Workshop_Folge
Workshop
4
09.09.2013

Drum Play-Alike - Joey Jordison Workshop

Die feurigen Grooves des Slipknot-Drummers zum Nachspielen

Drum Workshop mit Audio- und Notenbeispielen

Joey Jordison, der Drummer von Slipknot, polarisiert. "Geschmacklos, vulgär, hasserfüllt" oder auch "übermenschlich, schnell, göttlich". So verschieden fallen die Kommentare aus, wenn die Youtube-Drummerpolizei und die Fans der Band aufeinander treffen. Die Urteile in meinem Umfeld waren sehr ähnlich, wenn meine Musikerkollegen und Freunde, meist notgedrungen, in den Genuss meiner Workshop- Recherche gerieten. Ob im Auto, Hotel- oder Wohnzimmer - mich nochmals intensiv mit dem Output des Titelträgers "Bester Drummer der letzten 25 Jahre" auseinander zu setzen, erzeugte täglich neues Diskussionsmaterial. Ob gewollt oder nicht, er spaltet die Meinungen derer, die seinem infernalen Spiel ausgesetzt sind. Als Drummer und #1 der amerikanischen Nu-Metal-Band Slipknot mag er zwar weder zu den schnellsten noch zu den versiertesten Drummern gehören, aber die Marke Joey Jordison ist trotzdem eine der erfolgreichsten und gefeiertsten in der Geschichte des Schlagwerks.

Slipknots Markenzeichen sind die Masken, derer jedes Mitglied eine mit persönlichem Bezug gewählt hat. Joeys zweites Gesicht basiert auf einer japanischen Nō-Maske, die normalerweise im traditionellen Fernost-Theater Verwendung findet und die wahren Emotionen des Schauspielers verbergen soll. Seine Mutter jagte ihm eines Abends an Halloween einen gewaltigen Schreck ein, als sie ihn mit einer solchen Maske überraschte. Im Laufe der Bandgeschichte flossen immer neue Themen und Designs in die Masken der Schockrocker ein. So bediente sich Jordison eines blutigen Dornenkranzes, der den Hype um ihn und das von vielen Fans aufgezwungene Messiasbild karikieren sollte. Er setzte sich im selben Zug noch direkter dem Hass verschiedener christlicher Institutionen und der damit verbundenen Publicity aus. Aber was soll's: "Every publictiy is good publicity!". Es ist also offensichtlich, dass es bei Slipknot nicht rein um die Musik geht. Sie ist lediglich ein Medium, um die Energie der Band zu übertragen sowie Teil einer ausgefeilten Show, die tiefer und hintergründiger ist, als jeder voreingenommene Musikfan auf den ersten Blick erahnen mag. Aber auch außerhalb des Slipknot-Universums macht Jordison von sich reden. Spätestens als "Aushilfe" für Metallicas Lars Ulrich zeigte er, dass er auch als Individuum seine Anerkennung verdient. An weiteren erfolgreichen Aktivitäten jenseits seiner Stammband sind da noch die Murderdolls, bei denen er als Songwriter und Gitarrist agiert, sowie Tourneen als Drummer mit Korn und Rob Zombie. Und nun lassen wir uns von der dunklen Energie einsaugen und erforschen die Tiefen des Mysteriums Slipknot. Gruselt ihr euch auch schon ein bisschen?

Psychosocial

Der Song beginnt mit einem kurzen Gitarrenintro in das Joey einen Akzent auf dem Chinabecken setzt und anschließend auf der Zählzeit "2" einsteigt. Er doppelt die Gitarrenstimme mit der passenden Bassdrumfigur, während er die Hihat halbgeöffnet spielt. Am Ende des Intros wechselt Joey zu einem sechzehntel Roll auf der Snare, der mit einem explosiven, sechstolischen Klassiker Fill-In (4 Hände 2 Füße) abschließt und so das Thema des Songs einleitet.

Before I Forget

Nachdem er das Intro mit einer Sechszehntel Hihat aufgebaut hat, schließt Joey mit einem triolisch und quintolischen Wipe-Out-Fill ab. Die Abschläge werden unisono mit dem Rest der Band gespielt.

