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28.10.2021

Die besten Audio-Interfaces für Youtuber & Co. (2022)

Kauf-Ratgeber für Content Creator / Pod- und Videocaster

Das richtige Audio-Interface für Sprecher im Heimstudio

Wer sich als Youtuber / Podcaster / Content Creator Gehör verschaffen will, der kann sich durch eine professionelle Klangqualität klar von der Masse absetzen! Günstige USB-Mikrofone liegen in diesem Bereich zwar voll im Trend. Die Verwendung eines dedizierten Audio-Interfaces in Kombination mit einem hochwertigen Studio-Mikrofon kann die Qualität der Ergebnisse dagegen auf ein ganz anderes Level heben und sorgt zusätzlich für Flexibilität (siehe: "Warum USB-Mikrofone schlechter sind als klassische XLR-Mikros"). Wenn mehrere Mikrofone verwendet werden sollen, etwa für Interviews, dann ist ein entsprechend ausgestattetes Audio-Interface sogar nahezu unverzichtbar.

GENERELLE ÜBERLEGUNGEN

Welche Ein- und Ausgänge sind wichtig?

Für das Erstellen von Youtube-Videos ist die wesentliche Aufgabe eines Audio-Interfaces, die passende Anzahl von Mikrofoneingängen bereitzustellen. Wer nicht plant, Gäste einzuladen oder Interviews zu führen und dabei mehrere Mikrofone zu verwenden, dem reicht ein einzelner dieser Audio-Eingänge aus. So lässt sich beispielsweise ein auf Sprache und Gesang optimiertes Großmembran-Kondensatormikrofon anschließen, die eventuell zum Betrieb nötige Phantomspeisung bereitstellen und der Pegel so weit verstärken, dass eine möglichst optimale AD-Wandlung erfolgen kann. Für eine größere Anzahl von Beteiligten erhöht sich natürlich auch die Anzahl der benötigten Mikrofonvorverstärker (…und ist aus Gründen der Investitionssicherheit keine verkehrte Überlegung). "Line"-Eingänge werden dagegen nur dann benötigt, wenn analoge Singale aus externen Wiedergabegeräten aufgenommen werden sollen, was beim Youtubing eher selten der Fall ist. Aber vielleicht verwendet ihr ein Keyboard als Jingle-Player o.ä.

In Hinblick auf weitere Schnittstellen sind die Ansprüche beim Recording von Podcasts äußerst gering. Nahezu jedes Audio-Interface bietet einen Main-Out zum Anschluss aktiver Nahfeldmonitore und einen Ausgang für Studio-Kopfhörer. Weitere digitale Schnittstellen wie ADAT, S/PDIF, AES/EBU oder auch ein MIDI-Port werden schlichtweg nicht benötigt. Und auch beim Anschlussformat an den Computer kann man getrost auf teurere Thunderbolt- oder USB-3.0-Interfaces verzichten und sich mit dem vollkommen ausreichenden USB-2.0-Protokoll zufriedengeben. Wer viel im Außeneinsatz unterwegs ist, kann jedoch darauf achten, dass sich ein Interface über den Bus mit Strom versorgen bzw. ohne weiteres Netzteil betreiben lässt.

Die Vorverstärker in günstigen Audio-Interfaces bieten oftmals eine Maximalverstärkung von nur 50 dB oder weniger. Bei der Verwendung eines Kondensatormikrofons für Sprachaufnahmen aus nächster Nähe ist das in der Regel vollkommen ausreichend. Wer allerdings plant, ein dynamisches Mikrofon zu verwenden (z.B. das gerne von Sprechern verwendete Shure SM7B) und dabei mit einem gewissen Abstand arbeiten möchte, der sollte sich für ein Interface mit potenteren Preamps entscheiden.

USB-Mikrofone – ja oder nein?

