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15.05.2020

Drum-Librarys im Vergleich 2020

Die besten Sample-Libraries für akustisches Schlagzeug

Alles für Rock, Pop und Metal

So sehr sich die Möglichkeiten, Musik im Heimstudio zu produzieren, auch entwickelt haben – akustische Drums selbst aufzunehmen, gehört nach wie vor in einen Bereich, der sich im Wohnzimmer kaum befriedigend umsetzen lässt. Die Verwendung von Sample-Libraries sorgt dagegen mit wenigen Mausklicks für professionell klingende Ergebnisse, die sich oft nur schwerlich von echten Drum-Recordings unterscheiden lassen. Doch welche dieser Libraries ist die richtige für das eigene Klangideal und die persönliche Arbeitsweise?

In diesem Artikel vergleichen wir die angesagtesten virtuellen Drumstudios für akustische Drums. In Fällen wie dem Toontrack EZdrummer 2, dem größeren Toontrack Superior Drummer 3 oder FXpansion BFD3 gibt es neben den standardmäßig enthaltenen Core-Libraries noch eine Vielzahl unterschiedlicher Erweiterungen. Die XLN Audio Addictive Drums 2 kommen sogar mit einem offenen Konzept ohne Core-Library und der Möglichkeit, beim Kauf zwischen unterschiedlichen Modulen zu wählen. Dem gegenüber stehen die Steven Slate Drums 5.5, für die es nur einige wenige Erweiterungen gibt, und die vollständig geschlossenen Abbey Road Drummer bzw. der Studio Drummer von Native Instruments.

Unsere Empfehlungen

Empfehlung „Realismus und Flexibilität“

Empfehlung „für Beat-Producer“

Drei Kerndisziplinen: Realismus, Flexibilität, Workflow

Ein wesentliches Kriterium bei unserem Vergleich ist der klangliche Realismus. Obwohl alle ernstzunehmenden virtuellen Drumstudios für akustisches Schlagzeug auf Samples basieren (also auf Aufnahmen echter Instrumente), gelingt es manchen Kandidaten besser als anderen, einen authentischen Eindruck von real gespielten Drums zu erzeugen. Dies hängt zu großen Teilen mit dem Detailgrad des Sample-Pools zusammen.

Im echten Leben klingt kein Schlag auf einer Trommel wie ein anderer, und wenn eine Software über viele verschiedene Artikulationen (z. B. Öffnungsgrade von Hi-Hats) und stimmige Alternativsamples (Velocity-Layer bzw. Round-Robin-Samples) dem gerecht wird, dann hört bzw. spürt man das. Da können clevere Scripts in der Engine hilfreich sein.

Ebenfalls wichtig beim Vergleich von virtuellen Drumstudios ist die Flexibilität – also die Frage, wie vielseitig eine Library eingesetzt werden kann und wie frei der Anwender beim Formen des Klangs ist. Dies kann einerseits mit einer großen Auswahl an Kits bzw. Instrumenten, andererseits aber auch mit speziellen Features wie mehreren alternativen Mixer-Channels für verschiedene Mikrofonierungen zusammenhängen. Allgemein gilt zudem: Je natürlicher eine Library mit ihrem Grundklang aufgestellt ist und je unangetasteter die eigentlichen Aufnahmen sind, desto mehr klangliche Facetten lassen sich ihr auch entlocken.

Das dritte wesentliche Kriterium in unserem Vergleich ist der Workflow, und hier muss man zwischen den Ansprüchen, Zielsetzungen und musikalischen Hintergründen verschiedener Anwender unterscheiden. Wer über möglichst wenige Mausklicks zu einem möglichst optimalen Ergebnis kommen möchte, der ist im Gegenzug auch oft bereit, auf eine gewisse klangliche Flexibilität zu verzichten. Wer sich aber genau diese Flexibilität wünscht und Freude am Drehen und Schrauben hat, hat in der Regel kaum Bedarf an vereinfachten Parametersätzen. Grundsätzlich gilt natürlich, dass Übersichtlichkeit und eine flüssige Bedienbarkeit nach einer gewissen Einarbeitungszeit gegeben sein sollten.

Schnellvergleich und Velocity-Check

Zeit für einen ersten Vergleich! Im Folgenden wird ein MIDI-File von allen an unserem Vergleich beteiligten Drum-Libaries wiedergegeben – und zwar, im Gegensatz zu den später folgenden Beispielen, ohne weitere Effekte wie EQing oder Kompression. Gerade die weniger stark bearbeiteten und flexibleren Kandidaten haben natürlich weit mehr Facettenreichtum zu bieten, als in diesem Ausschnitt ersichtlich wird. Für einen Eindruck über den allgemeinen Grundklang und den Realismusabgleich ist eine solche Gegenüberstellung aber durchaus interessant – und genau deshalb gibt es für jede Library auch einen zusätzlichen Velocity-Check auf einer Snare.

