Test
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31.08.2021

Praxis

Trotz ihrer Tiefe von nur 4,25 Zoll klingt die Snaredrum erstaunlich groß 

Bevor es jetzt zum Praxisteil geht, muss ich vorweg schicken, dass ich ein großer Freund von eher flachen Snaredrums bin. Daher habe ich mich auf diese Trommel besonders gefreut, und die Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Das Gergo Borlai Signature Modell bietet den typischen Gretsch Snaredrum-Sound, welchen ich als kompakt und gleichzeitig sehr dynamisch beschreiben würde. In diesem Fall scheinen tatsächlich nicht nur die Gussreifen die Obertöne etwas im Zaum zu halten, auch die spezielle Kesselbeschichtung scheint der Trommel gut zu tun. In Kombination mit den Kesseldimensionen und dem sehr breiten Teppich ergeben sich auf diese Weise hervorragend kontrollierbare Klänge mit präsentem „Teppich-Rausch“. 

Wie bei vielen anderen Gretsch Snaredrums gibt es jedoch zwei Schattenseiten. Die eine bezieht sich auf die fehlenden Kunststoffunterlegscheiben der Spannschrauben. Im Auslieferungszustand erzeugen diese bei höheren Stimmungen ein lautes Quietschen, welches dem doch stolzen Preis der Trommel nicht angemessen ist. Auch das zweite Manko ließe sich mit wenigen Cents schon ab Werk aus dem Weg räumen. So kam die Testsnare mit einem leicht schief arretierten Snareteppich. Mit Halteschnüren wäre das kein Problem gewesen, die verwendeten, wenig elastischen Plastikstreifen „merken“ sich ihre Position allerdings. So ist es kaum möglich, feine Justierungen vorzunehmen, nach einigen Minuten Gedrücke und Geschiebe ist es dann endlich soweit und der Teppich sitzt korrekt.  

Sehr hohe bis mittlere Stimmungen

Dass die Gretsch Gergo Borlai Snaredrum für mittlere bis höhere Stimmungen prädestiniert ist, zeigt sich beim Soundcheck. Sie klingt auch bei extrem hohen Fellspannungen noch ausreichend voluminös und offen, Details bildet sie dabei sehr plastisch ab. Die Gussreifen sorgen für eine hohe Dynamik zwischen Ghostnotes und krachenden Rimshots. Verlässt man die extrem hohen Stimmungen, rückt der Messingkesselton etwas stärker in den Vordergrund, der Wunsch nach Dämpfung tritt aber insgesamt sehr spät auf. Speziell im Studio fällt auch in mittleren Tunings kaum auf, dass zum Standardmaß ein bis zwei Zoll fehlen, im Gegenteil.  

Tiefe Stimmungen 

Dass die Testsnare bei mittleren Stimmungen noch längst nicht schlapp macht, erfährt, wer sie in die unteren Register „schraubt“. Natürlich kann ein gut vier Zoll tiefer Kessel nicht das Spielgefühl einer 6,5er oder gar noch tieferen Trommel bieten, aber unter dem Mikrofon hätte ich persönlich große Schwierigkeiten, auf Anhieb ihr geringes Volumen zu identifizieren. Sogar in Bereichen kurz über dem Faltenwurf kann die Snaredrum mit saftigen Sounds überzeugen, die dank des breiten Teppichs durchaus „balladentauglich“ sind. Platschige 70er- und Discosounds kann sie mit dem richtigen Anteil Dämpfung auch problemlos erzeugen. 

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