Bei einem USB-Mikrofon handelt es sich im Grunde um ein Mikrofon mit integriertem Audio-Interface und Vorverstärker. Dass alles in einem einzelnen Gehäuse steckt, ist natürlich praktisch und macht das Handling denkbar unkompliziert: Man verbindet das Mikro ganz einfach mit einem USB-Port seines Rechners und kann direkt loslegen, ohne sich viele Gedanken über einzelne Komponenten und den Signalfluss zu machen. 

Gerade bei der Aufnahme von Youtube-Videos stellt es in der Regel kein Problem dar, dass das Monitoring (also das Mithören während der Aufnahme) in vielen Fällen nicht befriedigend umsetzbar ist, denn darauf kann man beim Sprechen meist verzichten. Ein eindeutiger Kontrapunkt ist dagegen, dass USB-Mikrofone häufig für den Low-Budget-Bereich konzipiert werden, wodurch es Abstriche bei der Qualität der Komponenten gibt, unter denen letztendlich auch der Klang leidet. Wer sich eingehender mit diesem Thema beschäftigen möchte, kann einen Blick auf unser Feature zum Thema Nachteile von USB-Mikrofonen werfen. Einen Überblick zu ausgewählten Modellen gibt es in unserem Kaufberater USB-Mikros. Und auch unser Kaufberater Podcasting ist zum Thema Zubehör hoch interessant.

UNSERE EMPFEHLUNGEN

Stark und preiswert: Audient iD4 MKII

Eine wesentliche Eigenschaft der iD-Serie von Audient ist, dass in allen Ausbaustufen die hochwertigen Mikrofonvorverstärker aus den großen Konsolen des britischen Herstellers verbaut werden. Dies gilt auch für das kleine Audient iD4 MKII, ein kompaktes USB-3.0-Interface (USB-C), das einen internen Preamp mit bis zu 58 dB Gain an Bord hat. Ein komfortables Extra ist, dass der großzügig dimensionierte Lautstärkeregler nicht nur den Pegel am Main-Out und den beiden Kopfhörerausgängen regelt, sondern auch als Controller dienen kann. So lässt sich in einer DAW-Software nahezu jeder Parameter steuern, der mit dem Mauszeiger angefahren wird. Das Interface ist zudem nicht nur mit Windows 10 und macOS, sondern auch mit iOS kompatibel.

Unsere Empfehlungen

Daran, dass das Audient iD4 vollständig auf digitale Schnittstellen verzichtet, wird man sich als YouTuber oder Podcaster kaum stören. Freuen darf man sich dagegen über den ausgesprochen günstigen Preis und die hochwertige Verarbeitung des kompakten Kästchens, das sich vollständig bus-powered und ohne weiteres Netzteil betreiben lässt. In Hinblick auf Software sind unter anderem das kleine Steinberg Cubase LE und Cubasis LE 3 für das iPad sowie einige zusätzliche Plug-ins enthalten.

Einfacher Zweikanaler: Focusrite Scarlett 2i2 3rd Gen

Das Focusrite Scarlett 2i2 liegt in einem ähnlichen Preisbereich wie das Audient iD4 und bietet sogar zwei interne Mikrofonvorverstärker. Diese fallen mit ihrem Verstärkungsbereich von 50 dB etwas weniger kräftig aus, was bei der im Zusammenspiel mit Kondensatormikrofonen bei der Sprachaufnahme allerdings kein Problem darstellen sollte. Eine Besonderheit ist die analoge Air-Schaltung, die dem Klang bei Bedarf ein kleines Extra an Glanz verleiht. Das USB-2.0-Interface (USB-C) läuft bus-bowered und ist damit beispielsdweise auch für Interviews on the road sehr gut geeignet.

Unsere Empfehlungen

Einfacher Zweikanaler (im Test als Studio-Bundle)

Auch im Fall des Scarlett 2i2 3rd Gen sind keine digitalen Schnittstellen vorhanden, was sicherlich zu dem erfreulich niedrigen Schnäppchenpreis beiträgt. Im Lieferumfang sind kleine Versionen von Avid Pro Tools und Ableton Live sowie mehrere hochwertige Effekt-Plug-ins enthalten, sodass man direkt loslegen kann. Eine gute Wahl für preisbewusste Podcaster.

