Bass Hersteller_EBS
Test
7
18.07.2016

Praxis

Sound

Billy Sheehan hat in seiner Karriere zum Teil atemberaubend komplexe Setups verwendet, um seinen markanten Signature-Sound auf die Bühne zu bringen. Das Setup mit dem EBS Signature-Drive gestaltet sich aber zum Glück genauso simpel wie mit jedem anderen Bodentreter: Nachdem man das Pedal mit einem geeigneten Netzteil verbunden oder mit einer Batterie bestückt hat, wird der Bass in die Input-Klinke gesteckt und das Signal von der Output-Buchse zum Verstärker weitergeleitet - fertig! Auch die Bedienung des flexiblen Verzerrers sollte einigermaßen erfahrene Bassisten kaum vor Rätsel stellen, denn der Signalweg des Gerätes ist denkbar einfach und logisch aufgebaut. Das Basssignal wird am Eingang aufgesplittet und einmal durch die Overdrive-Schaltung sowie einmal unverändert durch das Pedal geschickt, danach mit den jeweiligen Reglern CLEAN und LEVEL nach Belieben gemischt und bei Bedarf mit etwas Kompression versehen. Zweck dieser Signalführung ist natürlich, dass das Fundament und die Durchsetzungskraft des verzerrten Basssounds mit der richtigen Portion des cleanen Signals jederzeit wiederhergestellt werden können.

Und genau das funktioniert bei diesem Pedal wirklich ganz hervorragend, denn mit den beiden Lautstärkereglern lässt sich der Sound blitzschnell an den jeweiligen Kontext anpassen. Zu keiner Zeit läuft man Gefahr, mit einem undurchsichtigen und dünnen Basssound in Richtung Overdrive-Nirvana abzuschmieren. Die Gain-Bandbreite unter dem Drive-Regler ist in erster Linie vom verwendeten Op-Amp-Chip abhängig. Wie wir bereits wissen, kann dieser Operationsverstärker bei der neuen Deluxe-Version ausgetauscht werden, um den Charakter der Verzerrung zu verändern. Der ab Werk eingebaute Chip stellt jedoch bereits eine enorme Gain-Bandbreite zur Verfügung, sodass Freunde von leicht angecrunchten Sounds ebenso auf ihre Kosten kommen wie die Fans von heftigen High-Gain-Overdrive. Zusätzlich kann der Pegel per Fußtaster abermals um bis zu 10 dB geboostet werden.

Dieser Boost-Taster ist in der Tat ein sehr praktisches Feature, wenn man beispielsweise innerhalb eines Songs blitzschnell von einem dezent angezerrten Begleitsound zu einem stärker verzerrten Solosound schalten möchte. Wenn der Gainregler ohnehin schon in der zweiten Hälfte des Reglerweges steht und das Signal bereits stark verzerrt wird, ist der Boost-Effekt verständlicherweise nicht mehr so deutlich. Auch der mit relativ niedrigen Attack- und Releasewerten (7 ms / 75 ms) programmierte Onboard-Kompressor des Pedals besitzt eine nicht zu unterschätzende Wirkung auf das letztendliche Klangergebnis, denn er greift erst nach der Mischung der beiden Signale ein und verschweißt den verzerrten und den sauberen Sound zu einer Einheit. So empfinde ich es zumindest - mit aktiviertem Kompressor klingt das Pedal deutlich homogener und kompakter.

Für meine Spieltechnik war die MID-Position eigentlich immer die beste Einstellung, andere Player werden aber möglicherweise die HIGH-Position bevorzugen, und mit den Potis im Gehäuse kann man bei Bedarf sogar noch einige Parameter an den persönlichen Geschmack anpassen. Zur Klangformung bietet das neue EBS-Pedal einen Tone-Regler und den Phase-Schalter, die beide nur auf das verzerrte Signal wirken und den saubereren Basssound völlig unangetastet lassen. Mit dem Tonregler schiebt man eine fixierte EQ-Kurve durch einen sehr breiten Mittenbereich (175 - 4500 Hz), womit sich der Charakter des Zerrsounds in der Tat sehr stark verändern lässt. Auf der linken Seite liegen eher warme und durch den starken Tiefmitten-Boost zum Teil etwas "nölige" Sounds. Dreht man den Tone-Regler im Uhrzeigersinn, so klingt das Pedal zunehmend transparenter und offener.

Auch der Phaseninverter-Switch entpuppt sich als effektives Feature zur Klangveränderung: sobald man den Schalter auf die INV-Position bringt, treten Bässe und Tiefmitten beim verzerrten Signal in den Vordergrund und sorgen für einen insgesamt wärmeren und geschmeidigeren Charakter und ein stabileres Fundament bei stark verzerrten Sounds. Gerade auch im Zusammenspiel mit dem Tone-Regler entstehen auf diese Weise wirklich unzählige neue Sounds, die das Spektrum des neuen Sheehan-Pedals ganz erheblich erweitern!

Nachfolgend präsentiere ich euch einige Klangbeispiele, die die enorme Vielseitigkeit des neuen EBS-Treters eindrucksvoll widerspiegeln.

2 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare