Eurorack-Module
Test
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08.10.2019

Erica Synths Sample Drum Test

Doppelter Eurorack Sampler für Loops und One-Shots

Eurorack Sampler mit Effekten, VCAs und Hüllkurven

Hier ist es nun endlich! Das Sample Drum Modul von Erica Synths. Es hat ganz schön auf sich warten lassen, denn es sollte eigentlich als Teil der neuen Erica Synths Drum Series mit dem Techno System ausgeliefert werden. Sample Drum ist eine digitale Drum-Stimme, die als Ergänzung zu den voll analogen Drum-Stimmen aus dem Techno System, bzw. der Drum Series entworfen wurde. Hierbei soll Sample Drum die analogen Stimmen ergänzen und denen weder in Sound noch in der Bedienung in nichts nachstehen.

Das Erica Synths Sample Drum Modul ist eine Weiterentwicklung des sehr erfolgreichen Pico Drums Moduls. Obwohl Sample Drum, genau wie Pico Drums, ein doppelter Sample Player ist, kann Sample Drum auch aufnehmen und hat einige Effekte, sowie VCAs und Hüllkurven mit an Bord. Wir haben untersucht, was diesen Sampler von anderen Eurorack Sample Modulen unterscheidet, und ob sich dieser nahtlos in die Reihen der analogen Drum-Module von Erica Synths einreihen kann.

Details

Aufbau

Sample Drum ist sehr einfach und übersichtlich, aber dennoch überdurchschnittlich hochwertig aufgebaut. Das Sample Modul ist mit zwei Platinen in Sandwich-Bauweise hergestellt, der Power-Header sitzt cleverer Weise auf der inneren Platine, sodass das Modul lediglich 3 cm Tiefe in Anspruch nimmt und somit auch in flachen Cases Platz findet. Auf 14 Teileinheiten finden wir zwei identische Mono-Kanäle vor, die Samples abspielen und aufnehmen können. Hierbei liefert ein kleines OLED in 3,8 x 2,4 cm Größe alle nötigen Informationen. Links neben dem Display finden wir zwei kleine beleuchtete Drucktaster, welche die Samples der beiden Kanäle auslösen können oder für Shift- und Vorhör-Funktion zuständig sind. Grundsätzlich ist die Menü-Struktur aber sehr flach gehalten, sodass die Shift-Funktion kaum zum Einsatz kommt wird.

Auf der rechten Seite finden sich ein Einschub für eine SD-Karte und ein Kippschalter zur Auswahl der Kanäle, genau wie beim Pico Drum. Die SD-Karte hält Samples und die Firmware bereit. Samples müssen in den RAM-Speicher des Sample Drum Moduls geladen werden, bevor man sie verwenden kann. Der Speicherplatz beträgt hierbei 32 MB oder fünf Minuten an Samplingzeit. Einen Kippschalter anstelle eines Drucktasters für die Kanalauswahl zu verwenden ist ebenfalls sehr Praxis orientiert. So hat man immer visuelle Information auf welchem Kanal man sich gerade befindet und die Position bleibt beim Ein- und Ausschalten erhalten.

Unter dem Display gibt es sechs Encoder mit Druckfunktion. Mit diesen sechs Encodern werden beide Kanäle komplett bedient. Mit der übersichtlichen Anzeige und der durchdachten Menüführung passiert das auch sehr intuitiv und genauso praxisorientiert und schnell. Hier kommt man auch ohne Anleitung sofort zurecht und muss nie wirklich seinen Workflow unterbrechen, um sich zu erinnern wie eine bestimmte Funktion aufzurufen ist.

