Feature
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11.10.2020

Controller für Reason Studios Reason 11

Universelle MIDI-Keyboards und DAW-Controller für die intuitive Modular-DAW

Vom kleinen DAW-Controller zum großen MIDI-Keyboard: Die komplette Fernsteuerung des Urgesteins aller DAWs

Reason 11 ermöglicht einen modernen Produktionsworkflow mit der DAW. Und mit den richtigen Controllern und MIDI-Keyboards wird er sogar noch schneller. Ziel sollte es dabei immer sein, weniger Maus und Tastatur zu nutzen und weniger auf den Bildschirm zu schauen. Welche kleinen DAW-Controller und welche großen MIDI-Keyboards bei der Verwendung von Reason dabei am besten geeignet sind, lest ihr in diesem Feature. 

Reason hatte schon immer einen Sonderstatus in der Welt der DAWs. Soundtechnisch war die DAW immer ganz vorne dabei, während Workflow und Bedienoberfläche eher esoterisch anmuteten. Lange schien der Hersteller sich in seiner Nische wohlzufühlen, ließ keine VST-Plugins rein, keine seiner Instrumente raus und wedelte mit dem ReWire-Protokoll vor den Nasen der anderen DAWs herum. Doch in den letzten Jahren hat sich viel getan: ReWire ist Geschichte, VSTs sind in Reason ladbar und die DAW selbst als Plugin nutzbar. Und so ist es auch konsequent, dass die Zahl der Controller und Keyboards wächst, mit denen sich nicht nur einfach MIDI-Noten spielen lassen, sondern mit denen Reason sich auch zunehmend fernsteuern lässt. 

Denn das Gebot der Stunde bei Controllern ist es, den Workflow in einer DAW so zu erleichtern, dass man immer weniger auf lange Mausfahrten und mühseliges Einklicken angewiesen ist. Und das ist bei Reason mit seinen drei Arbeitsbereichen Sequencer, Rack und Mixer im Vergleich zu traditionelleren DAWs wie Logic oder Cubase manchmal eine echte Herausforderung.

#1: Nektar Panorama T4 und T6 und Reason 11

Die T-Serie der beliebten Panorama-Keyboards von Nektar ist, was den Zugriff auf Funktionen in der DAW und individuelle Plugins betrifft, einen vorbildlichen Weg gegangen. Mit der Nektarine-Schnittstelle gibt es einen, der Idee der Komplete Kontrol Software von Native Instruments nicht unähnlichen Ansatz. Ihm liegt die Idee zugrunde, zwischen Plugin und Controller quasi noch eine Softwareebene zu schalten, mit der sich die Bedienung dann einfacher gestalten lässt.

KEIN CONTROLLER FUNKTIONIERT MIT SO VIELEN DAWS WIE DER NEKTAR PANORAMA

Einrichtung von Nektar Panorama T4 und T6 in Reason 11

Bevor man das Panorama überhaupt anschließt, empfiehlt es sich, bei Nektar auf der Webseite einen Account anzulegen und das Gerät zu registrieren. Nicht nur, dass man anschließend die neuesten Versionen der „Nektarine“-Software und eventuelle Firmware-Updates bekommt, sondern es gibt je nach ausgewählter DAW auch Skripte, die die Anbindung erleichtern – so auch für Reason. Nach der Installation ist es außerdem ratsam, einmal die Stand-alone-Version von Nektarine zu starten und das System in den „Settings“ nach vorhandenen Plugins zu scannen. So spart man sich nerviges Warten und eventuelles Stocken, wenn es dann in die DAW geht.

DAW-Steuerung von Reason 11 mit Nektar Panorama T4 und T6

Kaum ein Controller ist so gut verzahnt wie der Panorama. Von simplen Transport-Funktionen, über das Verstellen JEDES Details eines Instruments, den nahtlosen Übergang in den Mixer bis hin zum Spurwechsel und „Undo“ auf Knopfdruck ist alles dabei – da bleiben wenig Wünsche offen. Wechselt man übrigens in den Mixer-Modus, werden sofort acht Fader im Mixer mit den acht Fadern am Controller verbunden. Außerdem lässt sich per Knopfdruck (auf „View“) auswählen, ob gleichzeitig alle drei Bereiche (Mixer, Racks und Sequencer) oder nur ein einzelner sichtbar sein soll.

Plugin-Steuerung mit Nektar Panorama T4 und T6 unter Reason 11

An die Nektarine-Software erinnert im Reason-Sounduniversum erst einmal nichts. Alle internen Instrumente und Effekte brauchen diese Schnittstelle auch gar nicht. Die vorgefertigten Mappings sind bei allen Reason Effekten und Instrumenten gut umgesetzt. 

