Test
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10.04.2017

Franz Bassguitars Merak 5 NT Flamed Maple Test

Fünfsaitiger E-Bass

So geht High-Class, Freunde!

Franz Bassguitars ist zwar ein nach wie vor relativ junger, aber zweifelsohne schon sehr heller Stern am Boutique-Basshimmel, der viele Edelbassliebhaber in Verzücken versetzt. Kein Wunder also, dass Firmenchef Xaver Tremel seine Modelle mit Namen von Sternen versieht: Der extravagante Sirius ist als Singlecut und als Doublecut-Modell erhältlich, beim Wega handelt es sich um einen Doublecut-Bass im modernen Design, und die dritte Kreation aus dem deutschen Workshop, der Merak, ist sicherlich das Franz-Modell mit der traditionellsten Anmutung. Für diesen bonedo-Test hat uns Xaver Tremel einen wunderschönen fünfsaitigen Merak mit einigen Besonderheiten zur Verfügung gestellt. Unser Testkandidat ist nämlich der erste Merak, der keinen aufgeschraubten Hals, sondern eine aufwendige durchgehende Halskonstruktion besitzt. Zudem hat er mit dem Flex-Core-Preamp von Mike Pope eine außerordentlich hochwertige und extrem flexible Elektronik mit an Bord.

Details

Wer das Vergnügen hat, einen Bass von Xaver Tremel in den Händen zu halten wird unweigerlich von der erstklassigen und exakten Ausführung aller Holzarbeiten beeindruckt sein - selbstverständlich gilt dies auch einmal mehr für mein Testexemplar. Schlampereien sucht man hier vergebens! Stattdessen kann man an vielen kleinen Details sehen, dass Xaver Tremel jeden Extrameter geht, um seinen Kunden die bestmögliche Qualität zu liefern.

Den Korpusform des Merak könnte man als Xaver Tremels moderne Interpretation des Jazz Bass bezeichnen - die kurzen Korpushörner und die Jazz-Bass-typische asymmetrische Form erinnern durchaus an den Dauerbrenner von Leo Fender. In Sachen Holzauswahl beschreitet Xaver Tremel allerdings eigene Wege und verwendet weitgehend Hölzer aus heimischen Regionen, die zudem einer thermischen Behandlung unterzogen wurden. Das Resultat des Prozesses ist im Idealfall mehr Stabiltät und ein verbessertes Resonanzverhalten.

Für die Korpusflügel, die zur Gewichtsreduktion mit kleinen Hohlkammern versehen wurden, kommt europäische Thermo-Esche zum Einsatz, und als Top verwendet Xaver Tremel ein wunderschön geflammtes Stück europäisches Ahorn. Dass es sich bei dem Merak um ein Neck-Trough-Modell handelt, erkennt man dabei wirklich nur auf den zweiten Blick, denn Xaver Tremel hat auf den Hals ein in der Maserung passendes Ahorn-Mittelstück geleimt. Die Oberfläche des Merak-Bodies ist (wie bei allen Franz-Bässen) leicht gewölbt. Als Finish wurde bei meinem Testkandidaten ein matter Polyurethan-Lack in transparentem Rot verwendet.

Die durchgehende Halskonstruktion des ersten Neck-Through-Merak setzt sich aus insgesamt fünf Teilen zusammen: breite Streifen aus Thermo-Ahorn werden von dünneren Furnieren aus europäischer Räucher-Eiche abgesetzt. Und obwohl die Konstruktion durch die Laminierung und die Verwendung von Thermo-Hölzern bereits extrem stabil sein dürfte, kommen zur zusätzlichen Versteifung Grafit-Stäbe zum Einsatz. Hier bewegt sich also sicherlich auch bei stärkeren Klimaschwankungen nicht mehr viel, sodass die Halskrümmung beim Merak vermutlich nur sporadisch justiert werden muss.