Ganz unten befinden sich jeweils fünf Buchsen für jeden der beiden Kanäle. Jeder Kanal verfügt über einen Trigger-Eingang, womit sich die Samples sabfeuern lassen und einen monofonen Ausgang. Zudem gibt es pro Kanal drei Eingangsbuchsen für Steuerspannungen, die sich frei zuordnen lassen, aber dazu kommen wir ein bisschen später. Wie nicht anders von Erica Synths erwartet, ist das Modul nicht nur wertig aufgebaut, sondern weißt auch ein sehr praktisches Design auf. Hier hat Erica Synths das Modul in drei klar definierte Bereiche aufgeteilt. Buchsen ganz unten, Potis zum Bedienen in der Mitte, und zum Schluss ganz oben: Display und Taster, Schalter sowie SD-Karte. So bleibt alles sehr übersichtlich und das Sample Drum Modul ist auch dann noch gut zu bedienen, wenn es mal ein bisschen stressiger voran geht.

Samples und Slices

Die Menüführung des Sample Drum ist sehr übersichtlich und intuitiv. Mit dem ersten Encoder selektiert man einen Menüpunkt und drückt ihn, um ihn auszuwählen. Wird Encoder ‚D‘ gedrückt, so kommt man zurück ins Hauptmenü. Hat man einen Menüpunkt gewählt, so gelangt man in den jeweiligen Screen, der obendrein die Funktionen der sechs Encoder am Rand des OLED auftauchen lässt. Das ist sehr praktisch, denn so hat man immer die Funktion des jeweiligen Encoders direkt darunter bzw. darüber sichtbar.

Wir beginnen mit dem ersten und wichtigsten Menüpunkt für einen Sampler: Dem Sample Menü. Samples müssen vor dem Abspielen in den internen RAM geladen werden. Mit Encoder ‚A‘ wählt man dann zwischen den 64 Samples im RAM aus. Mit ‚B‘ wird die Abspielrichtung festgelegt und mit Encoder ‚C‘ kann das Sample chromatisch verstimmt werden. Mit den unteren drei Encodern ‚D‘, ‚E‘ und ‚F‘ können Sample Start-, Endpunkt, sowie Loop-Punkte festgelegt werden.

Befindet man sich im Sample Menü und drückt erneut Encoder A, so kann man zusätzlich in einen Slice Modus wechseln. Dieser ist sehr einfach aufgebaut, aber dennoch unglaublich effektiv und schnell zu verwenden. Wo man vorher die Abspielrichtung mit Encoder B eingestellt hat, lässt sich jetzt auswählen, wie die Reihenfolge ist, in welcher die einzelnen Slices abgespielt werden. Außer Vorwärts und Rückwärts, werden hier auch ‚zufällig‘ und ‚nicht zum nächsten Slice springen‘, sowie ‚Auswahl per Steuerspannung‘, angeboten. Mit Encoder C wählt man im Slice Modus aus, ob die Slices gleichmäßig oder gleichmäßig, aber am nächsten Zero-Crossing Punkt, aufgeteilt werden.

Auch das ist ein kleines Feature was äußerst praktisch und zeitsparend ist. Man kann zwar die Slices auch manuell anpassen, es ist jedoch schön zu sehen, dass der Entwickler einem hier sehr praxisgerecht bei der Bedienung unter die Arme greift. Denn so werden die Slice-Punkte automatisch an Stellen gesetzt, wo die Lautstärke gerade 0 beträgt, so dass Klick-Geräusche beim Springen zwischen den einzelnen Slices vermieden werden. Mit Encoder C wird ausgewählt in wie viele Slices ein Sample zerhackt werden soll. Hier kann man zwischen einem und 32 Teilen auswählen. Drückt man Encoder F, so wird das Sample zerschnitten. Durch drücken von Encoder E gelangt man immer zum ersten Slice.

Hüllkurven

Jedes Sample bzw. Slice verfügt über eine eigene Hüllkurve und diesen ist auch der zweite Menüpunkt gewidmet. Hier handelt es sich um ASR-Hüllkurven, welche, genau wie alle anderen Funktionen bei diesem Modul, eher einfach aber sehr effektiv aufgebaut sind. Mit den unteren drei Encoder lassen sich in diesem Modus die Attack-, Hold-, und Decay- Zeiten festlegen. Mit den oberen drei Encodern kann man zum einem zwischen vier verschiedenen Zeiteinstellungen für die Hüllkurven wählen, zum anderen erhält man hier Möglichkeiten stufenlos von exponentiellem, über linearem bis zu logarithmischem Verhalten getrennt für die Attack- und Decay-Kurve einzustellen. Diese wenigen Features machen diese Hüllkurve schon sehr nützlich und erlauben eine sehr genaue Kontrolle über das Amplitudenverhalten der abgespielten Samples. Die Tatsache, dass man alle Funktionen aber auch durch Steuerspannungen automatisieren kann, macht diese Hüllkurve besonders praktisch.

