Gitarre Banjo Hersteller_HarleyBenton
Test
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25.09.2018

Harley Benton BJ-65Pro Test

Sechssaitiges Banjo

Unwiderstehlich trotz Schönheitsfehler

Das Harley Benton BJ-65Pro ist ein sechssaitiges Banjo, das nicht nur zu den preiswertesten Instrumenten seiner Art gehört, sondern zudem mit einer Ausstattung aufwarten kann, die es sonst auf dem Markt erst wieder etliche Hunderter weiter oben gibt. Wer im unteren Preissegment nach einem sechssaitigen Banjo sucht, kommt also um Thomanns Hausmarke Harley Benton nicht herum.

Das Harley Benton BJ-65Pro ist ein ausgesprochen schmuckes sechssaitiges Banjo. Es bietet schon optisch alles, was man sich unter einem typischen Banjo vorstellt, inklusive der aufwändigen Einlagen im Griffbrett sowie des beachtlichen Gewichts von fast fünf Kilogramm. Das mag einem Les-Paul-geplagten E-Gitarristen nur ein müdes Lächeln entlocken, aber der durchschnittliche Akustikgitarrist, an den sich ein sechssaitiges Banjo wohl in erster Linie richtet, zuckt schon mal zusammen, wenn er es sich umhängt.

Details

Dieses hohe Gewicht ist vor allem in der Ausstattung begründet: Zwei Koordinatorstangen sowie ein Tone-Ring - das ist eine Menge Metall, das entsprechend schwer wiegt. Der Kessel selbst besteht aus massivem Ahorn und ist aus einzelnen Stücken zusammengesetzt. Die Wandstärke beträgt 15 Millimeter und weist damit eine übliche Dicke auf. Das Fell trägt das Logo des renommierten Herstellers Remo. Es besitzt einen Durchmesser von 11" und ist etwas rau, jedoch nicht annähernd so rau wie die üblichen Bluegrass-Felle. Gespannt wird es mit der stattlichen Menge von 24 Spannschrauben.

Der Resonator wird mit vier Schrauben am Kessel befestigt, die man ohne Werkzeug lösen kann. Er besteht aus Mahagoni und bietet daher die gewohnte und beliebte dunkle Edelholz-Optik.

Der Hals wurde aus Nato gefertigt. Er ist an den zwei Stellen mit dem Kessel verschraubt, wo auch die Koordinatorstangen durch den Kessel laufen - die übliche Standardkonstruktion. Um die aktuellen CITES-Restriktionen zu umgehen, besteht das Griffbrett nicht aus Palisander, sondern aus einem Werkstoff namens Blackwood. Dabei handelt es sich um entsprechend behandeltes Kiefernholz. Die Mensur beträgt 66,5 cm und entspricht damit dem bei 5-string Banjos üblichen Maß. Im Griffbrett finden sich sehr aufwändige Einlagen, die an die opulente Bestückung der teuren Bluegrass-Banjos erinnert. Das Bundmaterial ist Banjo-typisch ziemlich dünn, allerdings sind manche Bünde nicht ordentlich abgerichtet, so dass es um den 11. Bund herum deutlich scheppert. So etwas sollte auch bei einem derart günstigen Instrument nicht geschehen.

Der Saitenhalter ist eine justierbare Konstruktion, die die Saiten auf den erforderlichen Abstand spreizt, so dass sie gerade über die Brücke laufen können. Auch erlaubt er, sowohl Loop- als auch Ballend-Saiten zu montieren. Er ist ab Werk allerdings auf einen zu steilen Winkel eingestellt, was man aber schnell beheben kann. Das tut dem Klang hörbar gut. Ausgestattet ist das Banjo mit Light-Saiten mit Loop-End. Diese fühlen sich aufgrund der langen 67er-Mensur eher hart an und können bedenkenlos gegen leichtere Saiten ausgetauscht werden.

Der Steg besteht aus Ahorn und ist auf der Oberseite mit dem schon erwähnten Blackwood belegt. Allerdings stimmt der Abstand der Stegkerben nicht. Die Saiten werden ungleichmäßig und zu eng darüber geführt, was beim Spielen irritiert. Hier sollte der Hersteller unbedingt nachbessern. Im weiteren Testverlauf stellte sich außerdem heraus, dass die Saitenlage zu hoch und das Fell zu schlapp ist. Also herunter mit dem Resonator und das Fell nachgespannt sowie die Saitenlage mit der Koordinatorstange eingestellt.

Unter der Resonatorhaube fanden sich dann einige Mängel in der Verarbeitung. So sind die beiden Koordinatorstangen nicht parallel montiert, der Hals sitzt nicht gerade zum Kessel, und auch die Passung des Tone Rings ist ungenau, was allerdings erst bei abgenommenem Fell zu sehen ist. Aber die Saitenlage ließ sich ordentlich einstellen und das Fell auf den Zielton spannen, so dass diese Probleme mit zwei fest zugedrückten Augen in die Abteilung „dem Preis geschuldete Schönheitsfehler“ abgelegt werden können.

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