Es lassen sich einzelne Sounds in Reason bzw. Oszillatoren verändern oder es lässt sich auf Knopfdruck zwischen Presets hin- und herschalten. Sehr gut! Geht es doch einmal in die Welt der externen Plugins kommt dann wieder Nektarine in Spiel.Hat man die Software einmal vorher gestartet und alle installierten Plug-ins scannen lassen, sind bei vielen die wichtigsten Parameter automatisch mit dem Panorama verbunden und lassen sich sofort fernbedienen.

Mit dem Nektar Panorama steuert man Reason damit am besten!

#2: Novation SL49 und SL61 MK3 und Reason 11

Kaum ein Controller-Hersteller hat so viele Varianten und ist so verbreitet wie Novation. Die große SL-Serie, die seit gut zwei Jahren in der dritten Ausführung MK3 auf dem Markt ist, ist vor allem etwas für alle, die ALLES von einem Controller aus steuern wollen. Potis, Fader, Pads, Funktionstasten und Makros – das SL49 MK3 und seine großen Brüder sind echte Funktionsmultitalente – und damit für Reason 11 hervorragend geeignet. Ob Plugins, DAW-Funktionen oder sogar Synthesizerhardware über die MIDI-Buchsen und die CV-Buchsen steuern – mit der SL-Reihe alles möglich.

PERFEKT FÜR LEUTE MIT VIEL HARDWARE

Einrichtung von Novation SL49 und SL61 MK3 und Reason 11 

Auf der Support-Seite von Novation gibt es für die SL-Reihe erfreulicherweise ein bereits fertig verknüpftes Mapping zum Download. Damit entfällt nach der Installation das mühselige händische Verknüpfen aller Parameter mit dem Controller. Dazu gibt es für Windows-Systeme auf der Novationseite auch noch einen eigenen USB-Treiber. Mac-Systeme brauchen diesen nicht. Die Installation in Reason danach selbst ist denkbar einfach: In den Einstellungen den Controller automatisch erkennen lassen oder manuell hinzufügen, schon kann Reason fernbedient werden.

DAW-Steuerung von Reason 11 mit Novation SL49 und SL61 MK3

Nach der Installation des Reason-Controller-Layouts und dem Einrichten in Reason 11 ist man schnell startklar. Je nachdem, in welchem Modus und in welchem Bereich von Reason man sich befindet, lässt sich etwas anderes fernsteuern. Die Transporttasten rechts starten und stoppen das Abspielen, sobald der Controller im „InControl“-Modus ist. Die acht Fader ändern entweder Parameter in dem jeweils fokussierten Instrument oder die Lautstärke im Mixer. Die sechzehn Pads über den Fadern springen zu verschiedenen Bereichen im jeweiligen Reasoninstrument. Über „Track“ wechselt man auf die nächste Spur. Weil es sich immer noch um eine eher mauslastige DAW handelt, bei der es einiges gibt, was nicht per Tastenkombination zu erreichen ist, gibt es auch hier immer wieder Momente, in denen man um längere Klickstrecken nicht herumkommt.

Plugin-Steuerung mit Novation SL49 und SL61 MK3 unter Reason 11

Wie erwähnt sind aufgrund des Controller-Layouts bereits viele Funktionen der Instrumente und Effekte mit dem SL verknüpft. Bei Kong, der Drum Machine in Reason, ist beispielsweise jeder der sechzehn Sounds über die großen Pads auswählbar. So können die Sounds über die acht Potis darüber weiter verändert werden. Außerdem kann man bei allen Synths aus Reason das Preset auf dem SL mit den runden Pfeiltasten wechseln. Der Stepseqencer von Thor kann unerwarteter Weise nicht über die großen Pads in der Mitte, sondern über die sechzehn kleinen oberhalb der Fader gesteuert werden.

Einzelne Regler eines Effekts oder Instruments, die nicht auf Anhieb zugewiesen werden, werden über einen Rechtsklick auf einen beliebigen Regler zugeteilt. Dazu muss der Befehl „Remote Override-Zuordnung bearbeiten“ gewählt und der gewünschte Regler auf dem Controller bewegt werden. Auch bei externen Plugins funktioniert das so. Lädt man beispielsweise „Analog Lab 4“, die mächtige Sammlung an emulierten Synthsounds von Arturia, und möchte einen der Fader mit dem entsprechenden Fader auf dem Controller fernsteuern, muss oben im Plugin-Fenster lediglich „Remote“ aktiviert und dann der eben erwähnte Befehl „Remote Override Zuordnung bearbeiten“ ausgewählt werden. 

