Gitarre Hersteller_Danelectro
Test
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08.06.2011

DETAILS

“Die sieht echt abgefahren aus“, ist der einhellige Kommentar von jedem, der sie zum ersten Mal vor Augen hat. Und auch ich kann mich dieser Meinung nur anschließen. Zugegeben, ich bin Danelectro Fan und besitze auch das eine oder andere Instrument mit dem auffälligen Namenszug. Trotzdem soll der Blick auf unser Testmodell so unvoreingenommen wie möglich stattfinden.

Der Korpus sieht auf den ersten Blick aus, als wäre er aus Kunststoff! Alle Kanten sind abgerundet und entfernt erinnert die Gitarre an eine Fender Jaguar. Nach dem Lackieren wurde sie mattiert, was zusammen mit der seidenmatten Hardware ziemlich klasse aussieht. Diese Arbeiten sind so gut ausgeführt, dass man unmöglich herausfinden kann, aus wie vielen Teilen der Korpus besteht. Als Holz für den Body kommt hier Basswood zum Einsatz, eine amerikanische Lindenart, die gerne für den Instrumentenbau verwendet wird. Danelectro Gitarren bestehen in der Regel aus einem Holzrahmen, der mit Platten aus dem Fasermaterial Masonit beplankt wird. Sie sind deshalb hohl und entwickeln so auch ihren charakteristischen Klang. In unserem Fall haben wir es allerdings mit einem Vollholzkorpus zu tun.

Auf dem Body ist ein zweiteiliges Schlagbrett angebracht, dessen obere Hälfte aus Kunststoff und die untere aus Metall besteht. Als Pickups sind hier Danelectro-typische Lipstick Single Coils im Einsatz, die auf dem Kunststoffteil des Schlagbretts befestigt sind.

In den 50er Jahren hatte Danelectro einen großen Posten Lippenstifthülsen aufgekauft und baute in diese die Tonabnehmer ein. So konnte der Preis für die Instrumente gering gehalten werden, weil es sich bei ihnen im Grund um Kaufhausgitarren handelte.

Bei unserer Kandidatin sind auf der Metallseite des Pickguards vier Potis (2x Ton, 2x Volumen), ein Dreiwegschalter, eine Klinkenbuchse und der Steg angebracht.

Der Steg besteht aus einem Metallbügel, auf dem ein Tremolohebel sitzt. Die nötige Spannung erhält die Konstruktion durch eine Feder, die auf der Rückseite mithilfe einer Sechskantschraube am Steg angebracht ist. Man sollte nicht allzuviel von diesem Konstrukt erwarten, aber es reicht allemal, Töne leicht schweben zu lassen.

Leider wurde auf einzelne Saitenreiter verzichtet, stattdessen kommt hier ein Palisanderstreifen zum Einsatz, mit dem sich die Oktavreinheit durch Verschieben einstellen lässt. Das Instrument kam aber schon gut eingestellt hier an. Ach ja, die Saiten werden am unteren Ende des Stegs in kleine Kerben eingehakt.

Schauen wir uns kurz die Rückseite an. Ihre Bestückung beschränkt sich auf die Verschraubung des Halses inklusive Metallplatte und einen runden Metalldeckel. Die Elektrik befindet sich unter dem Schlagbrett.

Kommen wir zum Hals. Der ist in erster Linie lang. Bei einer Mensur von insgesamt 748mm streckt sich der linke Arm schon ganz ordentlich, wenn es in die tiefen Register gehen soll. Apropos tief: Baritongitarren werden in A gestimmt, daher gehen sie noch einen Ganzton tiefer als Siebensaitige. Ein Grund, weshalb man sie im Studio sehr häufig bei den „bösen“ Jungs findet, dazu aber später mehr. Auf dem Ahornhals, der deckend in Korpusfarbe lackiert und anschließend mattiert wurde, findet sich ein Palisandergriffbrett, das 24 sauber verarbeitete Bünde beherbergt.

Eine entfernt an Fender erinnernde Kopfplatte (ebenfalls in Bodyfarbe lack- und mattiert) bietet Platz für sechs klusonartige Mechaniken unbekannter Herkunft.

Insgesamt ist die Verarbeitung gut - natürlich merkt man, dass es sich um ein günstiges Instrument handelt, aber bei Danelectro gehört das irgendwie dazu und hat auch durchaus seinen Charme.

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