Auf dem Hals sitzt ein dickes Griffbrett aus indischem Palisander, in welches 24 mitteldicke Bünde und ein Nullbund eingearbeitet wurden. Lagenmarkierungen gibt es bei diesem schicken Bass nur an der Griffbrettflanke, dafür allerdings in einer fluoreszierenden Ausführung. Manch einer hält leuchtende Dots vielleicht für überflüssigen Schnickschnack, mir haben derartige Leuchtmarkierungen aber bei Shows, die beispielsweise im Dunkeln beginnen, schon des Öfteren sehr geholfen - ein absolut sinnvolles Feature!

Der aufwendig konstruierte Hals des Merak endet in der Franz-typischen geschwungenen und leicht nach hinten abgewinkelten Kopfplatte mit einem seitlich ausgefrästen Aufleimer in der Korpus-Optik - "Matched Headstock", wie der Angelsachse zu sagen pflegt. Durch die raffinierte Ausfräsung bekommt man einen Blick auf die darunterliegende, bis unter das Griffbrett verlaufende Schicht aus Phenolharz, die man als typische Design-Raffinesse der Franzbass-Kopfplatten bezeichnen kann.

Es versteht sich von selbst, dass ein derart edles Instrument mit den besten Hardware-Komponenten ausgestattet ist, die der Markt zu bieten hat. Die fünf gekapselten Tuner des Merak kommen vom japanischen Traditionshersteller Gotoh, beim Steg setzt Xaver Tremel auf deutsches Know-How und verbaut das zweiteilige MKIII-Modell von ETS. Die Saiten laufen bei dieser Konstruktion über den eigentlichen, mit komfortabel in alle Richtungen justierbaren und arretierbaren Saitenreitern ausgestatteten Steg, und die Saitenenden werden hinter der Brücke von separierten, in den Korpus eingelassenen Hülsen aufgenommen.

Ebenfalls aus deutscher Fertigung stammen die beiden Tonabnehmer des Merak: die Singlecoils von Pickup-Guru Andreas Kloppmann werden von Bassisten rund um den Globus geschätzt. Für Franz Bassguitars hat Kloppmann vor einiger Zeit die ersten Fünfsaiter-Ausführungen seiner Tonabnehmer angefertigt.

Für den standesgemäßen Edelbass-Look wurden die Kloppmanns von Xaver Tremel in schicke Ebenholzgehäuse im Soapbar-Format verfrachtet. Mein Test-Merak wäre mit den erstklassigen Kloppmann-Singlecoils sicherlich auch als rein passiver Bass schon ein tolles klingendes Instrument. Wenn allerdings maximale Klangflexibilität das Ziel sein soll, ist eine Onboard-Elektronik mit effektiver Klangregelung wohl unumgänglich. Beim Merak-Fünfsaiter kommt deshalb der Flex-Core-Preamp vom amerikanischen Elektro-Nerd (und Weltklassebassisten!) Mike Pope zum Einsatz, der auch die Standard- und Custom-Elektroniken für Fodera baut.

Der Flex Core-Preamp stattet den Merak mit einem Vierband-Equalizer aus, der im Cockpit mit je einem Doppelpoti für Bässe/Höhen und Hoch-/Tiefmitten bedient wird. Drei weitere Regler sind für die passive Tonblende, das Tonabnehmerverhältnis und zuletzt die Endlautstärke des Basses zuständig. Sound-Puristen können den Merak außerdem mit einem kleinen Switch in den Passiv-Betrieb schalten, der lobenswerterweise auch ohne Batterien funktioniert.

Wer alle Klangmöglichkeiten mit dem Merak ausschöpfen will, muss zwei 9V-Batterien in die separierten Klappfächer auf der Rückseite einlegen. Der verbaute Flex-Core benötigt im Merak für maximalen Headroom nämlich 18 Volt, der Preamp kann allerdings wahlweise auch als 9V-Version installiert werden. Untergebracht wurde die High-End Elektronik in einem relativ grossen Elektronikfach, das erwartungsgemäß super ordentlich aussieht, ultra penibel mit Abschirmfolie ausgekleidet wurde und von einem extrem passgenauen Holzdeckel mittels in Gewinde laufenden Schrauben verschlossen wird.

Wer jetzt nicht mehr bis zum Praxisteil warten will, kann den Merak im folgenden kurzen Video schon einmal in Aktion sehen und hören.

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