Effekte

Im nächsten Schritt kommen wir zu den integrierten Effekten. Diese sind eher einfach gehalten, was deren Funktionen und Klangqualität betrifft. Die im Sample Drum verbauten Effekte dienen in erster Linie dazu, einige Parameter bereit zu stellen, um Samples verfremden zu können, weniger, als hochwertige Mastering-Effekte darzustellen. Diesen Job erledigen die Effekte auch sehr gut, schon deswegen, da hier alles, nebst Effekt-Auswahl, per CV gesteuert werden kann.

Das Sample Drum Modul bietet insgesamt sieben verschiedene Effekte. Hier finden wir Delay, Reverb, Low- und Highpass Filter, Bitcrush, Fold und Drive. In diesem Modus haben Encoder B und C keine Funktion. Encoder A wählt den entsprechenden Effekt aus, oder versetzt die Effekt-Sektion in Bypass. Jeder Effekt ist sehr einfach gehalten und bietet zwei Parameter, die mit Encoder D und E justiert werden können. Encoder F dient bei jedem Effekt dazu den Mixanteil zu bestimmen.

Library, Projekt Management und Recording

Unter Library geht es in erster Linie darum Samples von der SD-Karte in den internen RAM-Speicher zu laden, oder neue Samples aufzunehmen. Auch hier ist alles sehr einfach gehalten und wirklich praktisch entworfen. Die Anzeige wird dazu in zwei Teile aufgeteilt. Links wird der Inhalt der SD-Karte angezeigt und rechts der des RAM-Speichers. Mit Encoder A wählt man Samples aus und lädt sie in das RAM durch Drücken desselben Encoders. Encoder C ist für die 64 Speicherplätze im RAM zuständig und löscht Samples aus dem internen Speicher, wenn er gedrückt wird. Samples können nur in einen Speicherplatz geladen werden, wenn dieser leer ist. Auch hier wieder ein kleines durchdachtes Detail, das in der Praxis einen gewaltigen Unterschied macht.

Durch Drücken von Encoder B kommt man in den Aufnahme-Modus. Sample Drum spielt zwar in 16 Bit-Auflösung ab, kann aber nur mit 12 Bit aufnehmen. Die Aufnahme ist hier eher ein Bonus-Feature und kein Hauptmerkmal und somit auch eher einfach gehalten. Hier kann man einen Schwellenwert einstellen, ab welchem das Modul beginnt aufzunehmen. Zusätzlich kann man entscheiden ob man den Eingang abhören mag, und wie laut aufgenommen werden soll. Des Weiteren kann man mit Range bestimmen welche Art von Audiosignal man aufnimmt. Das war es auch schon mit dem Recorder. Als Input-Buchse muss hier der dritte CV-Eingang des zweiten Kanals herhalten.

Einen eigenen Menüpunkt hat das Projektmanagement erhalten. Dort lassen sich alle Einstellungen inklusive Samples abspeichern. Auch kann man sich aussuchen, ob man das für einen oder beide Kanäle gleichzeitig machen möchte.

Steuerspannungen

Beim Pico Drum gibt es einen CV-Eingang, der die Wahl bietet, auf welchen der drei verfügbaren Parameter des ersten Kanals er sich auswirken sollte. Das ist sehr praktisch gelöst, da man so mit wenig Elementen relativ viele Möglichkeiten zur Hand hat. Beim Sample Drum wird dieses Konzept noch erweitert und stellt nun eines der interessantesten Features des Moduls dar. Auch hier bin ich beim Testen wieder angenehm überrascht worden, wie einfach die CV-Zuweisungen realisiert wurden, aber dabei doch sehr komplexe Möglichkeiten bieten.

