Gitarre Hersteller_Epiphone
Test
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30.05.2020

Epiphone Masterbilt Texan Antique Natural Test

Westerngitarre

Die Yesterday-Gitarre

Die Epiphone Masterbilt Texan in Antique Natural Aged lässt die alte Epiphone F-79 Texan aus den frühen Sechzigerjahren wieder aufleben. Gibson hat es sich als Rechteinhaber der Marke Epiphone zur Aufgabe gemacht, legendäre Steelstrings der Marke in der Masterbilt-Reihe als Remakes wiederzubeleben, darunter auch unsere Testkandidatin.
Das Vorbild unserer Texan erlebte im Jahr 1965 ihre Sternstunde. Damals schrieb Paul McCartney den Song "Yesterday", der auf einer F-79 gespielt wurde und als einer der größten Hits aller Zeiten in die Geschichte einging. Allerdings erlebte die die Texan das Ende der Folkwelle nicht mehr, denn die Produktion wurde 1970 eingestellt.

History

Die Form der Texan tauchte schon so oder ähnlich in den Dreißigerjahren in der Gestalt der Gibson Jumbo oder auch Gibson Advanced Jumbo auf. Das damals neuartige Erscheinungsbild mit den auffälligen runden Schultern trug diesen Modellen den Spitznamen "Rundschulter-Dreadnought" ein. Die "New-York made Texan" von Epiphone wurde zum ersten Mal im Jahr 1942 gesichtet. Die Texan durfte sich damals zwar formal mit der Gibson Jumbo vergleichen lassen, unterschied sich aber durch die Wahl der Hölzer und deshalb auch im Klang von ihr.

Im Jahr 1957 stellte Epiphone die Produktion ein und verkaufte das Label an die Gibson Guitar Corporation. Gibson übernahm vor allem die Modelle aus dem Epiphone Line-up, die auch unter den Produktionsbedingungen in der Gibson-Fabrik in Kalamazoo preisgünstig produziert werden konnten. Unter den Überlebenden befand sich auch die F-79 Texan, die im Jahr 1958 vom Präsidenten der goldenen Gibson-Ära Ted McCarty weiterproduziert und weiterentwickelt wurde. Mit ihrem "sachlichen" Erscheinungsbild füllte sie preislich eher den Raum im mittleren Preissegment. Neben der Texan überstanden auch andere Modelle, z.B. die Excellente, die Frontier, die El Dorado, die Cortez, die Caballero und die Troubadour den Wechsel. Die Texan veränderte ihr Erscheinungsbild im Laufe der Zeit mehrfach. Offenbar stand bei unserem Remake ein Referenzmodell aus den frühen Sechzigern Pate.

Details

Body

Gibson hat die Texan inzwischen unter Denkmalschutz gestellt - unser Remake wurde jedenfalls respektvoll und detailgenau rekonstruiert und läuft selbstverständlich ebenfalls mit dem voluminösen Resonanzkörper auf. Zu ihrer Basisausstattung gehören damals wie heute auch die verbauten Materialien, allen voran Fichte für die Decke und Mahagoni für den Body. Palisander für das Griffbrett wurde bei diesem Remake nicht mehr verarbeitet, stattdessen erhielt Indian Laurel den Vorzug.

Die großflächige Decke aus Sitkafichte besteht wie damals aus zwei massiven Teilstücken, die sich zu einem symmetrischen Gesamtbild zusammenfügen. Boden und Zargen, die ursprünglich aus Walnuss, dann seit 1957 aus Ahorn bestanden, kommen aktuell, wie angedeutet, in solidem Mahagoni.
Das ganze Instrument ist vollkommen auf alt getrimmt. Vor allem die gelb eingefärbte und transparent versiegelte Decke (hier: antique natural aged) verfehlt ihre Wirkung nicht. Scheinbar hat unsere Testkandidatin schon reichlich Patina angesetzt, sodass man das Gefühl nicht los wird, ein Instrument in den Händen zu halten, das tatsächlich noch die "Wilden 60er" erlebt hat. Die Stoßkanten werden rundum von einem elfenbeinfarbenen Binding gut geschützt.

Auf Schmuckwerk musste die Texan schon damals verzichten - die schlichte Randeinlage fällt kaum ins Gewicht und auch dem Remake bleibt nur eine bescheidene Schalllochverzierung. Der große, hellbraune Saitenhalter aus Indian Laurel brüstet sich mit einem "Top Belly" (Oberbauch), der die Auflagefläche vergrößert, was letztlich die Schwingungsübertragung optimiert. Für eine präzise Stimmung sorgt die kompensierte Stegeinlage aus echtem Knochen mit Führungen für die Saiten. Diese wurde von Gibson schon im Jahr 1962 standardgerecht bei allen Modellen implementiert, bei der eine Nase für die B-Saite das Intonationsproblem löst. Die Ball-Ends werden wie damals mit weißen Pins arretiert.
Ein authentisches Teardrop-Pickguard schützt die dünne Decke beim Strumming mit dem Plektrum. Das mit dem stilisierten "slashed-C" Epsilon-Logo versehene Schlagbrett findet man auch schon auf den Referenzmodellen aus den frühen 60er Jahren.

