Bass Hersteller_Fender
Test
7
12.02.2018

Praxis

Der Mustang PJ leidet trotz seines kurzen Halses an der ungeliebten Kopflastigkeit und hängt ohne Korrektur seitens des Spielers eher waagerecht am Gurt. Klar: der kleine Korpus bietet nun einmal nicht viel Gegenwicht zur ausgewachsenen Kopfplatte mit den schweren Vintage-Mechaniken. Dafür ist der kompakte Shorty aber mit seinen 3,6kg erfreulicherweise ein echtes Leichtgewicht, das sich mit minimalem Kraftaufwand in eine angenehme Spielposition bringen lässt - ich empfand die leichte Kopflastigkeit jedenfalls nicht als problematisch.

Wenn man sich erst einmal an die kurzen Bundabstände der 30-Zoll-Mensur gewöhnt hat, lässt sich der Mustang PJ traumhaft komfortabel spielen. Basslinien in den tiefen Lagen gehen genauso kinderleicht von der Hand wie virtuose Ausflüge jenseits des 12. Bundes. Und das moderne C-Profil fühlt sich, zumindest für Jazz-Bass-Spieler, auf Anhieb vertraut an.

Mein Testbass war zudem ab Werk sehr gut eingestellt und die tadellos abgerichteten Bünde erlauben eine sehr niedrige Saitenlage ohne Scheppergeräusche. In der Tat kam der Mustang PJ mit dem besten Setup aus dem Karton, das ich je bei einem Fender-Bass aus mexikanischer Fertigung gesehen habe - dafür gehen schon mal alle Daumen nach oben!

Wo viel Licht ist, gibt es aber auch Schatten, und so war mein Test-Mustang leider mit einem komplett stumpfen Satz Fender-Saiten der Stärke 0.45-105 bespannt. Vor allem die E-Saite produzierte nur leblose Töne ohne Sustain, sodass ich mich gezwungen sah, den Mustang PJ mit einem frischen Saitensatz eines namhaften amerikanischen Boutique-Herstellers zu bespannen - und siehe da: die neuen Stahldrähte erweckten den Shorty richtig zum Leben und zeigten sein ganzes Potenzial!

Damit wären wir auch schon beim Thema Sound und der erstaunlichen Flexibilität, die der kleine Bass aus dem Hause Fender an den Tag legt. Wenn man mit dem Toggle-Switch den Hals-Tonabnehmer anwählt, liefert der Mustang PJ einen ungeheuer robusten Basston. Der Sound geht erwartungsgemäß stark in Richtung Precision, der Mustang klingt aber sogar deutlich fetter als die meisten Longscale-Geschwister und liefert ein wirklich erstaunliches Fundament ohne unangenehm zu dröhnen. Mit der Tonblende lässt sich der Klang außerdem wunderbar abrunden, falls mildere Vintage-Sounds gefragt sein sollten. Unschön ist jedoch, dass der Toggle-Switch zur Pickup-Wahl beim Schalten zu Aussetzern neigt.

In eine deutlich komplexere und drahtigere Klangrichtung geht es, sobald man den Steg-Tonabnehmer dazuschaltet, sodass nunmehr beide Tonabnehmer aktiv sind. Der Mustang klingt jetzt deutlich präsenter und liefert einen soliden und transparenten Allround-Sound, der sich sogar für perkussive Spieltechniken wie Slapping oder Tapping eignet:

Selbst Jazz-Bass-Fans, die auf den typischen Jaco-Sound stehen, kommen beim Mustang PJ auf ihre Kosten. Der Singlecoil-Tonabnehmer vor der Brücke liefert nämlich den mittenstarken und fokussierten Sound, den wir von Jazz-Bässen kennen. Beim Mustang PJ klingt der sogenannte Jaco-Sound aus dem Stand vielleicht sogar noch einer Spur voller und ausgewogener als bei vielen Longscale-Jazz-Bässen, weil der Shorty naturgemäß eben sehr viel Low-End produziert.

Mich hat der neue Mustang PJ von Fender in Sachen Sound absolut überzeugt. Er liefert drei tolle, charakterstarke Grundsounds, die allesamt bandtauglich sind - was will man mehr von einem simplen, passiven Bass?!

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