Toontrack Superior Drummer 3 – Realismus König

Der Toontrack Superior Drummer 3 darf in Sachen Realismus und Flexibilität ruhigen Gewissens als das Nonplusultra unter den virtuellen Drumstudios bezeichnet werden. Sowohl die Core-Library mit ihren eindrucksvollen 230 GB an Samples als auch die separat erhältlichen Erweiterungen bieten enorme Mengen an hochgradig detaillierten und meist weitgehend unbehandelten Drum-Samples. Das Konzept von Multichannel-Samples wird hier auf die Spitze getrieben, und wie im echten Leben ist jeder Schlag auf jedem Instrument in jedem Mixerkanal verfügbar (Core-Library: 22 Kanäle).

Die Software steckt zudem voller intelligenter Scripts und Features bis hin zum eigenständigen Drum-Tracker. Gemessen an der großen Funktionsvielfalt bleibt die Bedienbarkeit verhältnismäßig übersichtlich. Im Vergleich zu simpleren Lösungen sollte man aber natürlich mit einer gewissen Einarbeitungszeit rechnen.

Unter den als „SDX“ (Superior Drummer eXpansion) bezeichneten Erweiterungen kann man von zwei Generationen sprechen, denn seit dem Release des Superior Drummer 3 ist der Umfang dieser Libraries deutlich gewachsen. Besonders empfehlenswert sind die konkret auf Metal spezialisierte und allgemein sehr vielseitige Death & Darkness SDX sowie die offen und jazzig bis wuchtig klingende Decades SDX, die von Produzentenlegende Al Schmitt aufgenommen wurde.

Toontrack Superior Drummer 3 – Pro und Contra

Toontracks „Übertrommler“ macht seinem Namen alle Ehre und bietet mit dem Umfang einer kleinen DAW alle Voraussetzungen, um extrem realistische Drums zu erzeugen und sie wie echte Aufnahmen zu mischen. Als Basis bieten sich dazu viele gute Presets an. Die Eingriffsmöglichkeiten auf den Klang und das Verhalten bei der Wiedergabe sind allgemein sehr groß. Einziges denkbares Contra wäre, dass sich Einsteiger von der Vielfalt erschlagen fühlen könnten, wobei sich die wesentlichen Funktionen durchaus intuitiv bedienen lassen.

Toontrack Superior Drummer 3 – eignet sich gut für

...Menschen, die Freude am Drehen und Schrauben haben und auf die Frage, wer die Drums eingespielt hat, gerne mit einem wissenden Lächeln reagieren.

Toontrack Superior Drummer 3 – eignet sich nicht so gut für

...Einsteiger im Bereich der Musikproduktion. Um schnelle Demos aus dem Ärmel zu schütteln, wirkt die Software zudem etwas überdimensioniert.

Toontrack EZdrummer 2 – Workflow Meister

Der Toontrack EZdrummer 2 ist unser Gewinner in der Kategorie „Workflow“ und eine hervorragende Wahl für alle Anwender, die ohne viel Aufwand einen gut klingenden Drum-Track erzeugen wollen. Aufgrund des am Workflow orientierten Konzepts muss man bei der Flexibilität natürlich Abstriche machen.

Der EZdrummer 2 bietet einen von vornherein deutlich bearbeiteten Sound und für jedes seiner Presets eine stark reduzierte Auswahl an Effektparametern. In Hinblick auf den Realismus sind die Ergebnisse zwar längst nicht so authentisch wie beim Superior Drummer 3, für viele Gebiete sind sie aber durchaus akzeptabel. Zudem geht der EZdrummer 2 mit seiner schlanken Core-Library (ca. 3 GB) schonend mit den Ressourcen eines Rechners um.

Für den EZdrummer 2 gibt es eine stattliche Auswahl an Erweiterungen, die als EZX-Libraries (EZdrummer eXpansion) bezeichnet werden. Ähnlich wie beim Superior Drummer und seinen SDX-Libraries kann man hier von zwei Generationen sprechen, von denen die jüngere durchaus umfangreicher ausfällt als die ältere.

Wer auf natürlichen Klang steht, der kann einen Blick auf die UK Pop EZX oder auch die Traditional Country EZX werfen. Organische Metal-Samples finden sich z. B. bei der Death Metal EZX, offenere jazzige Sounds dagegen bei der Big Band EZX.

