Hersteller_Darkglass
Test
7
02.07.2019

Praxis

Beim Test des 2016 erschienen Microtubes 900 musste ich leider den relativ lauten Lüfter bemängeln. Der Ventilator ging mir beim Üben in einer ruhigen Umgebung doch relativ schnell auf die Nerven. Ich kann erfreulicherweise berichten, dass das Nachfolgemodell offenbar mit einem leiseren Lüfter ausgestattet wurde, welcher im Wohnzimmerbetrieb nur ein sehr dezentes Rauschen von sich gibt. Mich stört der Ventilator des M900 v2 jedenfalls nicht, obwohl meine Toleranzschwelle diesbezüglich wirklich sehr niedrig ist.

Bei der grundsätzlichen Klangausrichtung kann ich zwischen der alten und der neuen Generation des 900 Watt starken Class-D-Tops keinen Unterschied feststellen - und das ist eine durchweg gute Nachricht! Wie schon sein Vorgänger liefert der neue Microtubes 900 v2 im cleanen Betrieb sehr ausgewogene und transparente Sounds mit einer erstaunlichen Tiefe. Die Ansprache des Amps ist zudem ultradirekt und der Sound bleibt auch bei hohen Lautstärken klar, voll und griffig, sodass man eher das Gefühl hat, einen herkömmlichen Transistor-Amp mit schwerem Trafo als einen ultraleichten Class-D-Amp mit Schaltnetzteil zu spielen.

Im cleanen Betrieb überzeugt der neue Darkglass-Amp also auf ganzer Linie und kaum jemanden wird es verwundern, dass der Microtubes 900 v2 in Sachen Distortion-Sounds mindestens genauso souverän abschneidet - das ist schließlich die Spezialität der finnischen Company! Die Vielfalt, die mit den beiden Microtubes-Engines VMT und B3K möglich ist, erstaunt mich immer wieder und ist im Amp-Sektor nach wie vor einzigartig.

Wer auf warme und mittenbetonte Vintage-Overdrives steht, wird mit der VMT-Engine schnell tolle Sounds finden, während die B3K-Engine eher auf Heavy- und Metalbassisten mit einer Vorliebe für moderne und aggressive Distortion-Sound zugeschnitten ist. Beide Geschmacksrichtungen können mit den Reglern der Microtubes-Sektion so feinfühlig und vielfältig gemischt und abgestimmt werden, dass für Distortion-Fans wirklich absolut keine Wünsche mehr offen bleiben.

In Sachen EQing legt der neue Microtubes 900 v2 im Vergleich zu seinem Vorgänger noch ein Schippe drauf, wie ich finde. Nicht, dass mir klanglich oder in Bezug auf die Flexibilität beim alten Vierband-EQ etwas gefehlt hätte, der graphische Equalizer ist aber mit seinen zwei zusätzlichen Bändern einfach noch ein Spur flexibler und komfortabler in der Bedienung. Außerdem sehen die - je nach gewählter Microtube-Engine in blauer oder roter Farbe leuchtenden - Schieberegler ziemlich cool aus!

Ebenfalls für sehr gelungen halte ich den neuen Onboard-Kompressor. Klar, eine gezielte Einstellung aller relevanten Parameter ist mit nur einem Regler nicht möglich, der Kompressor verdichtet den Sound aber insgesamt sehr unauffällig und erzeugt keinerlei Artefakte - der Sound bleibt immer klar und relativ nebengeräuscharm!

So erstklassig die Distortion-Sounds des Microtubes 900 v2 auch sind, direkt aufgenommen oder über den Kopfhörer gehört, kann ein verzerrter Bass doch oftmals harsch und dünn klingen. Abhilfe gegen dieses Problem schafft Darkglass mit der Integration einer Boxensimulation, die auf den symmetrischen Post-DI-Ausgang und auf den Kopfhöreranschluss gelegt werden kann. Wie bereits erwähnt, stehen hier drei Speicherplätze zur Verfügung, die via Darkglass-Suite mit Impulsantworten von Darkglass oder von einem der zahlreichen anderen Anbietern bestückt werden können.

Bei eingeschalteter Cabsim werden die Sounds räumlicher und milder abgebildet, sodass selbst heftige Verzerrungen im Kopfhörer durchaus angenehm klingen. Besonders für Tieftöner, die mit dem Amp zu Hause üben wollen, ist die Cabsim deshalb wirklich ein willkommenes Feature! Davon abgesehen kann es auch durchaus auch sinnvoll sein, den Sound im Studio oder im Livebetrieb vorab mit einer passenden Boxensimulation abzustimmen - der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt!

Positives kann ich darüber hinaus nur zum Thema Leistung und der Performance der verbauten Class-D-Endstufe berichten. Das verwendete ICEpower-Modul kommt bereits im Vorgängermodell und in vielen Kompakt-Tops von anderen Herstellern zum Einsatz und hat sich absolut bewährt. Die erreichbare Lautstärke reicht locker für große Gigs und der Basssound wird auch bei brachialen Pegeln noch klar und fundamentstark wiedergegeben.

Viel Spaß mit den Klangbeispielen!

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