Pro Kanal gibt es ja drei Eingänge für eingehende Steuerspannungen, und so sieht man auch drei kleine Oszilloskope im CV-Modus. Mit den oberen drei Encodern wählt man das Ziel für die jeweilige Steuerspannung aus, wobei die unteren drei Encoder als Abschwächer dienen. Per gedrückter Shift-Taste wählt man pro Kanal, ob man bis 5V oder 10V an den CV, Eingängen ablesen soll, und, ob negative Steuerspannungen ignoriert werden sollen oder nicht. Auch hier sind die Funktionen nicht viele, aber sie sind praxisgerecht ausgewählt. Durch die Einstellungen für eingehende CVs können nicht nur LFOs und Zufall gut Verwendung finden, sondern auch Hüllkurven lassen sich hier bestens einsetzen.

Es lässt sich jede Einstellung per CV ansprechen, aber zusätzlich hat es auch noch Amplitude als CV-Ziel. Somit hat man eingebaute VCAs und kann auch andere analoge und/oder komplexe Hüllkurven verwenden, sollten die internen nicht befriedigen.

Performance-Mode

Neben dem CV-Modus, dient der Performance-Modus, um pro Kanal drei ausgewählte Parameter zu manipulieren. Hier wird das nicht automatisch mithilfe von Steuerspannungen getan, sondern manuell, mittels der sechs Encoder. Drückt man auf das tanzende Alien, so gelang man in den Performance-Modus, wo die Wellenformen beider Kanäle auf einmal angezeigt werden. Mit den drei oberen Encodern lassen sich drei Parameter des ersten Kanals bedienen. Die drei unteren Encoder dienen der Parameterbedienung des zweiten Kanals. Auch hier ist die Zuweisung und Nutzung in der Praxis genau auf den Punkt gebracht.

Befindet man sich im Performance-Modus und drückt erneut Encoder A, so gelangt man in ein Untermenü. Hier wählt man mit Encoder A aus, welchen der sechs Encoder man definieren möchte, und mit Encoder C dann welchen Parameter dieser steuern soll. Zurück im Performance-Modus bietet sich jetzt die Beeinflussung dreier ausgesuchter Parameter per Encoder. Der Clou hier ist wie folgt: Drückt man auf Encoder C für den ersten, oder Encoder F für den zweiten Kanal, so werden alle Einstellungen zurück in die Ausgangstellung versetzt. Genial (!), das nenne ich einen echten Performance Modus.

Globale Einstellungen

Zum Schluss kommen wir zu den globalen Einstellungen. Hier gibt es normalerweise nichts Aufregendes. Beim Sample Drum gibt es nicht viele allgemeine Einstellungen, aber diese wurden wieder intelligent gewählt, sodass man hier gleich merkt, wie sehr sich Sample Drum von den meisten anderen Sample Modulen abhebt. Die Möglichkeit OLED-Kontrast und besonders die allgemeine Laustärke einstellen zu können ist schon praktisch, aber die Möglichkeit eine Trigger-Verzögerung pro Kanal einzustellen ist beeindruckend. Daran erkennt man, dass die Entwickler selbst viel mit modularen Synthesizern spielen, oder diese in einem professionellen Kontext nutzen, da den meisten diese kleinen Details erst gar nicht auffallen.

Viel zu oft kommt es im Wilden Westen der Eurorackwelt vor, dass Steuerspannungen ganz knapp nach Triggern ausgegeben werden. Ein berühmtes Beispiel ist hier z. B. das Keystep von Arturia: Hier kommen die Steuerspannungen ganz knapp nach den Gates, sodass ein genaues und schnelles Sample Modul erst das Sample anfangen würde abzuspielen, bevor es dieses in die richtige Tonhöhe versetzt. Das Sample Drum Modul lässt sich im Millisekunden-Bereich einstellen, sodass es wartet bis die Steuerspannung angekommen ist und erst danach das Sample abgespielt wird. Eine Kleinigkeit, aber in der Praxis doch so oft Verursacher von Kopfschmerzen.

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