Toontrack EZdrummer 2 – Pro und Contra

Dank intelligenter Features und der Reduktion auf das Wesentliche kommt man mit dem Toontrack EZdrummer 2 binnen kürzester Zeit zum fertigen Drum-Track. Dies geht aber natürlich auf Kosten der Flexibilität. Der Klang der Core-Library lässt sich auch aufgrund der großen Verbreitung durchaus häufig wiedererkennen.

Toontrack EZdrummer 2 – eignet sich gut für

...Anwender, die sich nicht in Details verlieren wollen. Zudem ist es gerade in der Kompositions- bzw. Arrangementphase eines Songs sehr hilfreich, die Anzahl der Parameter auf das Wesentliche zu reduzieren.

Toontrack EZdrummer 2 – eignet sich nicht so gut für

...Menschen, die sich kompromisslos realistische Nachbildungen akustischer Drums oder das Erzeugen eines „eigenen“ Sounds wünschen.

XLN Audio Addictive Drums 2 - Producer Waffe

Ein interessanter Punkt an den XLN Audio Addictive Drums 2 ist, dass sie ohne feste Core-Library kommen und man sich als Käufer sein Arsenal an Drum-Samples aus über 20 Teil-Libraries selbst zusammenstellen kann. Die einzelnen ADpaks sind mit einem Umfang von 400 MB bis knapp 1 GB recht schlank und in Hinblick auf möglichen Realismus in etwa mit dem Toontrack EZdrummer 2 vergleichbar.

Der Punkt, der die Addictive Drums 2 zu unserem Gewinner in der Kategorie für Beat-Producer macht, ist das Workflow-Konzept, das an vielen Stellen mehr an Drum-Machines als an ein virtuelles Drumstudio erinnert. Die Software konzentriert sich eher auf einzelne Sounds (also Kicks, Snares, Hats etc.) als auf das Drumset als geschlossenes Instrument. Im Gegensatz zu den Produkten von Toontrack ist es hier recht problemlos möglich, Instrumente aus unterschiedlichen Libraries miteinander zu kombinieren, ohne größere klangliche Probleme oder ein ausgewachsenes Chaos im Mixer zu bekommen.

Als Basisausstattung unter den ADpaks sind Fairfax Vol 1 & 2 absolut zu empfehlen. Für das Metal-Beispiel wurde das United Heavy ADpak verwendet. Das offenere und jazzige Beispiel kommt dagegen vom Boutique Mallets ADpak, das offene Sounds enthält, die sowohl mit Mallets als auch mit Sticks eingespielt wurden.

XLN Audio Addictive Drums 2 – Pro und Contra

Die Addictive Drums 2 liegen in ihrer Bedienphilosophie recht nah am gewohnten Workflow eines Beat-Producers. Dank einer vielseitigen Effektsuite lässt sich der Klang stark bearbeiten und verfremden. Der Realismus liegt im Mittelfeld.

XLN Audio Addictive Drums 2 – eignen sich gut für

...alles, das nicht extrem realistisch klingen muss. Vor allem für hybride Drum-Tracks, in denen elektronische Sounds mit Samples von akustischen Instrumenten kombiniert werden, sind die Addictive Drums 2 eine hervorragende Wahl.

XLN Audio Addictive Drums 2 – eignen sich nicht so gut für

...die kompromisslos realistische Nachbildung akustischer Drums.

Steven Slate Drums 5.5 – beste Dose

Die Steven Slate Drums 5 bieten eine enorme Fülle von knapp 150 Presets (Version 5.5) und viele verschiedene Instrumente, die miteinander kombiniert werden können. Der Klang der vorhandenen Samples wirkt von Vornherein druckvoll und ist im Gegenzug nur begrenzt formbar.

In Hinblick auf den Realismus sind die Ergebnisse durchaus in Ordnung, aber noch weit entfernt vom überragenden Detailgrad des Toontrack Superior Drummer 3. Der Workflow bleibt auch bei umfassenderem Tweaking von Parametern flüssig. Wer die Software kennenlernen will, kann sich mit dem SSD 5.5 Free eine dauerhaft kostenlose Version mit einem einzelnen Kit herunterladen.

Steven Slate Drums 5 – Pro und Contra

Wer Rockmusik macht und druckvolle Drumsamples sucht, die durchaus authentisch wirken, der wird mit SSD 5 gut bedient. Die Library ist dank der vielen Instrumente flexibel, der Klang ist allerdings nicht so frei formbar und auch die allgemeine Funktionsvielfalt ist nicht so groß wie bei manch anderen virtuellen Drumstudios.