Interieur

Die Decke wird mit einem X-Bracing stabilisiert. Allerdings muss man bei einer Deckenverbalkung, die "non scalloped" ausgeführt ist, mit einem mehr oder weniger eingeschränkten Dynamikumfang rechnen, vor allem, wenn robuste Balken verbaut wurden, wie bei diesem Modell. Jedenfalls dürfte das Instrument in diesem Zustand ein hohes Alter erreichen. Den fragilen Schalllochbereich stabilisiert zusätzlich ein schmaler Holzstreifen, während Decke, Halsfuß und Zargen von einem massiven Halsblock zusammengehalten werden.
Ein Leiter-Bracing, das aus vier Querbalken besteht, hält die beiden Bodenhälften zusammen. Mit dem Bodenmittelstreifen, der entlang der Nahtstelle verleimt ist, ist man auf der sicheren Seite. Auch die Reifchen sind absolut sauber und gleichmäßig eingesetzt.
Der runde Halsfuß wurde stabil mit einer Schwalbenschwanzverbindung mit dem Halsblock verzapft und verleimt.

Elektronik

Unser Remake kann sich, anders als die alte Texan, mit einem leistungsfähigen Tonabnehmersystem auch in einer größeren Lautstärkeumgebung Gehör verschaffen. Der Piezo versteckt sich - wie üblich - unter der Stegeinlage. Der werkseitig verbaute Preamp, ein Fishman Sonitone, beschädigt das ursprüngliche Erscheinungsbild der alten Texan nicht. Die beiden Rändelpotis (1 x Volume + 1 x Tonblende) sind nämlich unsichtbar für den Zuschauer an der oberen Seite im Schallloch versteckt. Das Batteriefach befindet sich am Halsblock im Innenraum, wobei die Saiten beim Wechsel der Batterie partiell entfernt werden müssen. Das spartanisch ausgestattete System bietet einen vergleichsweise gehobenen Sound, der auch in die Tiefe gehen kann.

Hals und Griffbrett

Kopfplatte und Halsfuß sind angesetzt und mit dem Hals aus Mahagoni verleimt. Tatsächlich sind dreiteiligen Hälse im fragilen Übergangsbereiche deutlich stabiler als einteilige. Das aufgeleimte und sanft gewölbte Griffbrett (Radius: 12") besteht aus Indian Laurel, einem Gewächs, das in Indien und auf Ceylon beheimatet ist. Die großen Parallelogramm-Bundmakierer aus Perlmutt konnte man damals schon nicht übersehen. 20 Medium-Jumbo-Bünde sind sauber abgerichtet und treten auch an den Seiten auf ganzer Länge nicht aus. Auf der Sichtkante findet man entsprechende Punktmarkierer, eine Griffbretteinbindung besitzt das Remake genau wie das Original nicht.

Die sechs Saiten laufen über einen akkurat eingesetzten Sattel aus Graph Tech NuBone, der mit 43,8 cm vergleichsweise breit ist und einer ausgewachsenen Greifhand damit entgegenkommt. Die alte Texan konnte bereits mit einem justierbaren Halsstab auflaufen - dicke Knüppelhälse wurden deshalb nicht mehr verbaut und seitdem auch nicht mehr vermisst. Mit einem Halsumfang von 11 cm am Sattel und einem traditionellen 1960s Slim Taper C-Halsprofil kommt man jetzt jedenfalls sehr gut zurecht.

Kopfplatte

Die Gitarren von Epiphone kann man an den überdimensionalen symmetrisch geformten Kopfplatten erkennen. Hier ist die Oberfläche mit einem Furnier verblendet und schwarz lackiert. Stimmflügel aus Metall kannte die Texan erst ab 1967, sodass sich auch unsere Masterbilt für das authentische Erscheinungsbild mit kleinen elfenbeinfarbenen Stimmflügeln aus Kunststoff begnügen muss. Übermäßiger Nikotinkonsum hat auch an dieser Stelle seine Spuren hinterlassen. Die geschlossenen Mechaniken in 3:3 Anordnung halten die Stimmung jedenfalls perfekt aufrecht. Die Truss-Rod-Abdeckung ist seit 1963 mit dem Epsilon-Logo versehen. Im Zentrum der geschlossenen Kopfplatte prangt eine ansehnliche Einlage mit einem Wolkenmotiv.

Lieferumfang

Die Texan kommt im Pappkarton ins Haus. Der Hersteller hat aber mindestens zwei passende Cases im Angebot, die gegen einen Aufpreis erworben werden können. Im Lieferumfang der Texan befindet sich auch eine Schalllochabdeckung aus Gummi, die ihre Wirkung in einer höheren Lautstärkeumgebung gegen Feedback nicht verfehlt.

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