Das Novation SL ist somit gut für Reason geeignet – und fühlt sich auch am hochwertigsten an – ganz so komfortabel, sprich automatisch zugewiesen, wie das Nektar Panorama ist aber nicht. Platz 2.

#3: Native Instruments Komplete Kontrol und Reason 11

Die große S-Serie der Komplete-Kontrol-Keyboards von Native Instruments gibt es mittlerweile in der zweiten Auflage. Neu hinzugekommen sind vor allem große Bildschirme auf dem Controller, die in Verbindung mit dem gleichnamigen Plugin die Navigation durch die Libraries und Plugins von NI erleichtern. Die neue Budgetversion M32 setzt, was Große und Ausstattung betrifft, in einem ganz anderen Segment an. Hier richtet man sich vor allem an Einsteiger:innen und alle die, die vor allem mobil produzieren. Ein großes S61-Schlachtschiff lässt sich schwer im Rucksack transportieren, die kleine M32 ohne Probleme.

Einrichtung von Native Instruments Komplete Kontrol in Reason 11

Die Einrichtung ist hier tatsächlich etwas anders, als bei den anderen Controllern. Weder die Keyboard-Varianten, noch eine der Maschine-Controller werden von Reason automatisch erkannt oder auf der Liste der Hersteller aufgeführt. Um Die Keyboards überhaupt in Reason nutzen zu können, braucht es ZWEI Controller, die in den Einstellungen hinzugefügt werden müssen. Zuerst wird ein ganz normales „MIDI Control Keyboard“ aus der Kategorie „Other“ hinzugefügt, mit dem MIDI-Eingang „...Anschluss 1“. MIDI-Noten lassen sich spielen, in der Komplete-Kontrol-Plugin-Instanz lassen sich auch alle Funktionen fernsteuern. Um nun aber die DAW auch starten und stoppen zu können, braucht es noch einen zweiten Controller: „Control“ von Mackie. Das ist eigentlich ein Steuerprotokoll (MCU) und kein Gerät und die Native Controller unterstützen es seit einem der letzten Updates.

DAW-Steuerung von Reason 11 mit Native Instruments Komplete Kontrol

Und damit ist die grundsätzliche Steuerung von Reason dann auch möglich. „Start“, „Stop“ und „Rec“ funktionieren. Nützliche Funktionen wie „Loop“, „Mute“ oder „Solo“ verweigern leider ihre Funktion. Das generelle Mapping, also das Verknüpfen von Funktionen in Reason mit Controllern, läuft immer über den Rechtsklick auf die Funktion und mit dem anschließenden Auswählen des Befehls „Remote Override-Zuordnung bearbeiten“. Auch die kleineren A- und M-Reihen brauchen diese Zusatzinstallation. Sie erlauben dann das Starten und Stoppen in der DAW, weitere Funktionen wie Mute, Undo oder Loop bleiben jedoch außen vor.

Plugin-Steuerung mit Native Instruments Komplete Kontrol unter Reason 11

Alles innerhalb der NKS-Welt ist ein Genuss, egal in welcher DAW man arbeitet. So auch in Reason. Sobald man eine Instanz von Komplete Kontrol in das Rack geladen hat, kann man sich quasi solange von Maus und Tastatur verabschieden, bis es wieder an die anderen Instrumenten, also Reason intern oder andere PLugins ohne NKS, geht. Sounds auswählen, Parameter verändern, Effekte laden – das alles geht nur mit händischen Mappings und ist damit unkomfortabel. 

Wie erwähnt, erfolgt das manuelle Mapping bei den internen Plug-ins über einen Rechtsklick auf den Regler und der Auswahl der „Remote Override-Zuordnung bearbeiten“-Funktion im geöffneten Menü. Bei externen Plug-ins muss erst noch der "Remote"-Button oben im Plug-in Fenster aktiviert werden. Einfach ist anders …

Nützliche Komplete-Kontrol-Funktionen wie der eingebaute Arpeggiator oder die Scale-Funktion, die auf Knopfdruck leitereigene Akkorde auf die Die Tasten legt, bleiben ebenfalls den Instrumenten in Komplete Kontrol vorbehalten. Und so sind alle drei MIDI-Keyboard-Serien von Native zwar sehr solide gebaute Controller, bieten aber für das "normale Steuern von Plugins", abseits von NKS, keine Sonderfunktionen an.

