley Benton DC-Junior TV Yellow orientiert sich die Thomann-Hausmarke an einem Klassiker, der Gibson Les Paul Junior Doublecut. Genauso spartanisch ausgestattet wie diese präsentiert sich auch unsere Testgitarre, und genau so stylish.
Lediglich ein P90-Pickup sorgt dafür, dass die Saitenschwingungen als Signal beim Verstärker ankommen, und wer mit aufwendig gemaserten und gewölbten Ahorndecken, einem tollen Binding oder einer ausgefuchsten Elektronik liebäugelt, der wird hier nicht glücklich, denn hier ist Purismus in seiner reinsten Form angesagt. Ob und wie der klingt, das wollen wir herausfinden.

Details

Ursprünglich für (auch schon damals) chronisch klamme Studenten gedacht, schlug die Junior ein wie eine Bombe, denn aufgrund der reduzierten Ausführung im Vergleich zu einer Les Paul konnte sie zu einem attraktiven Preis angeboten werden, was auch dankend angenommen wurde. Bereits 1954 erblickte das Original mit einem Cutaway das Licht der Welt, 1958 wurde die Linie um eine Double-Cutaway-Version erweitert, und bis heute sind beide gern gesehene Gäste im Studio und auf der Bühne.
Geliefert wird die Harley Benton DC-Junior sicher verpackt in einem Karton, sie ist auffällig leicht und überzeugt auf den ersten Blick mit ihrer guten Verarbeitung.

Korpus

Der gelb lackierte Korpus besteht wie das Original aus Mahagoni und besitzt zwei Cutaways. Harley Benton nennt die Farbgebung TV Yellow, wobei es für meinen Geschmack eher in Richtung orange tendiert. Auf der Herstellerwebsite ist man sich dessen wohl auch bewusst und hat der Gitarre in der Beschreibung den Zusatz "The Dirty Mustard DC" gegeben. Das trifft den Farbton jedenfalls eher.

Ergonomische Ausfräsungen, Bindings oder ähnliches sucht man vergeblich. Ganz wie bei einer Telecaster haben wir es hier mit der Zen-Variante einer E-Gitarre zu tun. Lediglich ein Roswell P90D Dogear Singlecoil mit einem Alnico 5 Magneten steht für die Signalwandlung bereit und lässt sich mit einem Volume- und einem Tone-Poti regeln. Diese besitzen schwarze Kunststoffknöpfe und drehen sich angenehm und mit genügend Widerstand. Ein Pickup-Wahlschalter findet sich logischerweise nicht, hier wird exakt ein Sound geboten. Wer klangliche Abwechslung sucht, dreht an den beiden Reglern.

Die Saiten werden durch eine "Wrap Around"-Brücke gefädelt und machen sich von hier aus auf den Weg in Richtung Kopfplatte. Die Brücke wird mit zwei Schrauben verstellt, und zur Feinjustierung lassen sich die sechs Saitenreiterchen ebenfalls verschieben. Diese Brückenkonstruktion, gepaart mit einem P90, sorgt normalerweise für einen knackigen, direkten Sound, und ich bin schon sehr gespannt, ob die DC-Junior den auch liefert, dazu aber im Praxisteil mehr.

Natürlich findet sich auf der Decke auch das charakteristisch geschwungene, dreilagige Schlagbrett, während der Blick auf die Rückseite lediglich eine kleine Ausfräsung für die beiden Potis zeigt. Die Klinkenbuchse befindet sich übrigens in der unteren Zarge.

Hals

Der Hals ist mit dem Korpus verleimt und besteht ebenfalls aus Mahagoni, auf den ein Griffbrett aus Amaranth, auch bekannt als Purple Wood, geleimt wurde. Die Halsrückseite ist im selben Farbton lackiert wie der Korpus und besitzt ein C-Profil. Die 22 Medium-Jumbo-Bünde sind sauber in das Griffbrett eingelassen, an den Kanten abgerundet und auf Hochglanz poliert. Sehr gut, denn das ist auch bei wesentlich teureren Gitarren nicht an der Tagesordnung! Weiße Punkteinlagen im Griffbrett wie auch in der Halskante sorgen für die nötige Orientierung.

Der aufgezogene D'Addario EXL110 .010-.046 Satz wird spielfrei über einen weißen, 43 mm breiten Kunststoffsattel in Richtung Vintage Style Mechaniken gelenkt, überquert dabei aber erst einmal die Abdeckung des Halsspannstabs, auf den die Initialen des Herstellers in weißen Lettern gedruckt wurden. Das passende Werkzeug zum Einstellen des Trussrods ist natürlich Teil des Lieferumfangs.

Die DC Junior wird in Indonesien gefertigt, besitzt eine Mensur von 628 mm und mit einem Gewicht von lediglich 2674 Gramm sollte auch der längste Gala-Gig problemlos gemeistert werden können, ohne anschließend einen Orthopäden aufsuchen zu müssen.

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