Software
Test
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09.11.2018

D16 Tekturon Test

Sequenced Multitap Delay Plugin

When worlds collide

Die digitale Revolution liegt längst hinter uns, schon seit Jahren arbeitet wirklich jeder mit Computern, viele inzwischen sogar komplett „in the box“. Spannender als jetzt war die Entwicklung von VST-Effekten, verschiedener Software und Sample Libraries dennoch aber noch nie. 

Ging es anfangs eher darum, den Workflow durch digitale Technik zu verbessern und zu beschleunigen und dann im nächsten Schritt bei Effekten möglichst genaue Kopien analoger Vorbilder herzustellen, sind nach Jahren dieser Entwicklung andere Zeiten angebrochen. Inzwischen gibt es immer kreativere Ansätze bei der Entwicklung von Software.   

Der polnische Hersteller D16 hat das offensichtlich verstanden und begibt sich immer wieder auf die Suche nach neuen und einzigartigen Möglichkeiten, verschiedene Elemente zu kombinieren und somit ganz neue, noch nie dagewesene Plugins zu erschaffen. Mit Tekturon, ihrem Delay-VST, ist ihnen das definitiv auch wieder gelungen.

Details

Allgemeines

Tekturon gibt es im VST-, AU- und AAX-Format in 32- und 64-Bit-Version für Windows und MacOS. Nach dem Erstellen eines Accounts auf der Herstellerwebseite und dem Kauf des Plugins erhält man den Installer und die zum Produkt passende Lizenzdatei, womit sich das Delay VST nach der Installation freischalten lässt.

Tekturon wurde offensichtlich nach der amerikanischen Devise „the bigger the better“ konzipiert. Sage und schreibe 16 unabhängige Delay Lines wurden in das Plugin integriert, deren Parameter natürlich alle separat einzustellen sind, um volle Kontrolle  auf den Effekt ausüben zu können. Der Großteil der Oberfläche besteht aus dem dazugehörigen Modul, das einer Koordinatenachse ähnelt.

Auf der Y-Achse befinden sich die verschiedenen Parameter Volume, Delay, Feedback, Pan, Spread, Filter Type, Cutoff, Resonance und Audible, das den sonst obligatorischen Mute-Button ersetzt. Und auf der X-Achse wurden die 16 Delay Lines untergebracht. Wird auf der linken Seite ein Parameter angewählt, leuchtet die korrespondierende LED auf. Und die verschiedenen Delay Lines lassen sich über den darunter befindlichen Knopf mit zugehöriger LED aktiveren bzw. deaktivieren.

Das Ganze erinnert ein bisschen an die Konzeption und das Raster einer Drum-Maschine, in einem Delay ist das aber auf jeden Fall neu. Grafisch sehr interessant umgesetzt ist dabei die Tatsache, dass wir in jeder aktivierten Delay Line einen Pegel angezeigt bekommen, und zwar genau dann, wenn dieser Teil des Effektes aktiv ist. Auch das erinnert wieder an eine Drum-Maschine.

Über diesem Teil der GUI wurde die Preset-Sektion mit einem Display im D16-üblichen Design sowie der Button für die Optionen untergebracht. Das Preset-Menu ist gewohnt übersichtlich gestaltet und alle Knöpfe sind wieder doppelt belegt, durch das Drücken der STRG-Taste gelangt man zur Zweitbelegung.

Auf der rechten Seite der GUI finden wir nun verschiedene Master-Delay-Controls, ohne die es auch bei Tekturon einfach nicht geht. In der Master-Filter-Sektion steht ein High-, Band- oder Low-Pass zur Verfügung, die über den Cutoff-Regler, für Werte zwischen 20 Hz und 20 kHz, und einem Resonance-Regler gesteuert werden können. Unter Time Grid stellt man die Delay Zeit ein, wie üblich in Notenwerten wenn das Plugin mit dem Tempo der DAW synchronisiert wird, oder in Millisekunden wenn die Synchronisation ausbleibt.

Mit dem roten Tap-Knopf kann das gewünschte Tempo dem Plugin auch vorgemacht werden. Über den Shuffle-Drehregler lässt sich eine leichte Verzögerung jenseits eines Rasters erzeugen, um dem Effekt einen bestimmten Groove zu verpassen. Zum Schluss finden wir dann noch einen Dry-/Wet-Regler, der über das kleine Schloss direkt darüber fixiert werden kann. Nutzt man Tekturon als Send-Effekt und möchte sich ein paar Presets durchhören, fixiert das Schloss den Dry-Wet-Wert bei jedem angewählten Preset. Zum Schluss haben wir dann noch einen Feedback- und Master-Volume-Regler.   