#4: Novation Launchpad Mini mk3, Launchkey Mini Mk3 und Launchpad X in Reason 11

Für viele ist der Einstieg in die Welt der Controller mit den Riesen-Controllern, wie den großen Komplete-Kontrol-Geräten oder der dicken SL-Serie von Novation, nichts. In dem Fall sind die vielen MINI-Ausführungen, die alle großen Hersteller im Programm haben, besser geeignet. Novation hat hierfür viele Varianten und immer wieder Neuauflagen veröffentlicht.

Wer nur einen simplen Controller sucht, um vor allem Rhythmen einzutrommeln oder Akkorde zu klimpern, der ist mit diesen kleinen Ausführung unter Umständen besser bedient. Das Launchkey Mini bringt Pads, Potis und Tasten mit, hat also schon grundsätzlich einiges abgedeckt. Winzling Launchpad Mini und seine großen Büder Launchpad X und Pro dagegen sind tendenziell eher auf den Session-Workflow von Ableton Live gemünzt.

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Einrichtung von Novation Launchpad Mini mk3, Launchkey Mini Mk3 und Launchpad X in Reason 11

Für alle drei Controller gibt es auch hier für Windowssysteme den hauseigenen USB-Treiber. Außerdem sei noch auf „Components“ hingewiesen. Eine Webseite von Novation, die automatisch den angeschlossenen Controller erkennt, neue Layouts und Firmware-Updates aufspielen kann. 

Das Erstellen von eigenen Layouts ist vor allem bei Launchkey X und Launchkey Pro MK3 wichtig, um deren Möglichkeiten, die Eine Padreihe oder -spalte als Faderersatz zu nutzen zu aktivieren. Auf der Components-Seite gibt es einige vorgefertigte Layouts, eigene zu erstellen und aufzuspielen ist aber ein Kinderspiel. Mal eben eine Mischung aus vier Fadern, einem Chromatischen Keyboard, vier einzelnen MIDI-CC-Pads zur Aktivierung von Effekten und einem Keyboard mit festeingestellter Tonart zusammenzustellen, ist per Drag n‘ Drop ein Leichtes. 

Für das Launchkey Mini gibt es dazu wie für die große SL-Reihe noch ein eigenes Skript, das dem Controller bereits viele Funktionen und Regler in Reason zuweist. 

In Reason lässt man beim Launchkey Mini die automatische Erkennung in den Controller-Optionen ihre Arbeit tun, die drei Launchpads funktionieren alle direkt nach dem Anstecken.

 

DAW-Steuerung von Reason 11 mit Novation Launchpad Mini, Launchkey Mini Mk3 und Launchpad X

Das etwas umfangreichere Launchkey Mini ist, was den Zugriff auf Funktionen in Reason betrifft, gar nicht so weit weg vom großen SL. Mit dem Skript lassen sich in Reason dann automatisch Spuren wechseln, Presets tauschen, Abspielen und Stoppen und mit einem eingebauten Arpeggiator sogar automatische Rhythmen erzeugen. Klar, ohne komfortable Bildschirme, die alles anzeigen, wird es manchmal etwas zum Ratespiel, was man gerade fernsteuert, aber mit der Zeit legt sich das. 

Bei den Launchpads ist je nach Dicke von Fingern und Portemonnaie zwar das Spielgefühl ein anderes, die Steuerung von Reason aber ähnlich. Ohne Mauseinsatz kann man Aufnehmen und Abspielen starten und stoppen, nach erfolgter Zuweisung auf ein entsprechendes Layout (siehe Einrichtung Launchpads) Fader, Pan-Potis oder Instrumenten-Parameter mit den Fader-Layouts steuern und nach etwas Einarbeitung bereits Einiges in Reason fernsteuern.

 

Plugin-Steuerung mit Novation Launchpad Mini, Launchkey Mini Mk3 und Launchpad X unter Reason 11

Gerade der Arpeggiator und das Presetwechseln auf Knopfdruck vom Launchkey Mini und die Sequencer-Möglichkeiten beim Launchpad Pro MK3 laden ein zu breiten Akkorden, verschachtelten Melodien und Sounddeshn. Dazu sind im Launchkey Mini über das Skript immer schon die wichtigsten Funktionen auf die acht Potis verteilt und eingestellt und können damit blitzschnell automatisiert werden. Die Zuweisung von Funktionen bei externen Plug-ins erfolgt ähnlich wie bei der SL-Reihe erwähnten Reihenfolge: Oben im Plug-in Fenster auf „Remote“, gewünschten Parameter im Plug-in anklicken, Poti am LaunchKey drehen, fertig. Bei den Launchpads lassen sich auf die gleiche Art Plug-in-Parameter auf die oben beschriebenen Fader-Zeilen (oder -spalten) legen.

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