Der anschließende Mosh-Part ist, typisch Nu-Metal, mit vielen Dreiergruppen versehen. Falls Ihr auf der "4" noch eine weitere Bassdrum hört, könnte das daran liegen, dass Jordisons Percussionkollegen Shawn Crahan (Clown) und Chris Fehn (Pinocchio) zusätzlichen Druck auf ihren Gongdrums, Tomtoms, Marching Snares und Bierfässern (!) erzeugen. Der Groove wird alle vier Takte durch das Gitarrenriff, das auch schon im Intro auftaucht, unterbrochen.

Duality

In der Transkription des dreitaktigen Intro-Teils sind sowohl die ersten drei, als auch der letzte Durchgang notiert. Alle Schläge, die in Klammern stehen, sind Variationen und kommen nicht jedes Mal vor. So werden die triolischen Bassdrumschläge zum Beispiel nur im letzten Durchgang gespielt.

In der Strophe dreht Joey den Rhythmus einmal kurz um, in dem er den Backbeat weglässt und die Bassdrum inklusive der Hihat auf die Offbeats setzt.

People = Shit

Zu guter Letzt nehmen wir eine ordentliche Kelle eines wahren Eintopfes an leckeren Metal-Standards. Als erste Zutat mischt Joey einen traditionellen Blast-Beat ins Süppchen. Das Ganze wird bei 210 bpm umgerührt und sorgt für einen sofortigen Wachheits-Effekt.

Mit einem kleinen Fill-In leitet Jordison in eine Demonstration seiner Double Bassdrum Geschwindigkeit über. Double Bassdrum bei 220 bpm!

Den sogenannten Hammer-Blast setzt er am Ende des Intros ein. Dabei spielen Bassdrum, Snare und China-Cymbal durchgehende Sechzehntel.

Mehr und lauter geht es nicht, oder? Falsch! Mit einem eintaktigen Zweiunddreißigstel-Fill schließt er das Intro ab und rollt dabei einmal quer über seine Schlagzeugburg.

Im Refrain bricht Joey den Fluss und das Tempo des Songs mit einem Half-Time-Beat herunter. Wichtig für den richtigen Flow ist der Bassdrum-Schlag auf der letzten Sechzehntel. Typisch für das Genre sind auch die beiden Bassdrum-Schläge zusammen mit der Snare auf 2 und 4. Charlie Watts (Rolling Stones) hätte das jedenfalls nicht getan.

Um den Refrain auch vollends ans akustische Limit zu fahren, bedient Joey sich am Ende des Refrains eines druckvollen, sechstolischen Snare-Rolls, den er durch Akzente auf dem China-Cymbal erweitert.

Abgeschmeckt wird der Refrain mit einer letzten Prise Hammer-Blastbeat.

Fazit

Mich hat dieser Workshop in vielerlei Hinsicht zum Denken angeregt. Warum wollen wir immer wieder jemanden als den oder die Beste herausheben? In Wirklichkeit ist das eine deprimierende und gleichzeitig faule Haltung, gleichbedeutend mit der Annahme, dass es niemals einen Besseren geben wird und man nicht weiter nach einem Besseren suchen muss. Wer weiß, vielleicht ist man ja selbst der nächste Schlagzeug-Messias? Vor allen Dingen geht es in der Musik doch wirklich nicht darum, wer der Beste irgendeines Instruments ist. Welche Bewertungskriterien soll es da geben? Tempo, Lautstärke, Anzahl der beherrschten Techniken, Auftritte, Facebook-Likes oder vielleicht Geschmack? Über letzteren lässt sich, so fand ich schon immer, eben NICHT streiten. Jeder hat seinen eigenen. Jeder von uns ist geprägt durch die Musik und die Ereignisse, die er in seinem bisherigen Leben aufgenommen hat. Sich also vor Musik zu verschließen, ist der einzig falsche Weg. So gehören Slipknot und Joey Jordison definitiv zu einem Teil meiner Jugend und der vieler Millionen anderer NuMetal-Fans.

 

Tipp: Hier geht es zurück zur Übersicht mit allen Play-Alike Folgen.

 

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