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10
17.12.2019

Die besten Max for Live Devices

Alternative Instrumente, Plugin-Effekte und MIDI-Sequencer

Sounddesign deluxe für Ableton Live 10!

Wer sich einmal in die Welt der Max-for-Live-Devices begibt, kommt, ähnlich wie bei der Reaktor-User-Library, aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die Community platzt vor Kreativität und ausgefallener Ideen. Von Gestensteuerung über die Webcam eures Laptops, über „euklidische“ MIDI-Sequencer bis hin zum „Pong“-Spielen auf dem Push gibt es wenig, was noch niemandem eingefallen zu sein scheint. Es muss aber auch nicht immer so abgedreht sein, denn bereits die normalen MIDI-Sequencer, Synthesizer, Sampler und Effekte bieten viele Funktionen, die den Producer-Alltag erleichtern. 

Was genau ist eigentlich „Max for live“? – ganz einfach: eine Schnittstelle zwischen Ableton Live und der Programmierungsumgebung Max 8. Ähnlich wie in Reaktor kann man in Max 8 eigene Instrumente und Effekte programmieren und das auf eine sehr visuelle Art und Weise mit „Bauteilen“, die man (stark vereinfacht gesagt) virtuell miteinander verkabelt. Ableton hat den Hersteller von Max 8, Cycling74, vor einigen Jahren gekauft und mit dessen Zusammenarbeit schließlich Max for Live entwickelt. So lassen sich, insbesondere in Live 10, alle in Max 8 entwickelten Devices nahtlos in Live testen – und, falls man sich ran traut, auch nach eigenem Gusto bearbeiten und verändern.

Was ist in Ableton Live bereits dabei?

In der Suite-Version ist direkt nach der Installation der dazugehörigen Packs praktischerweise gleich eine erste Auswahl an Max-for-Live-Devices installiert. Im Reiter „Max for Live“ gibt es Instrumente, Audio- und MIDI-Effekte. Bei den Instrumenten sind standardmäßig die Instrumente „DrumSynth“, „Bass“ und „Poli“ mit dabei – vorausgesetzt, ihr habt das Pack „Max for Live Essentials“ bereits installiert. Alle drei haben ihre eigenen Einsatzgebiete: Im DrumSynth lassen sich hervorragende Kicks und Hihats erzeugen, während Bass und Poli einfach gestrickte Softsynths sind und jeweils ihre eigenen kleinen Besonderheiten mitbringen (z. B. Ringmodulation, ordentlich analog klingende Filter). Der große Star ist aber der „LFO“, den ihr unter den Audioeffekten der „Max for Live Essentials“ findet.

So gut wie jeder Parameter jedes Instruments und Effekts lässt sich mit diesem LFO modulieren. Für das Sounddesign in Ableton Live gibt es kaum ein besseres Werkzeug, um ordentlich Chaos und Bewegung in die Sounds zu bringen. Beim Rest der mitgelieferten M4L-Devices tut sich vor allem einer hervor: Convolution Reverb Pro. Der Convolution Reverb Pro gehört zur Gattung der Faltungshall-Plugins. Zwar kann er weder dem Altiverb noch dem Space Designer in Logic Pro-X das Wasser reichen, was die Qualität der Impulsantworten und die Einstellungsmöglichkeiten betrifft, aber er bringt eine große Anzahl an Impulsantworten mit, kann externe Impulsanworten importieren und ist ressourcenschonend.

Outside the box

Sobald ihr über den Max-for-Live-Tellerrand schauen wollt, führt kein Weg an der Community auf maxforlive.com vorbei, von wo aus ihr aus über 4.000 kostenlosen Devices auswählen könnt. Wem das anfangs zu viel oder zu unübersichtlich erscheint, der kann auch erst mal bei Ableton selbst im Webshop bei den Max-for-live-Packs stöbern. Hier seien vor allem die Packs „Max 7 Pitch and Time Machines“ und „CV Tools“ erwähnt. Ein Device im ersten Pack heißt augenzwinkernd „Autotuna“ und schickt sich an, dem Branchenprimus „AutoTune“ ein wenig nachzueifern.

