Test
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12.11.2017

Gretsch G4160 und G4164 Chrome over Brass Snares Test

Snaredrums aus Messing

Aufgebrasst!

„Schau doch bitte mal nach, was wir noch in der Schublade haben?“ „Ah hier, ein paar schöne Snares aus den 70ern, lass uns doch eine Reissue-Auflage starten.“ „Super Idee!“ So in etwa könnte es ablaufen, wenn Brand Manager sich über die Neuheiten im Portfolio verständigen. Ein traditionsreicher Hersteller wie Gretsch hat da natürlich eindeutig die Nase vorn, denn Optik, Sound und Image dieser Marke werden seit vielen Jahrzehnten bei Drummern rund um den Globus gepflegt. 

Die 4160 Snare mit verchromtem Messingkessel in 14 x 5 Zoll wurde von Gretsch bereits im Jahr 1961 vorgestellt. Damals hatten die Trommeln einen nahtlosen Kessel, der in der Mitte noch nicht verziert war. Der Microsensitive Strainer wurde in den 70er Jahren durch den Lightning Throw Off ersetzt, und in der Mitte des Kessels wurde ab sofort rundherum die Center Ridge eingestanzt. Abgesehen vom Innendämpfer, der in den 70er Jahren von der Bildfläche verschwand, sehen unsere beiden Testmodelle den Vorfahren erstaunlich ähnlich. Ein kleiner Unterschied ist allerdings nicht zu übersehen: Anstatt des Stop Sign Badges der 70er tragen fast alle aktuellen USA Snares das klassische Round Badge Typenschild, das Gretsch vor ein paar Jahren wieder aus der Versenkung geholt hat. Das hat auch den Zweck, die Trommeln optisch von den zumeist etwas preisgünstigeren Full Range Snares aus komplett taiwanesischer Produktion zu unterscheiden. Denn das wäre gar nicht so einfach, wenn man nur die Optik der zum Großteil in Fernost produzierten Bauteile als Ausschlusskriterium heranziehen wollte.

Details

Spieglein Spieglein …

Auch wenn die G4160 COB Snare meilenweit von der Popularität einer Ludwig Supraphonic Snare entfernt ist, gehört sie doch zu den Snares, von denen zumindest die Drummer, die etwas tiefer in die Gear-Materie eingestiegen sind, schon einmal etwas gehört haben oder sogar selbst schon ein klassisches Exemplar zwischen den Fingern hatten. Ein besonderer Hingucker sind die verchromten Kessel der Neuauflage, die mir nach dem Auswickeln aus dem Karton entgegen blitzen. Aber Achtung, Fingerabdrücke sind fast nicht zu vermeiden und auch sofort sehr deutlich sichtbar. Wer also Wert auf makellose Optik legt, sollte ein weiches Poliertuch und Handschuhe griffbereit haben. Im Gegensatz zum fünf Zoll tiefen Kessel der G4160, der ganz klassisch mit nur acht Doppelspannböckchen bestückt ist, hat die tiefe 14“ x 6,5“ Variante (G4164) zehn Böckchen montiert. Ansonsten sind beide Trommeln identisch ausgestattet. 

Eine Gretsch Snare ist nach allgemeiner Definition nur amtlich, wenn oben und unten Gussspannreifen montiert sind. Hier geben sich unsere beiden Testexemplare keine Blöße. Auch auf der Unterseite wird nicht gekleckert, hier ist ein Stahlteppich mit gleich 42 Spiralen zu finden, der allerdings an schnöden Plastikbändern befestigt ist. Aus der Zeit gefallen, aber irgendwie auch schick wirkt der Nachbau des legendären Lightning-Abhebers, an dessen Innenseite eine Feder für Spannung sorgt. An zwei kleinen Gummipins dockt der großzügig dimensionierte Hebel beim Anspannen gut hörbar ein. Die Teppichspannung wird auf der anderen Seite an der ausladenden Lightning Butt Plate reguliert. Auch das große Luftausgleichsloch, das gleichzeitig als Stimmschlüsselhalter verwendet werden kann, fügt sich optisch stimmig ins Bild.

Die Felle kommen aus dem Hause Remo USA, ein einlagiges Gretsch Permatone Coated mit weißem Dot auf der Unterseite (entspricht in etwa einem Controlled Sound Fell) ist als Schlagfell montiert, als Resonanzfell kommt ein Ambassador Snareside, ebenfalls mit Gretsch Permatone Logo, zum Einsatz. Gussreifen, breite Snareteppiche und vorgedämpfte Schlagfelle: Gretsch zieht bei seinen USA Snares eine einheitliche Ausstattung durch, wie sich das auf den Sound auswirkt, klären wir gleich im Praxisteil. Vorher werfen wir aber noch einen Blick unter die Haube.

Während es außen spiegelt und glänzt, sind die 1,2 Millimeter starken, gewalzten Messingkessel von innen nur gebürstet. Wo kein Licht hinfällt, muss dem Betrachter augenscheinlich auch nicht imponiert werden. Beide Kessel sind sauber an einer Naht verschweißt, bis auf ein paar deutlich sichtbare Schweißpunkte an der unteren Bördelung des 5er Kessels gibt es nichts zu beanstanden. Und noch ein typisches Gretsch-Utensil findet sich im Kessel: Das „Paper Tag“ (aufgeklebtes Papieretikett) gibt Auskunft darüber, dass man es mit „That Great Gretsch Sound“ zu tun hat. Dann checken wir das jetzt mal.

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