Bass Hersteller_Fodera
Test
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22.03.2016

Fodera Emperor Elite 4 LTD Bloodwood Test

Viersaitiger E-Bass

Hat jemand ein bisschen Kleingeld übrig?

Für viele Hersteller ist die alljährliche Namm Show im sonnenverwöhnten Kalifornien nach wie vor ein wichtiger Termin zur Vorstellung ihre neuesten Entwicklungen und Produkte. Gerade auch kleine Boutique-Schmieden nutzen die alljährliche Messe in Anaheim gerne, um den Besuchern einen Eindruck von ihrer Arbeit zu vermitteln und ihre erlesenen Instrumente zu präsentieren.

Die Chefs der New Yorker Bassmanufaktur Fodera haben sich für die Namm Show 2016 etwas ganz Besonderes ausgedacht, denn das ganze Team sollte in diesem Jahr an der Entwicklung und Realisation der Show-Bässe beteiligt werden. Folglich wurde die Crew in mehrere Gruppen aufgeteilt und jeweils mit dem Auftrag versehen, einen Bass für die Namm Show 2016 zu designen. Auf diese Art sind wirklich einzigartige Instrumente entstanden! Dem deutschen Musikhaus Thomann ist es gelungen, ein Exemplar dieser begehrten Show-Bässe zu ergattern. Ich habe in diesem bonedo-Test deshalb das Vergnügen mit dem atemberaubend schönen Fodera Emperor Elite Viersaiter vom Fodera-Team "Laura, Phil und Chris" und bin wirklich ungeheuer gespannt, was sich klanglich hinter der überaus extravaganten Tapete dieses super exklusiven Fodera-Einzelstückes verbirgt.

Übrigens ist dieser Test der erste aus der kleinen Reihe, die ich bei meinem Besuch in der Boutique-Abteilung von Thomann geschrieben habe (Lars Lehmann berichtete in seinem Blog). Ich kann euch schon verraten: euch erwarten noch weitere Traumteile in den kommenden Wochen hier auf bonedo!

Details

Die Fodera-Modellvariante Emperor erinnert mit ihrer leicht asymmetrischen Korpusform durchaus etwas an einen klassischen Jazz Bass und wurde von Vinnie Fodera als zweites Modell nach dem etwas rundlicheren Monarch entwickelt. Für die Korpusflügel hat das Fodera-Team klassische Erle gewählt - bekanntlich ein jahrzehntelang bewährtes Material für E-Bässe. Auf den Erlekorpus wurde, abgesetzt durch ein dünnes schwarz eingefärbtes Furnier aus Anigre, eine wunderschöne Decke aus sogenanntem "Bloodwood" geleimt. Dieses exotische Holz hat seinen Namen treffend aufgrund der roten Färbung bekommen und verleiht dem Fodera Emperor Elite eine wirklich außergewöhnlich elegante Note. Ein weiteres Highlight dieses Foderas ist das wild gemaserte Griffbrett, welches aus optischer Sicht einen reizvollen Gegenpol zur eleganten Bloodwood-Decke bildet. Das spektakulär gefärbte Griffbrett besteht aus Tulipwood - einer Holzart, die eher selten als Griffbrettmaterial verwendet wird und klanglich eine Mischung aus Palisander und Ahorn darstellen soll.

Im Tulipwood-Griffbrett sitzen 24 mitteldicke Bünde und runde Lagenmarkierungen aus pechschwarzem Ebenholz, die dem geneigten Basser die Orientierung auf dem abgefahrenen Griffbrett erleichtern sollen. Der Hals selbst besteht aus drei breiten Streifen Ahorn, die mit zwei schmaleren Streifen aus Ebenholz voneinander abgesetzt wurden und sich bis zum Korpusende durchziehen. Die Modellbezeichnung "Elite" steht bei Fodera nämlich für das Konstruktionsmerkmal "Neck Trough".

Darüber hinaus leimen die New Yorker bei ihren Modellen mit durchgehenden Hälsen im Bereich der Korpusflügel einen sogenannten "Tone Block" auf den Hals. Dieser hat einen - wenn auch sicherllich eher geringen - Einfluss auf den Gesamtklang des Instrumentes und besteht bei meinem Test-Fodera aus Black Limba. Selbst für diesen ja nur rückseitig verbauten Tone Block wurde ein besonders schönes Exemplar mit auffallendem Farbverlauf und wilder Maserung ausgesucht. Für die Namm Show-Foderas wurden eben wirklich alle Register gezogen. Am anderen Ende des Basses mündet der Hals in die Fodera-typische Kopfplatte, die bei meinem edlen Testkandidaten - passend zur Decke - ebenfalls mit einem Aufleimer aus Bloodwood versehen wurde und natürlich das Fodera-Logo in Form eines Abalone-Schmetterlings sowie ein "F" aus Perlmut beherbergt.