Es sei noch erwähnt, dass man wie von D16 gewohnt auch die Größe der GUI in zwei Stufen einstellen kann. Gerade für Laptops mit 15“-Bildschirm ist das ein sehr sinnvolles Feature.

Sound

Wie immer hören wir uns jetzt natürlich anhand einiger Presets an, was Tekturon kann. Lediglich das Dry-/Wet-Verhältnis habe ich bei Gelegenheit verändert. Wir starten mit einer Gitarre.

Man hört schon hier, wie viele verschiedene Effekte mit Tekturon möglich sind. Das zweite Hörbeispiel zeigt einen recht herkömmlichen Delay-Effekt. Das dritte Beispiel kommt dann schon eher aus der Welt des Sounddesigns, denn durch die verbauten Filter kann Tekturon auch auf den Klang des Signals Einfluss nehmen. Spätestens aber beim letzten Beispiel merkt man, dass in Tekturon noch viel mehr schlummert.

Gerade bei diesem Vocal-Beispiel liefert Tekturon verrückte und unheimliche Ergebnisse. Beim dritten Beispiel wird schnell klar, welchen Vorteil es hat, wenn man für jeden der 16 Steps unterschiedliche und unabhängige Einstellungen vornehmen kann, besonders bei den Filtereinstellungen. Anfangs ist der Delay-Effekt durch den Low-Pass-Filter erst sehr dumpf, er öffnet sich aber dann zu einem hellen Effekt. Das Ergebnis ist filmreif und könnte locker einem Horror-Streifen entstammen.

D16_Tekturon_V01_Soundkreation

Durch die mannigfaltigen Möglichkeiten lädt Tekturon zum Spielen ein.

Fazit

Tekturon ist einzigartig, genau wie die Idee, den Grid einer Drum-Maschine in ein Delay zu verpflanzen. Es lassen sich mit Tekturon in Windeseile äußerst komplexe Delay-Effekte erzielen, die mit anderen Plugins so nicht möglich wären. Und selbst wenn man es schaffen könnte, bräuchte man ohne Tekturon dafür definitiv wesentlich länger. Somit ist das Delay Plugin viel mehr als nur ein Spielzeug. Die volle Kontrolle nicht nur über jedes Teil-Delay, sondern auch darüber, wie viele und welche der 16 Delay Lines verwendet werden, bietet unendliche klangliche Möglichkeiten und mit der durchdachten GUI lassen sich diese sehr schnell umsetzen. Auch wenn die mitgelieferten Presets einen guten Einblick in Tekturons Klangkosmos bieten, sollte man auf jeden Fall seine eigenen Presets damit erstellen, da man damit einfach jeden gewünschten Effekt erzielen kann. Auch für kreative Delay-Fahnen aber vor allem für verrückte Verzögerungseffekte gibt es kein besseres Tool als Tekturon. Endlich lässt sich jeder nur erdenkliche Delay-Effekt schnell erzeugen.  

  • Pro
  • durch 16 unabhängige Delay Lines quasi unendliche Möglichkeiten
  • bietet geniale Mischung aus Delay und Drum-Maschine
  • sehr gutes Preis-/Leistungs-Verhältnis
  • viele Presets für einen leichten Einstieg
  • Contra
  • kein Contra
  • FEATURES
  • bietet 16 in einer Matrix angeordnete Delay-Lines, ähnlich einem Step Sequencer
  • Multi-Mode-Filter
  • 16 Mute Buttons zum schnellen Deaktivieren einzelner Delay Lines
  • 2 LFOs
  • globale Parameter wie Time Grid mit Host-Sync, Feedback, Shuffle, Master Filter etc.
  • Intuitives Design
  • individuelle Parameter pro Delay wie Feedback in Relation zum globalen Feedback, Verzögerungszeit, Filter, Stereo-Panorama und -breite sowie Pegel
  • 64 Bit interne Rechentiefe
  • Systemanforderungen: ab Win 7 (32/64 Bit), Mac OSX 10.7, 2.8 GHz CPU, 4 GB RAM, Internetverbindung, unterstützte Formate: VST2 / AU / AAXnative
  • Preis
  • EUR 69,- (Straßenpreis am 18.Oktober 2018)

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