CV (Controlled Voltage) lässt vor allem Fans von Modularsynthesizern aufhorchen. Mit dieser Steuerspannung wird bei den schrankwandgroßen Synthesizern fast alles gesteuert: vom Pitch über Rhythmen und Geschwindigkeiten von Sequencern bis hin zu Modulationen. Mit dem „CV Tools“-Pack bekommt ihr von Ableton aus eine Möglichkeit, MIDI- und Automationsdaten aus Ableton so umzuwandeln, dass ihr sie – ein entsprechendes Interface vorausgesetzt – zum Ansteuern und Abspielen eures Modularsynths nutzen könnt. Oder ihr steuert mit einem Sequencer eures Racks eine Spur in Ableton an – alles möglich mit den zehn Devices.

Wer sich dann doch mal in die Welten der Community und Nerds begibt, wird mit abgefahrensten Devices belohnt. Fangen wir mal ganz einfach an: „College Dropout“ ist beispielsweise ein sehr ordentlicher Tape-Stop- und Vintage-Effekt, der die Herzen aller Lo-Fi-Fans höher schlagen lassen sollte. Ihr könnt beispielsweise bestimmen, ob es ein Tape-Stop wird, ein Vinyl-Stop oder sogar ein Failure (beides); auch wie oft und mit welcher Wahrscheinlichkeit lässt sich bestimmen. Wer weiter stöbern möchte, dem seien vor allem die vielen MIDI-Devices als Einstieg empfohlen.

Kommerzielle Max-for-Live-Devices

Grundsätzlich muss man sagen, dass die Messlatte, die die kostenlosen Devices der Community gelegt haben, sehr hoch ist. Aber die nun folgenden Instrumente und Effekte legen mindestens eine, wenn nicht sogar mehrere Schippen an Komplexität drauf.

Sonic Bloom CatStretch3

Ob Tutorials, Max-for-Live-Devices oder Artikel auf ihrer Webseite www.sonicbloom.net, Madeleine Bloom lebt Ableton. Unter dem Label „Max for Cats“ vertreibt sie auf ihrer Seite eine Vielzahl an Instrumenten und Effekten, die sehr komplexe Sounds und Modulatioen erlauben. Beispielhaft – und weil es am neusten ist – empfehlen wir euch „CatStretch 3“: ein „sechsstimmiges polyphones Time-Stretching-Sample-Wiedergabe-Instrument“, das den Import und die Verarbeitung von eigenen Samples genauso erlaubt, wie es fertig Sounds mitbringt. Dazu verfügt es über ungewöhnliche Features, wie ein Spektralfilter, in dem ihr eigene Filterkurven zeichnen und erzeugen könnt, oder einen Grain-Effekt. Was man damit alleine mit einem kleinen Klavierloop an Sounds rausholen kann, ist einzigartig. 

Preis: 30 EUR

Isotonik Factorsynth

Isotonik ist im Vergleich zu vielen einzelnen M4L-Schmieden eher eine Plattform für kleine Entwickler  zur eigenen Softwareherstellung. Was sich dort an Instrumenten und Effekten versammelt, schöpft die Möglichkeiten von Max 8 bis aufs Letzte aus.

Der „Factorsynth“ ist beispielsweise ein auf einem KI-Algorithmus basierender Effekt, der es schafft, das Audiomaterial eines Drumloops einzulesen und dieses dann nach Instrumenten aufzuteilen, ähnlich wie Looperator oder Regroover – also einfach mal den nervigen Snaresound aus dem Jazz-Drumloop rausrechnen, ohne kompliziert schneiden zu müssen, oder einfach die Kick im Loop mal wie die Snare klingen lassen, oder, oder... Factorysynth macht das alles über eine sehr zugängliche und intuitive Oberfläche und lädt zum Spielen ein. 

Preis: 65,44 EUR

K-Devices EXT3

Wer sich in die Welt von Max for Live wagt, kommt in Ableton Live meist als erstes mit dem LFO-Device in Berührung. Eine tolle Sache, denn Fast jeder Parameter eines jeden Effekts oder Instruments lässt sich dadurch modulieren. Wie hört sich das an, wenn eine Rechteckwelle den „Drive“-Parameter im Filter von Wavetable im Achteltakt bewegt? Welche Effekte sind zu hören, wenn eine Sinuswelle den Feedback-Regler im Echo-Delay-Effekt moduliert? Standardwellen werden dann nämlich schnell langweilig – Auftritt „EXT3“ von K-Devices.

