Test
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16.01.2013

Praxis

Im Betrieb wird auf Anhieb klar: Die Filter des Little-Devil-EQs haben echtes Gewicht! Das hier ist kein neutraler Feingeist, sondern ein EQ, mit dem man richtig Klang machen kann. Und das hat mehrere Gründe: Zum einen den mit ±18 dB satten Hub der Filterbänder und zum anderen die klassische Architektur der Filterbänder und der Ein- bzw. Ausgangsstufen, die so gar nicht sauber und zurückhaltend klingen wollen.

Ist ein Vergleich mit Neve überhaupt sinnvoll?

Es ist ein Stück weit müßig, den Vergleich mit den Neve-Vorbildern anzustellen, da der Little Devil zwar auf deren Schaltungskonzepten beruht, aber nicht als Clone zu verstehen ist: Wade Goeke hat sich nicht sklavisch an die Verwendung von Originalbauteilen gehalten und die Filter auch etwas anders zugeschnitten. Die Frage ist also nicht: „Klingt das Teil genau so wie ein Neve“, sondern: „Wie gut klingt es?“ Und da muss man sagen: Obwohl der Little Devil durchaus eigenständige Qualitäten hat, ist die Neve-Provenienz nicht von der Hand zu weisen, und zwar nicht einmal ansatzweise. Der Little Devil hat mit den Vintage-Vorbildern gemein, dass die Filter vor allem in den Mitten und Höhen ungemein dicht und cremig klingen. Hier wird nicht nur Pegel hinzugefügt, sondern auch Energie – die Signale wirken auch bei kleinsten Bearbeitungen frischer und lebendiger. Dieser Effekt ist schwer in Worte zu fassen, aber er ist keineswegs subtil, sondern er springt einen förmlich an,  gleich bei der ersten Poti-Drehung. Im Vergleich arbeiten beispielsweise die EQs von SSL oder Great River / Harrison erheblich zurückhaltender. Gerade in den tieferen Mitten fühlt sich der Little Devil in bester Neve-Manier an, als ob man in einem dicken Topf mit Honig rührt.

Chandler Little Devil EQ auf der Gesangsspur

Das Vocal-Klangbeispiel zeigt, wie das Höhenband den Sound öffnen kann. Ausgangsbasis ist das sehr rund und in den Höhen eher zurückhaltend klingende Beispiel, das wir mit dem Little Devil Preamp und meinem geliebten alten Neumann CMV563 mit der M7-Kapsel aufgenommen haben. Hier fällt auch auf, wie gewaltig der Hub des Filters ist. Eine kleine Drehung am Gain-Poti reicht bereits, sonst wird’s schon zu viel des Guten – was dann immer noch reichlich cremig klingt, aber einfach zu viele Höhen hat.

Dieser Effekt zeigt sich auch in den Mitten, zum Beispiel beim Kontrabass, bei dem man mit dem Chandler schön das mittige „Holz“ betonen kann. In den Bässen klingt der EQ wiederum sehr groß und volumiös. API ist hier im Vergleich viel straffer und knochiger, auch etwas konturierter, beim Chandler hingegen wird das Signal richtiggehend aufgeblasen, auch das in bester Neve-Manier.

Boost auch ohne Gain beabsichtigt?

Im Betrieb gab es eigentlich nur einen Aspekt, der mich wirklich ein bisschen gestört hat: Auch bei neutral eingestellten Filtern boostet die Kassette das Signal um knapp 3 dB, wenn man sie aus dem Bypass schaltet. Dies kann eigentlich kein „Feature“ sein, vermutlich hatte da die Endkontrolle beim Hersteller einen etwas unaufmerksamen Tag. Aber kein Problem: Chandler verfügt mit S.E.A. in Deutschland über einen sehr gut aufgestellten Vertrieb, sollte solch ein Problem also einmal auftreten, ist mit Abhilfe im Handumdrehen zu rechnen.

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