Hersteller_Genelec
Test
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20.12.2016

Praxis

Typisch nordisch: Die 8350A klingen nüchtern und äußerst präzise

Nachdem ich die Genelec 8350A auf die Boxenständer gewuchtet und nach Anleitung sorgfältig ausgerichtet habe, folgt ein erster Trockentest ohne Netzwerkanbindung. Die Monitore werden mit meiner Standard-Playlist gefüttert und müssen zeigen, wie gut sie verschiedenes Audiomaterial von Barock bis Schwermetall verdauen. Als langjähriger Genelec-Anwender überrascht mich das Ergebnis kaum. Die 8350A erweisen sich als präzise, sehr neutrale Analysewerkzeuge, denen es letztlich egal ist, mit welcher Art von Musik sie es zu tun haben. Mir sagt dieser Ansatz außerordentlich zu, ich kenne aber auch Kollegen, die mit dieser nordischen Leidenschaftslosigkeit nicht so gut zurecht kommen. Unstrittig ist die überzeugende räumliche Projektion der 8350A sowie die fein aufgelöste Stereobühne. Damit lässt sich exzellent arbeiten, und es ist genau diese Detailtreue, die teure Studiomonitore von ihren günstigeren Kollegen unterscheidet. Gut gefällt mir auch der sehr großzügige Sweet Spot, ebenfalls ein Resultat der von Genelec gewählten Gehäusekonstruktion.

Per Messmikrofon und GLM2 Software erfolgt die Anpassung an den Raum

Es überrascht mich zunächst, wie zahm die 8350A im Bassbereich zu Werke gehen. Von so großen Monitoren erwartet man instinktiv mehr Bumms, aber das ist natürlich Unsinn, denn wir sprechen hier nicht über eine Klein-PA, sondern über hochwertige Studiomonitore. Eine möglichst lineare Wiedergabe ist da oberste Pflicht. Damit wir uns nicht missverstehen: Diese Genelecs sind laut. Sehr laut. Und für diese Pegel stellen die Monitore einen mehr als ausreichenden Headroom auch im Bassbereich zur Verfügung.

Beim ersten Hören auffällig sind zudem die sehr schmusigen Tiefmitten – gut für etwas intimer aufgenommene Stimmen, die einem unmittelbar ins Gesicht zu atmen scheinen. Aber halt… ich weiß, dass der Raum, indem ich gerade teste, akustisch nicht optimal präpariert ist. An einigen Stellen gibt es stehende Wellen im Bassbereich, und zwischen 200 und 400 Hz treten Peaks auf. Also genau der richtige Moment, das Loudspeaker Manager User Kit in Betrieb zu nehmen.

Die Boxen und das Macbook Pro sind rasch mit dem Hub verdrahtet, ebenso flott ist das Messmikrofon eingestöpselt und die Software namens GLM2 installiert. Über diese Lautsprecher-Management-Software ist auf bonedo schon einiges geschrieben worden, deshalb nur das Wichtigste in Kürze:

Mit GLM2 lassen sich alle im Netzwerk versammelten Lautsprecher zu Gruppen zusammenfassen. So könnte man beispielsweise unsere 8350A plus passendem Sub in die Gruppe "Midfield" sortieren, während die auf dem Pult stehenden 8310 inklusive Subwoofer in der Gruppe "Pult" versammelt werden. Beide Gruppen lassen sich nun separat verwalten und einmessen. Außerordentlich praktisch.

In der Praxis erweist sich die Software als ideales Tool für schwierige Räume

Beim ersten Einmessversuch entscheide ich mich für eine One-Spot-Messung am Abhörplatz. Nachdem ich das Messmikrofon auf Kopfhöhe justiert habe, starte ich den Messvorgang. Zwei kurze Sweeps und etwas Rechenarbeit später steht der Frequenzschrieb am Bildschirm, und der DSP ist mit der passenden Korrekturkurve programmiert. Das klangliche Resultat ist überzeugend: Die beim Mixen nicht ungefährliche Schmusigkeit in den Mitten und der Basspeak sind verschwunden, das Stereobild gewinnt unmittelbar an Durchsichtigkeit.

