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Test
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08.07.2015

ESP LTD GL-200K George Lynch Signature Test

E-Gitarre

Ein Colt für alle Fälle

Die ESP LTD GL-200K ist die preiswerte Version der original ESP George Lynch Signature Kamikaze-1. Die ESP-Standardmodelle mit dem Kürzel LTD werden im Gegensatz zu den aus Japan stammenden Custom-Shop Modellen in Südkorea und Indonesien gefertigt und sind erheblich preiswerter als die Originale. Dass eine solche Herkunft nicht unbedingt auch eine Aussage über die Qualität sein muss, wissen wir inzwischen. Das Signature-Modell des amerikanischen Gitarrenvirtuosen George Lynch wird mit seiner martialischen Kamikaze-Optik nicht unbedingt zum Lieblingsinstrument von Pazifisten werden.

Aber über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten, was uns aber nicht davon abhalten wird, die Gitarre ohne Rücksicht auf ihr Äußeres darauf zu testen, wie sie ihre eigentliche Aufgabe meistert und ob weitere Eigenarten unter die Geschmacksrubrik fallen.

Details

Konzept

George Lynch ist unverkennbar ein Gitarrist, der in den 80er Jahren musikalisch groß wurde. Dementsprechend erinnert auch unsere Testgitarre an die goldenen Zeiten dauergewellter Gitarrenhelden, die messerscharfe und pfeilschnelle Licks in jede noch so kleine Lücke des Arrangements abfeuerten. Ebenso wie bei Eddie Van Halen war auch bei George Lynch Tapping und Virtuosität ein stilprägendes Markenzeichen. Die GL-200K erinnerte mich deshalb auch an die Kramer Frankenstein, eine Gitarre, die seinerzeit von Eddie Van Halen gespielt wurde. Im Gegensatz zu ihr hat man der ESP jedoch für eine größere Soundvielfalt noch einen Halstonabnehmer installiert.

Der Korpus

Der Body hat sehr große Ähnlichkeiten mit dem der Stratocaster, wirkt jedoch insgesamt kräftiger. Als Korpusholz kommt Linde zum Einsatz, das man häufig bei preiswerten Gitarren verwendet. Aber nicht nur, denn auch teure Ibanez oder Music Man Instrumente setzen auf die gerade im Rock-Bereich gerne gesehenen Klangeigenschaften eines Linde-Bodies (Basswood). Der Sound ist wärmer und mittiger als bei Erle, dafür aber oft auch etwas dünn und fade. Letztendlich liegt es natürlich auch an der Qualität und am Trocknungsgrad der verwendeten Hölzer. Wie schon erwähnt, ist der Korpus mit einer kitschigen, knallbunten Kamikaze-Lackierung versehen, geschmückt mir japanischen Schriftzeichen, dem Foto eines Piloten und einigen stilisierten Fliegerbomben. 

Auch das Floyd-Rose-Tremolo erinnert an die Achtziger, in denen es zum Trend wurde und große Erfolge feiern konnte. Damals wie heute ermöglicht es extreme Divebombs, wobei sich die Gitarre kaum verstimmt, wenn das System perfekt eingestellt ist. Allerdings ist trotz der scheinbar großen "Masse" des Tremolos nicht unbedingt auch mit einem dicken Ton zu rechnen, weil es nur über zwei Halterungen mit dem Body verbunden ist. Varianten wie das Super Vee beispielsweise bieten hier eine wesentlich bessere Klangübertragung, unterscheiden sich aber auch deutlich in ihrer Machart. Da sich unsere Testkandidatin in einem 80er-Jahre-Kontext befindet, ist ein Floyd Rose in gewisser Weise Pflicht.

Zwei leistungsstarken ESP-Pickups sorgen für die Tonwandlung, am Steg ein Humbucker LH-150B und am Hals ein LS-120N Singlecoil. Die gesamte Schaltung besteht aus einem einzigen Push/Pull-Poti, der als Master-Volume fungiert. Eine Tonblende sucht man hier vergebens. Im gedrückten Zustand ist der Steghumbucker aktiv, herausgezogen der Halstonabnehmer, also auch hier ganz minimalistisch und strikt auf die Bedürfnisse eines fokussierten Heavy/Metal-Gitarristen ausgelegt. Aber gut, viel mehr Einstellmöglichkeiten hat auch Ritchie Blackmore im Grunde genommen nicht genutzt und trotzdem Musikgeschichte geschrieben.

Dreht man die Gitarre um, sieht man den Federkasten und die Abdeckung des erstaunlich großen Elektrofachs fällt auf, in dem ein einsames Push/Pull-Poti sein Dasein fristet. Damit das Gitarrenkabel auf der Bühne nicht herausrutscht, hat man die Ausgangsbuche in der rechten unteren Zarge so eingebaut, dass es nicht nach unten, sondern nach rechts herausgeführt wird. So ist man vor einem versehentlichen Herausziehen auf der Bühne effektiv geschützt.

Der Hals

Mit 648 mm hat man es hier mit einer Fender-Mensur zu tun. Der Griffbrettradius ist im Gegensatz zu Fender sehr flach und mit knapp 14 Zoll extrem gut zu bespielen, speziell für Flitzefinger. Der Hals besteht aus Ahorn mit einem aufgeleimten Palisandergriffbrett. Die 22 Jumbobünde unterstützen flüssiges Spielen ungemein und es macht einfach Spaß, auf dem Griffbrett herumzutollen. Um auch bei extremen Divebombs die Stimmstabilität zu gewährleisten, verfügt die GL-200K anstelle eines Knochensattels über einen Klemmsattel, was durchaus Sinn macht. So wird außer der Stimmung auch der Ton stabilisiert.

Der Reversed Headstock beherbergt sechs Mechaniken aus eigener Fertigung, die im Grunde genommen nicht viel zu tun haben. Schließlich dienen sie nur dem möglichst genauen Annähern an die Stimmung, die nach dem Festziehen des Klemmsattels mithilfe der Feinstimmer am Floyd Rose System exakt eingestellt wird.

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