Test
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19.07.2018

Praxis

Dann also los: Die Turntables warten schon. Carmen V erhebt sich leicht über die Technics 1200er, was aber sehr organisch und harmonisch wirkt. Die Regler fühlen sich gut und wertig an, die Schalter sind dezent und leicht zu switchen.

Die Anschlüsse auf der Rückseite sind sehr solide und das alle Cinch-Anschlüsse weiß sind – und nicht weiß für links und rot für rechts – empfinde ich nicht als störend, vielmehr als weiteres stylisches Statement. Beim ersten Mix stutzt DJ noch, weil der Aufbau doch etwas anders ist, als wir es von herkömmlichen Mixern kennen. Aber nach ein paar Minuten fühlt sich schon alles gewohnt und logisch an.

Carmen V soll vom DJ wie ein Instrument gespielt werden und dank des durchdachten Oberflächen-Layouts und der Positionierung der relevanten Regler hat man die Condesa schnell blind im Griff. Das ist auch nötig, da im dunklen Club keine LEDs den Weg weisen. Stattdessen ist DJ auf das Fingerspitzengefühl und die Ohren angewiesen. Die Reglerwege der Volume-Potis lösen so fein auf, dass kleinste Nuancen im Mix hörbar werden, wenn beide Platten mit ungefähr gleicher Lautstärke laufen und DJ mal dem einen Stück und mal dem anderen Stück mehr Saft zuweist.

Carmen V empfinde ich als prädestiniert für „Wildpitch“, den Sound, den DJ Pierre aus Chicago populär gemacht hat. Hier knetet man endlos in den Frequenzen herum und shaped mal das eine und mal das andere Stück in den Vordergrund, betont mal das eine und mal das andere Frequenzspektrum, was mit Carmen V schon fast meditativen Charakter bekommt.

Im Cue-Weg hört DJ stets nur einen Kanal, nach dem Dreiband-Kanal-EQ, aber vor dem Isolator. Das ist praktisch, denn man behält auch während extremer Filterfahrten stets noch die Kontrolle über den Beatmix.

Das Mittenband im Dreiband-EQ in den Kanal-EQs empfinde ich als sehr wirksam und wohltuend. Gerade bei energiereichen Stücken lassen sich bestimmte Frequenzanteile wie Gesang oder Hookline schön raus shapen oder in den Hintergrund filtern. Durch den höheren Cut und Boost von +/-16 dB und seine angenehme voreingestellte Resonanz kann DJ den Kanal-Mitten-EQ je nach Musikmaterial oft wie einen Sweep-Filter einsetzen und bestimmte Soundanteile gezielt betonen oder unterdrücken, ohne den Isolator bemühen zu müssen, der ja im Master auf den Gesamtsound wirkt. Allein diese Möglichkeit ist sehr gelungen und hebt Carmen V von vielen anderen Rotary-Mixern mit lediglich einem Zweiband-EQ im Kanal ab.

Allerdings hätte ich mir bei den Dreiband-EQs in der einen oder anderen Mixsituation dann aber doch eine Mittenrasterung gewünscht. Die Regler sind so klein und die weiße Mittelmarkierung so fein und der Mixer so dunkel, da muss DJ schon mal den Regler ganz bis zum Anschlag zurückdrehen, um dann wieder ungefähr die Mittelposition zu treffen.

Der Bypass-Schalter des Isolators muss nicht nur zur Herstellung absoluter Klangreinheit dienen, sondern kann auch zu Performance-Zwecken genutzt werden. Einfach mal massive Frequenzanteile über vier Takte wegfiltern und dann auf dem Downbeat wieder die volle Ladung auf das werte Publikum loslassen, das geht bei Carmen ganz einfach und punktgenau per Kippschalter. Im Hands-on-Video weiter unten zeige ich noch ein paar mehr Tricks, die mit dem Isolator-Bypass möglich sind.

Echte Liebe

Von echter Liebe und tiefen Gefühlen wird heutzutage ja schnell und viel gefaselt. Vieles ist Marketing und manches ist einfach nicht so ernst gemeint. In Carmen V habe ich mich aber trotzdem schnell verknallt. Hat DJ einmal eine Nacht mit ihr verbracht, gibt es kein Zurück mehr. Carmen V fühlt sich einfach gut an. Ein wichtiger Grund neben der Qualität der Teile und der Güte des Sounds ist das Grunddesign. Hier folgt das User-Interface nicht dem Platinen-Layout unter der Oberfläche. Der Vorteil des diskreten Aufbaus ist eben auch die völlige Freiheit, die Bedienelemente genau dort zu platzieren, wo sie hin sollen. Und das spürt man: Alles ist an seinem Platz.

Audiobeispiele

In den folgenden Audiobeispielen führe ich den Dreiband-EQ und den Dreiband-Isolator vor. Zuerst erfolgt der Cut ganz langsam bis zur maximal möglichen Absenkung, danach wird der EQ wieder in die Mittelstellung und langsam weiter bis zum maximalen Boost gedreht. Dann wieder cut und boost und so weiter und so fort. Im vierten Audiobeispiel werden alle drei Kanal-EQs gemeinsam eingesetzt, im achten alle drei Isolatorenbänder und im neunten schließlich alles auf einmal. Der Volume-Regler des Kanals befand sich bei allen Audiobeispielen auf „12-Uhr-Mittelstellung“, also unter Unity Gain, um zu verhindern, dass das Aufnahmesignal bei harten Boosts übersteuert wird.

Familienbande

Wer sich nun in die Philosophie und den Sound von Condesa verliebt hat, aber eine kleiner Version vorzieht: Die Australier bieten für 1.906,- Euro auch die zweikanalige Lucia an, die für Carmen V bekanntlich Pate stand. Carmen EQ/ISO kommt mit Zweiband-EQ in den vier Kanälen, Carmen EQ verzichtet gar auf den Isolator und mit Isolator und ohne EQ gibt es Carmen auch. Und der Isolator selbst ist als 19-Zoll-Variante unter dem Namen Clara oder als Desktop Lola für jeweils 636,- Euro separat erhältlich.

condesaelectronics.com/shop/lucia/

condesaelectronics.com/shop/carmen-eq-iso/

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Alle Mixer werden in Australien gebaut und weltweit verschickt, die Bauzeit beträgt 12 bis 16 Wochen. Condesa gewährt zwei Jahre Garantie.

Die Preise sind natürlich alles andere als Schnäppchen. Wenn man allerdings in Betracht zieht, wie kurz die Halbwertzeit der aktuellen großen, digitalen Mixer oder Mediaplayer ist, die zu ähnlich hohen Preisen angeboten werden, aber bereits nach wenigen Jahren zum alten Eisen gehören, dann ist so ein Condesa-Mixer schon fast wie eine Anschaffung für die Ewigkeit.

Im Hands-on-Video demonstriere ich den Sound der EQs und des Isolators des Condesa Carmen V Rotary Mischpults in the mix. Als Effektgerät dient ein KORG KaossPad 2.

Bonedo Autor Mijk van Dijk hat mit Condesa Carmen V Hersteller Medhi Al-Aquil während der Europa Promo-Tour ein kurzes Interview führen können, hier nachzulesen.

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