Ich muss gestehen: Die Holzkomposition dieses Fodera Emperor Elite 4 ist wirklich atemberaubend und zeugt vom treffsicheren Geschmack der Designer. Trotz der auffälligen exotischen Hölzer wirkt der Bass in meinen Augen keineswegs überladen, sondern einfach nur ungemein elegant.

Während die Holzkombinationen bei den Custom Fodera-Modellen je nach Klangziel und optischer Präferenz des Kunden sehr unterschiedlich ausfallen können, kommen beim Thema Hardware meistens die über Jahrzehnte bewährten Komponenten zum Einsatz. Diese wurden auch bei meinem Test-Fodera verbaut. Auf der Kopfplatte sitzen vier gekapselte Mechaniken vom Traditionshersteller Gotoh, und am anderen Ende des Instrumentes werden die Saiten von einer massiven Brücken-Konstruktion gehalten. Diese von Hipshot gefertigte Brücke wurde vom Fodera-Team entwickelt. Saitenlage und Intonation können hier sehr bequem und schnell justiert werden. Auch die gekerbten Metallstäbchen zur Führung der Saiten können verschoben und anschließend wieder arretiert werden, sodass man nicht zwangsläufig auf den werksseitigen Saitenabstand von 19 mm festgelegt ist.

Für den Sound sorgen zwei Fodera/Duncan Dual Coil-Tonabnehmer, die natürlich nicht in schnöden Plastikkappen untergebracht sind, sondern unter dekorativen und zum Bloodwood-Top passenden Holzgehäusen sitzen. Die großen Dual Coils leiten das Signal an den bewährten Custom-Preamp, der vom Profibassisten und Preamp-Designer Mike Pope entwickelt wurde und der für seinen außerordentlich musikalisch wirkenden Equalizer und seinen transparenten Klang weltberühmt ist. Der Fodera/Pope-Preamp kommt mit einem stattlichen Cockpit daher und bietet sechs Regler und drei kleinen Switches. Im Grunde genommen ist die Schaltzentrale aber recht einfach zu bedienen. Mit dem oberen Teil des großen Doppelpotis wird die Gesamtlautstärke bestimmt, der untere Ring fungiert als passive Tonblende, welche aber auch noch im aktiven Betrieb funktioniert. Darunter parkt ein kleinerer Regler für die Tonabnehmer-Balance. Die drei Regler rechts davon sind für den Equalizer zuständig und beeinflussen die jeweiligen Bänder für Bässe, Mitten und Höhen. Mit diesen Möglichkeiten geht soundmäßig schon so einiges - wer sich aber noch eingehender mit dem EQ beschäftigen möchte, findet im Elektronikfach kleine Jumper zum Anpassen der Einsatzfrequenz für Bässe, Tiefmitten, Hochmitten und Höhen. Pro Band stehen zwei Frequenzen zur Verfügung. Nanu, vier EQ-Bänder und nur drei EQ-Regler am Cockpit? Macht das Sinn? Im Falle des Fodera-Preamps schon, denn mit einem der kleinen Schalter neben den EQ-Reglern kann angewählt werden, ob der Mittenregler am Cockpit die Tiefmitten oder die Hochmitten bearbeiten soll. Der Schalter neben der Klinkenbuchse schließlich ist ein Aktiv/Passiv-Schalter, mit dem der Preamp aus- oder eingeschaltet werden kann, und der dritte Switch deaktiviert die inneren Spulen der beiden Dual Coil-Tonabnehmer für den Singlecoil-Betrieb, sobald er nach oben gelegt wird. Ein dermaßen ausgefuchster Preamp benötigt natürlich eine ordentliche Stromversorgung, die beim Fodera/Custom-Preamp von zwei 9V-Batterien übernommen wird. Ein gesondertes Batteriefach gibt es bei den Fodera-Bässen nicht, die Stromlieferanten sind im verschraubten Elektronikfach unterbracht.

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