Steven Slate Drums 5 – eignen sich gut für

...alles, was rocken soll.

Steven Slate Drums 5 – eignen sich nicht so gut für

...das freie Gestalten eines eigenen Sounds oder betont „schmutzig“ klingende Tracks.

FXpansion BFD3 – Gut, aber alt

FXpansion BFD3 war lange Zeit ein großer Konkurrent des Toontrack Superior Drummer, konnte in den letzten Jahren aber kaum mit dessen stetiger Entwicklung mithalten. Grundsätzlich ermöglichen die „Big f***ing Drums“ ein flexibles Formen des Klangs und realistische Ergebnisse. Die ca. 55 GB große Core-Library kann zudem durch eine Vielzahl von Zusatz-Packs erweitert werden.

Ein Problem ist allerdings, dass schon die Core-Library selbst in sich recht uneinheitlich klingt und gleichzeitig keine klare Grenze zwischen teils sehr unterschiedlich aufgenommenen Instrumenten gezogen wird. Und auch beim Mixing und dem Hantieren mit vielen Parametern unterschiedlicher Trommeln und Becken kann der Workflow etwas holprig werden. Wer sich in die Software einarbeitet und die Sounds kennenlernt, kann aber zu überzeugenden Ergebnissen kommen.


FXpansion BFD3 – Pro und Contra

BFD3 ermöglicht realistische Ergebnisse und ein weitgehend freies Formen des Klangs. Leider fehlt es der sehr vielfältig klingenden Library an klarer Struktur und z. B. einer Abgrenzung zwischen stark vorbearbeiteten und naturbelassenen Sounds. Der Workflow ist an manchen Stellen gewöhnungsbedürftig.

FXpansion BFD3 – eignen sich gut für

...realistischen Drumsound in vielen Genres.

FXpansion BFD3 – eignen sich nicht so gut für

...überzeugende Drum-Tracks auf Knopfdruck.

NI Abbey Road Drummer/Studio Drummer – Drums für´n schmalen Taler

Dank des großen Erfolgs des überragend preiswerten Komplete-Pakets von Native Instruments haben die verschiedenen Abbey Road Drummer (50s, 60s, 70s, 80s, Vintage und Modern) sowie der Studio Drummer mittlerweile ihren Weg auf viele Studiorechner gefunden.

Da die Samples grundsätzlich sehr stark vorbearbeitet sind und die Libraries wenige alternative Instrumente bieten, ist die Flexibilität als verhältnismäßig gering einzustufen. Zudem mag sich trotz eines Umfangs von 6 bis 8 GB pro Library und eines eigentlich umfangreichen Sample-Pools nur ein begrenzt glaubhafter Realismus einstellen. Am überzeugendsten wirkt hier der Studio Drummer. Der Workflow innerhalb des Kontakt-Samplers ist in Ordnung.


NI Abbey Road Drummer/Studio Drummer – Pro und Contra

Als Teil von NI Komplete stellen die unterschiedlichen Abey Road Drummer sowie der Studio Drummer für viele Anwender bereits bestehende Optionen dar. Realismus und Flexibilität sind verglichen mit der spezialisierten Konkurrenz allerdings etwas begrenzt.

NI Abbey Road Drummer/Studio Drummer – eignen sich gut für

...Song-Layouts in unterschiedlichen Genres.

NI Abbey Road Drummer/Studio Drummer – eignen sich nicht so gut für

...realistischen Drumsound mit persönlicher Note.

Die beste Drum-Libary ?!

Die Frage nach der besten Drum-Libary lässt sich nicht eindeutig beantworten, sondern steht immer auch in Abhängigkeit vom jeweiligen Anwender, seinen Ansprüchen und seiner gewohnten Arbeitsweise. Wer Wert auf Realismus und Flexibilität legt, der kommt kaum am Toontrack Superior Drummer 3 vorbei. Schnelle und gute Ergebnisse lassen sich dagegen sehr elegant mit dem Toontrack EZdrummer 2 (ideal für Songwriter) oder auch den XLN Audio Addictive Drums 2 (ideal für Beat-Producer) umsetzen. Die Steven Slate Drums 5.5 punkten dagegen mit massenweise fett und druckvoll klingenden Kits, und selbstverständlich bieten auch in die Jahre gekommene Kandidaten wie FXpansion BFD3 oder die Drum-Libaries von Native Instruments durchaus funktionale Lösungen zum Erzeugen von akustischen Drum-Tracks.

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