Gitarre Hersteller_Gibson
Test
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18.01.2021

Praxis

Die Gitarre liefert trocken angespielt einen ausgewogenen Klang, Deadspots gibt es keine, Halsneigung und Saitenlage sind ab Werk recht flach eingestellt, sodass man über den kompletten Spielbereich einen relativ niedrigen Saitenabstand hat. Unverstärkt macht sich beim härteren Anschlag schon das eine oder andere Schnarren bemerkbar, aber das fällt unter die Rubrik Geschmacksache, denn bei hohen Zerrgraden gehen diese Schnarrer unter und es bleibt das komfortable Greifgefühl. 

Für den Praxisteil steht zuerst ein Fender Twin Reverb für die Cleansounds zur Verfügung. Der Amp läuft über einen Universal Audio OX, der die Cab-Simulation – auch für die weiteren Amps im Praxisteil – übernimmt. Es wurden immer passende Speaker zum jeweiligen Amp gewählt. Die beiden Custom Burstbucker liefern, wie erwartet, eine kräftige Ausgangsleistung, die auch den Twin schon in der Vorstufe ordentlich beansprucht. Bei einer Einstellung für Cleansounds, bei der normale Humbucker-Gitarren sanft und unverzerrt klingen, übersteuert die Slash Les Paul Standard die Vorstufe bereits. Ich musste den Input-Volume noch etwas zurücknehmen, um einen Cleansound zu erhalten. Aber unverzerrte Sounds sind auch nicht das eigentliche Kerngeschäft der Gitarre, mit ihrem Volume-Regler lässt sich einiges bewirken, mehr dazu später. Der Grundsound bietet einen ausgewogenen Klang, der Hals-Pickup liefert einen schönen Höhenanteil und beim Steg-Pickup wird es schon einigermaßen scharf. Mit einem minimal erhöhten Output sorgt der Letztgenannte zudem bereits für einen leicht dreckigen Ton. Die Kombination beider Pickups liefert einen schönen knackigen Sound, und auch wenn es der Meister wahrscheinlich nie macht: Mit dem Instrument kann man durchaus auch drahtige Soul-Licks oder Reggae-Akkorde zum Besten geben. 

Nun kommen wir zu den verzerrten Sounds und damit auch langsam auf die bevorzugte Spielebene der Gitarre. Trotz des hohen Pegels zielen die Pickups klanglich eher in die Vintage-Ecke und nicht in die Richtung moderner aktiver High-Gain-Pickups. Die ermöglichen zwar satte Zerrsounds, sind aber weniger gut darin, Aktionen mit dem Volume-Regler an der Gitarre entsprechend umzusetzen. Die Slash Les Paul Standard steht in dieser Hinsicht komplett in der Paula-Tradition. Auch bei ihr bewirken Aktionen und Einstellungen direkt am Instrument eine ganze Menge und sorgen für eine sehr große klangliche Vielfalt.
Für den Test sind an dieser Stelle ein Vox AC15 und ein Marshall Plexi im Einsatz, teilweise mit vorgeschalteten Boost-Pedalen. Vor allem mit dem Plexi lässt sich der typische satte Rock’n’Roll Sound erzeugen, denn die heißen Pickups bringen den Amp auch ohne Booster schon ordentlich zum Zerren, mit Booster wird es nochmal etwas sahniger. Auf der anderen Seite kann aus dem aggressiven Wolf ganz schnell ein zahmes Schaf gemacht werden, indem man das Volume-Poti etwas zurücknimmt oder die Saiten auch mal leicht mit den Fingern anschlägt. Die Tonabnehmer sind absolut keine Plattmacher und reagieren sehr sensibel auf die Aktionen an der Gitarre. Hier sind ein paar Beispiele dazu.

Mit dem Tone-Regler kann ebenfalls sehr viel Einfluss auf die Klanggestaltung genommen werden. Die beiden Potis arbeiten sehr effektiv und entschärfen bei Bedarf den etwas spitzen Sound des Steg-Pickups, sodass man auch bei einem High-Gain-Sound den typischen weichen Leadsound der Les Paul hinbekommt. Der Regelweg ist perfekt, es klingt an keiner Stelle hohl oder muffig. In den ersten beiden Beispielen hört ihr die minimale und maximale Einstellung des Tone-Reglers von Hals- und Steg-Pickup. Beim dritten Beispiel ist das Diezel Herbert Pedal im Einsatz, und auch bei High-Gain Mid-Scoop-Sounds kann die Gitarre überzeugen. Sie hat zwar nicht die Schärfe und das knackige Fundament aktiver High-Gain-Pickups, aber sie klingt auf jeden Fall auch bei bösen Riffs mit tiefer gestimmten Saiten. 

Zum Abschluss hört ihr die Gitarre im Bandkontext, die cleane Rhythmus-Gitarre wurde dabei mit einem AC15 aufgenommen. Um den Sound auch so clean hinzubekommen, habe ich beide Volume-Potis an der Gitarre auf 7 zurückgenommen. Die Lead-Gitarre wurde für den besagten weichen Ton komplett mit dem Hals-Pickup und zurückgedrehtem Tone-Regler (5) aufgenommen. Dafür war dann der Plexi mit vorgeschaltetem Tube Screamer am Start. Das Instrument bietet eine Menge Vintage-Spielgefühl mit dem kräftigen Hals und dem Body ohne Weight Relief. Auch das Sustain- und Schwingungsverhalten ist sehr gut. Auch bei langen Tönen muss man keine Angst haben, dass sie am Ende des Taktes gänzlich verschwunden sind und man vielleicht doch besser ein Delay oder Kompressor als elektronische Tonstütze hätte zuhilfe nehmen sollen. Die ist hier nicht notwendig, denn die leistungsstarken Pickups verrichten auch in dieser Hinsicht ihre Arbeit vorbildlich.

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