Der Softwarehersteller hat eine ganze Reihe von Modulatoren und MIDI-Randomizern im Programm, die hervorragend fürs Sounddesign geeignet sind. „EXT3“ ist da nicht anders. Verschiedenste Rhythmen, Intensitäten und Zählzeiten machen aus dem Device einen Step-Sequencer over-the-top. Schon mal mit einem langsam ansteigenden Drei-Achtel-Rhythmus die Release-Zeit eines Kompressors moduliert?

Preis: 19 EUR

Chainshaper

Sidechaining ist als Werkzeug, um Kick und Bass sauber voneinander zu trennen, nicht mehr aus dem Alltag von EDM- und Hip-Hop-Producern wegzudenken. Kompressor auf den Bass, Kick per Side-Chain einschleifen – und schon duckt sich die Basslinie. Oder eben das typische, sehr prägnante Pumpen auf Synth-Flächen. Oft ein Problem beim Kick/Bass-Side-Chaining: Das Basssignal wird vom Side-Chain-Signal komplett gedrückt, und zwar nicht nur die tiefen Frequenzen, die mit der Kick kollidieren. So verschwinden schöne Mitten oder definierende Höhen.

Chainshaper ist ein Max-for-Live-Device, das quasi drei Sidechainer in einem beinhaltet: Bass, Mitten und Höhen. Und dabei lässt sich jeder Bereich anders einstellen. Ihr könnt z. B. bestimmen, wie stark auf das Side-Chain-Signal reagiert werden soll oder wie genau die Ducking-Kurve verlaufen soll – sehr nützlich! 

Preis: 30 US-Dollar (ca. 27 EUR)

Skinnerbox Time and Timbre 2.0

Alles aufzulisten, was im „Time & Timbre 2.0“ enthalten ist und was ihr damit alles machen könnt, würde einen eigenen Artikel füllen. Deswegen hier die Highlights: Der „TimeSting“-Device ist ein MIDI-Device, den ihr vor ein Instrument packt. Dann, fast schon magisch, fängt das Device automatisch an, eine Melodie auf eurem Instrument zu spielen. Gefällt euch die nicht, genügt ein Klick auf den süßen, großen Smiley in der Mitte und schon spuckt es eine neue Idee aus.

Außerdem gibt es das „sbx 2040“-Device, ein sehr komplexer DrumSynth inklusive Patterngenerator, vier LFOS und 33 Presets. Die spielen, genau wie der „TimeSting“-Device, sofort los, wenn ihr Play drückt – fast wie echt Mitspieler. 

Preis: 49 EUR

MidiVolve

Midivolve des britischen Musikerduos Coldcut treibt das Mit-der-Maschine-Musikmachen auf die Spitze. An der Oberfläche ist das Device Step-Sequencer und Arpeggiator zugleich. Wenn ihr es vor ein Instrument packt, spuckt es der Sequenz entsprechende Melodien und Arpeggios aus. Nicht nur Notenwerte, Notenlänge und Anschlagstärke können im Sequencer variiert werden, sondern ihr könnt auch noch zwei Parameter aus eurem Instrument mit dem programmierten Rhythmus steuern (den Filter-Cutoff und das Panning, zum Beispiel). Das ist schon ganz ordentlich.

MidiVolve hat dazu aber eine Funktion, die es zur echten Inspirationsquelle macht. Es kann das programmierte Pattern über den „Evolve“-Button stückweise weiterentwickeln und verändern. Ist dazu die Autofunktion aktiviert, reichen drei, vier Noten und ihr bekommt minutenlang sich weiterentwickelnde Melodien und Arpeggios. Gerade, wenn ihr mit einer Melodie oder Basslinie nicht weiterkommt, kann so ein Device eine echte Kompositionshilfe sein. 

Preis: 39 EUR

Beatseeker

Der „Beatseeker“ bringt eine Funktion in Ableton Live, bei der viele nicht-klickaffine Drummer jubeln werden: Er zwingt Ableton das Tempo und die Schwankungen des Drummers auf. Grundsätzlich kann das natürlich auch mit jedem anderen Instrument gemacht werden, aber je weniger Transienten im Steuersignal sind, desto schwerer wird es Beatseeker auch haben. Nimmt man ein einigermaßen stabilen Schlagzeuger also als Metronomvorbild, braucht man mit dem Beatseeker nicht viel mehr als ein Mikrofon, einen separaten Signalweg und eine Audiospur in Ableton.

Preis: 24 EUR

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