Für Anspruchsvolle: RME Babyface Pro FS

Das RME Babyface Pro FS bietet zwei hervorragend klingende und ausgesprochen kräftige Preamps, die ein Signal aus einem Mikrofon um bis zu 65 dB verstärken können. Wer nicht nur beim Klang der Vorverstärker, sondern auch bei der AD/DA-Wandlung Wert auf höchste Qualität legt, der ist mit dem kompakten Audio-Interface (USB 2.0) vom deutschen Hersteller sehr gut beraten. Auch in diesem Fall kann die Stromversorgung vollständig über den USB-Bus laufen.

Unsere Empfehlungen

Wer sich das gute Stück leisten kann, der wird für die Produktion von Youtube-Videos oder Podcasts mit den sonstigen Features fast ein wenig überversorgt. Das Babyface Pro – mittlerweile übrigens als Babyface Pro FS erhältlich – bietet einen optischen ADAT-I/O, über den sich das Interface beispielsweise mit zusätzlichen Vorverstärkern erweitern lässt, und auch ein MIDI-Interface zum eventuellen Anschluss von Controllern ist vorhanden.

Interface im Taschenformat: IK Multimedia iRig Pro I/O

Das IK Multimedia iRig Pro I/O ist ein superkompaktes Audio-Interface, da es in jede Jackentasche passt. Betreiben lässt es sich unter Windows, MacOS und iOS, und gerade im Zusammenspiel mit einem iPad kann es Bestandteil eines hochgradig mobilen Recording-Systems sein. Da der interne Vorverstärker mit seiner Maximalverstärkung von 40 dB nicht zu den Stärksten seiner Art gehört, sollte man für Sprachaufnahmen auf jeden Fall zu einem Kondensatormikrofon greifen. Ausgangsseitig steht ein regelbarer Kopfhörerausgang bereit, und zusätzlich gibt es sogar ein internes MIDI-Interface.

Unsere Empfehlungen

Die Stromversorgung des iRig Pro I/O läuft über USB, zwei AA-Batterien oder über ein separates Netzteil, das nicht im Lieferumfang enthalten ist. Vor allem, wer viele Außenaufnahmen plant und Wert auf möglichst leichtes Gepäck legt, wird hier gut versorgt. Das enthaltene Software-Paket ist durchaus beachtlich. Für Youtuber und Podcaster ist vorrangig die Effekt-Suite T-Racks 4 Deluxe interessant, um den Klag der Aufnahmen im Nachhinein weiter zu veredeln. Mittlerweile gibt es auch eine zweikanalige Version: IK Multimedia iRig Pro Duo I/O!

Hochwertiges USB-Mikrofon: Blue Microphones Yeti

Beim Blue Microphones Yeti handelt es sich um ein USB-Mikrofon, das mit seinem präsenten Klang ideal für Sprecher ist und sich dank seiner vier Richtcharakteristiken äußerst flexibel einsetzen lässt. Es kommt mit einem soliden Desktop-Stativ, lässt sich aber auch auf einem handelsüblichen Mikrofonstativ montieren und hat einen kräftigen Kopfhörerverstärker mit zugehöriger Lautstärkeregelung an Bord. Der Eingangspegel wird (genauso wie die Wahl der Richtcharakteristik) entweder direkt am Gehäuse oder über eine entsprechende Anwendung vom Rechner (Windows oder macOS) aus gesteuert, wobei in letzterem Fall ein Level-Meter hilfreich ist. Die interne Wandlung läuft bei einer akzeptablen Abtastrate von 16 Bit/48 kHz.

Unsere Empfehlungen

Da gerade bei YouTubern bekanntlich auch das Auge mithört, ist das Yeti in mehreren Finishes erhältlich. Beim von uns getesteten Yeti Blackout handelt es sich um eine Variante in Schwarz. Unabhängig von der Farbe gilt jedoch: Wenn es ein USB-Mikrofon sein soll, dann ist das Blue Microphones Yeti eine gute Wahl.

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