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21.07.2017

Event-Logistiker – ein Mix aus mehreren Berufen

Ausbildung oder Quereinstieg in den Eventbereich - Teil 8

Unter dem Begriff Logistik versteht man alles, was mit dem Transport und der Lagerhaltung von Gütern zu tun hat. Ein Oberbegriff für Spedition, Transportwesen und Lagerführung. Und das gibt es selbstverständlich auch in der Musik-, Messe- und Veranstaltungsszene. Von der winzigsten Schraube bis zur kompletten Riesenbühne, vom Catering bis zur Bestuhlung muss schließlich alles erstmal zum jeweiligen Veranstaltungsort gebracht werden: tonnenschwere Güter mit Rock’n’Roll- oder Messe-Faktor sozusagen.

Sucht man eine klassische Berufsbezeichnung für diese Tätigkeit, stößt man auf die Fachkraft für Lagerlogistik. Das ist seit einigen Jahren ein Ausbildungsberuf mit zertifiziertem Abschluss. Es handelt sich um eine typisch duale Ausbildung mit berufsschulischen und betrieblichen Anteilen. Die Event-Logistiker erweitern das Berufsbild, ohne sie könnten Rental Companies und Dienstleister ihre Arbeit nicht so zuverlässig verrichten. Ohne die Logistiker würde heutzutage manche Veranstaltung vermutlich nicht stattfinden.

Rücksortierung und Warenausgang

Die Eingangskontrolle (Rückzählung) von verliehenem oder neuem Equipment ist ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit. War die Anlage – ob Licht, PA, Backline oder was auch immer – on Tour, muss zunächst registriert werden, ob sämtliche Teile wohlbehalten zurückgekehrt sind. Einfach Case kurz anglotzen und ab damit ins Regal ist Schnee vergangener Tage. Im Normalfall erfolgt die Erfassung per EDV. Für jede einzelne Komponente wird ein Aufkleber mit Eingangsdatum, Bezeichnung, Lagerplatz etc. ausgedruckt und angebracht. Bei großen Warenlagern ist es nur auf diese Weise möglich, den Überblick zu behalten. Von großen Geräten bis zu kleinsten Kabeln muss schließlich alles beim nächsten Einsatz schnell wiedergefunden werden.

Außerdem müssen die Gerätschaften natürlich auf Zustand und Funktion kontrolliert werden. Auch das gehört oft zu den Aufgaben von Event-Logistikern. Um das überhaupt leisten zu können, sollte man wenigstens rudimentäre Ahnung von der Materie haben. Wer sich also in der Eventlogistik ein berufliches Zuhause suchen möchte, sollte wenigstens zu einem kleinen Teil auch Musiker sein. Keine Pflicht, aber es erleichtert den Arbeitsalltag ungemein.

Riesige Spannweite

Damit sind die Anforderungen an Eventlogistiker allerdings noch lange nicht am Ende. Sobald man auf der Karriereleiter ein wenig emporgeklommen ist, wird man Kunden beim Thema Kosten und Finanzierung beraten, wird eventuell auch das Logistikpersonal vor Ort stellen oder beauftragen. Nicht selten sind Eventlogistiker zudem gleichzeitig Trucker. In der Realität erledigt also ein und dieselbe Person viele Aufgaben gleichzeitig. Und ob man dann gerade Logistiker, Stagehand oder Veranstaltungstechniker ist, wen interessiert’s.

Nicht verschweigen sollte man, dass die großen Transportunternehmen mittlerweile separate Logistikabteilungen gegründet haben, die sich mit ihrem Angebot unmittelbar auf die Eventbranche zielen. Konzeption, Organisation Überwachung – alles aus einer Hand gewissermaßen. Man darf gespannt sein, ob sich eher die Großkonzerne oder die Individualität der Veranstaltungsbranche durchsetzen wird.

Verdienst

Die Gehälter variieren nach Betrieb und Bundesland. Während im Süden Deutschlands und in Hessen Bruttogehälter um 2.000 Euro gezahlt werden, verringert sich dieser Betrag in den östlichen Bundesländern wie Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern oder Brandenburg häufig auf 1.400 Euro. Reich wird man schon mal mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht. Was ein wenig verwunderlich ist, wenn man sich vor Augen hält, dass Dienstleister im Eventsektor bei allem Preisverfall nur durch Qualität hervorstechen können.

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