Man mag einwenden, dass solche DSP-Zaubereien an einem Abhörplatz unnötig sein sollten, wenn der Raum zuvor akustisch auf Vordermann gebracht wurde, doch nicht immer ist eine optimale Abstimmung möglich, sei es bei mobilen Sessions, aus monetären Überlegungen heraus oder einfach, weil der Vermieter es nicht lustig findet, wenn Decken und Wände mit Akustikelementen verziert werden. Für all diese Szenarien stellt die GLM-Software ein hervorragendes Hilfsmittel dar.

Außerdem lässt sich mithilfe dieser Software der Frequenzgang unabhängig von räumlichen Gegebenheiten korrigieren: Wer lieber mit etwas mehr Bass und Mitten und/oder Höhen hört, kann sich die Genelecs entsprechend zurecht biegen. Auch das kann man aus weltanschaulichen Gründen für überflüssigen Schnickschnack halten, übertrage ich auf diese Weise aber beispielsweise den Frequenzgang anderer Boxen auf die Genelecs, spare ich das zweite (oder dritte) Lautsprecherpärchen.

Losgelöst von der Frequenzsteuerung fungiert die GLM2-Software als komfortabler, rechnerbasierter Monitorcontroller mit vordefinierten Pegeln, Cut- und Mute-Funktion. Gerade in größeren Lautsprechernetzen ist dies eine komfortable Sache. Eine Besonderheit gilt es indes beim Einsatz im Netzwerk zu beachten: Sind die Genelecs am Hub angeschlossen und ist dieser mit dem Rechner verbunden, muss die GLM2-Software zwingend gestartet werden, sonst bleiben die Monitore stumm. Als Grund dafür nennt der Hersteller den Schutz von Lautsprechern und Ohren, da gerade beim digitalen Anschluss via AES/EBU erhebliche Lautstärken auftreten können.

Zurück zu den mittlerweile eingemessenen 8350A. Die ersten Abhörstunden lassen sich absolut unangestrengt absolvieren, das spricht für die akustischen Qualitäten unseres Testpärchens. Beeindruckend sind zudem die souveränen Leistungsreserven; diese Genelecs bringt man so schnell nicht ins Schwitzen. Ich vermisse beim analytischen Musikhören auch keinen Subwoofer. Wenn ich etwas mehr Bass möchte, kann ich den einfach per DSP-Preset hinzufügen. Selbst basshungrige EDM-Fans sollten so – wenigstens in halbwegs gemäßigten Lautstärken – glücklich werden.

Der kleine 10“ Speaker des 7360A erweist sich als Klangriese

Anders sieht es in 5.1- bzw. 7.1-Setups aus. Hier ist, ebenso wie für Clubmixes, ein Sub Pflicht. Zwar kann man zur Not das LFE-Signal auf die Front-Speaker routen, ideal ist das allerdings kaum. Somit kommt nun der 7360A zum Einsatz, für dessen klangliche Beschreibung ein Wort genügen könnte: Eindrucksvoll! Der Sub reicht ultratief bis 19 Hz hinab und produziert einen präzisen, knackigen Tiefbass, und das mit einer faszinierenden Leichtigkeit, die ihresgleichen sucht. Bemerkenswert, was mit einem 10-Zöller alles möglich ist. Da scheppert nichts, und auch von den oft kritischen Strömungsgeräuschen bleibt man verschont. Egal ob EDM oder Action-Film: Der 7360A macht Spaß, und zwar ohne aufdringlich zu rumsen.

Die Einmessautomatik erweist sich auch hier als Retter in der Not. In meinem Abhörraum lassen sich die stehenden Wellen recht gut in den Griff bekommen – das ist bei anderen Subwoofern mit deutlich mehr Aufwand verbunden. Aber: Bassfallen in die Ecken zu stellen ist ebenfalls keine Raketentechnik – und auch nicht teuer.

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