Bass
Test
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25.09.2017

Franz Bassguitars Sirius DC 5 Artline Test

Fünfsaitiger E-Bass

Fränkische Zwetschge meets Frankfurter Maler

Ich hatte nun bereits einige Male das Vergnügen, einen Bass des Herstellers Franz Bassguitars zu testen und war jedes Mal von dem eigenständigen Design, Konzept und Qualität dieser noch jungen Marke begeistert. Seit noch nicht einmal fünf Jahren sind die Instrumente von Xaver Tremel in Deutschland exklusiv über das Musikhaus Thomann erhältlich. In dieser kurzen Zeitspanne ist die Marke Franz Bassguitars zu einer festen Institution in der Basswelt geworden - und das nicht nur in Deutschland! Selten ist es einem Bassbauer gelungen, sich in solch kurzer Zeit derart fest am hart umkämpften Markt zu etablieren. Irgendetwas scheint Xaver Tremel mit seiner Firma also goldrichtig zu machen. Neben seinen erstklassigen Standardmodellen bietet Xaver Tremel aber auch nach wie vor noch die Möglichkeit, dem Kunden in Form einer Custom Order seinen Traumbass in punkto Hölzer, Elektronik, Pickups etc. auf den Leib zu schneidern. Und wer darüber hinaus etwas ganz Individuelles und Ausgefallenes haben möchte, der setzt einfach abermals einen drauf und greift zur Franz Bassguitars Artline. Hier kann man sich von einem Künstler seiner Wahl seinen Bass gestalten lassen, um auf diese Weise ein wirklich einzigartiges Unikat erhalten. Diese Idee hatte auch der Bassist Markus Öffinger. Da er selbst studierter Maler ist, hat er den Job kurzerhand selbst übernommen und sich seinen ganz persönlichen fünfsaitigen Sirius aus der Artline gestaltet.

Details

Bevor wir uns dem Kunstwerk widmen, kommen wir erst einmal zu den Zutaten dieses Sirius. Schließlich wollen wir ja in erster Linie einen Bass testen. Das Kürzel "DC" im Namen steht für "Double Cutaway". Üblicherweise ist das Modell Sirius aus dem Franz-Portfolio nämlich ein Singlecut-Bass. Auf Kundenwunsch liefert Xaver Tremel ihn aber auch mit zwei Cutaways.

Der Korpus besteht aus europäischer Thermoesche. Zur Erklärung des Begriffes "Thermo" gab mir Xaver Tremel folgende Erläuterung: "In einem thermischen Verfahren wird das Holz einer Teilpyrolyse in sauerstoffarmer Atmosphäre für ca. 36 Stunden unterzogen. Dabei kristallisieren die wasserbindenden Anteile der Holzzellulose aus. Das Holz wird dabei quasi karamellisiert und somit unempfindlicher gegenüber klimatischen Einflüssen wie auch stabiler."

Aufgrund der Bemalung hat Xaver natürlich auf eine extra Decke verzichtet. Um Gewicht zu reduzieren und das Schwingungsverhalten zu verbessern, wurden an mehreren Stellen Hohlkammern in den Korpus gefräst (chambered).

Der durchgehende Hals setzt sich aus drei Streifen Ahorn zusammen, welche mit einem Furnier aus dunkler Räuchereiche voneinander getrennt sind. Zwei Grafitstäbe sorgen für zusätzliche Stabilität des Halses. Möchte man die Krümmung des Halses den eigenen Bedürfnissen anpassen, findet man den Zugang zum Halsspannstab kopfplattenseitig unter einer kleinen hölzernen Abdeckung.

Eine Besonderheit ist sicher das 24bündige Griffbrett. Durch den immer schwierigeren Import von Palisander ist Xaver derzeit auf der Suche nach Alternativen. Bei unserem Test-Sirius griff er diesmal zu deutscher Zwetschge. Diese ist etwas heller als Palisander und passt gut zum Farbton der Thermoesche.

Allen Franz-Bässen gemeinsam ist die markante Kopfplatte. Sie wurde beim Sirius passend zum Korpus mit einem Esche-Furnier versehen und besitzt eine geschwungene, markante Phase. Durch eine dunkle Schicht aus Phenolharz unter dem Furnier wird diese abermals betont.

Um Markus' Kunstwerk vor äußeren Einflüssen zu schützen, wurde der Sirius inklusive des Halses mit einem High Gloss Polyurethan Finish versehen. Das unterscheidet ihn von den "normalen" Serienmodellen.

Apropos Kunstwerk. Ich habe Markus gebeten, hierzu ein paar Worte zu schreiben: "Der Bass sollte von Anfang an das Arbeitsgerät für meine Band honeyBsuicide werden, deshalb auch die Biene. Unsere Texte sind einerseits etwas düster und auf der anderen Seite ziemlich ironisch, wie auch die Musik zu gleichen Teilen analog und elektronisch ist. In unseren Stücken geht es um Vergänglichkeit (Uhrwerk, Zahnräder, Skulls), aber auch um z.B. Gottes Sarkasmus. Ich wollte, dass die Malerei diese Atmosphäre ausstrahlt."

Auf dem Hals befindet sich noch der Slogan: "In Slow We Trust"". Dieser ist das Motto der amerikanischen Organisation Slowcoast, die sich sehr für Umweltschutz und Nachhaltigkeit einsetzt, und von der Markus die Erlaubnis bekam, diesen Slogan auf seinem Bass zu verewigen.

Aber zurück zum Bass! Der Sirius besitzt nicht nur einen Sattel, sondern auch einen Nullbund, welcher bessere Intonation und ein ausgeglichenes Klangbild beim Spielen der Leersaiten gewährleistet. Die präzise arbeitenden Stimmmechaniken stammen von Gotoh, die Brücke von ETS.

An der Bridge lassen sich die Saiten bequem in runde Hülsen von oben einhängen. Nach wenigen Zentimetern ohne Kontakt zur Brücke werden sie dann über eine schmale Leiste mit den Saitenreitern geführt. Diese Konstruktion spart sichtbar Masse - und damit Gewicht. Zusätzlich wird die Eigendämpfung der Brücke vermindert. An der Brücke kann man sowohl die Saitenlage, als auch Intonation und das Stringspacing einstellen.

Damit Markus' Kunstwerk auch voll zur Geltung kommt, befinden sich die zwei Delano SBC Humbucker gut versteckt unter einer Abdeckung aus Esche. Die Glockenklang Zweiband-Elektronik bietet Regler für Volume, Balance, Treble und Bass. Das Volumen-Poti hält zudem per Push/Pull-Funktion die Möglichkeit bereit, die Elektronik in den Passivmodus zu schalten. In diesem Fall dient der Höhenregler ab der Mittelstellung als passive Tonblende. Die 9V-Batterie befindet sich in einem Fach auf der Rückseite, das ohne Werkzeug zugänglich ist.

Wie nicht anders zu erwarten befindet sich die Qualität der Hölzer, der Hardware und der Verarbeitung des Sirius DC 5 Artline auf allerhöchsten Niveau. Noch ein Wort zu den Hölzern: Xaver Tremel ist sehr um Nachhaltigkeit und die Primärenergiebilanz seiner verwendeten Komponenten bemüht. Die Esche stammt z.B. aus dem schönen Schwarzwald und das Ahorn aus dem Harz. Hier wird nichts - wie so oft - über weite Entfernungen importiert. Auf diese Weise lässt sich die aufgewendete Energie bei Produktion und Transport in Grenzen halten ‑ vorbildlich!

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