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Test
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22.12.2017

Praxis

 Klang

Die beiden Casio Digitalpiano-Modelle PX-870 und PX-770 bieten die gleiche Tastatur mit Hammermechanik. Die Tastatur lässt sich gut spielen und man kann auch gut mit ihr repetieren, also schnell wiederholend auf der selben Taste spielen. Lediglich die Bewegung, mit der die Tasten nach dem Anschlagen wieder in ihre Ausgangsposition kommen fühlt sich etwas schwammig an. Die Tastaturen sind allerdings ausgesprochen leichtgängig und es wird nur wenige akustische Klaviere geben, die eine so leichtgängige Tastatur bieten. Letztendlich sind es aber durchaus akzeptable Tastaturen die nichts mehr mit einer Synthesizer-Klaviatur zu tun haben und mit denen sich viel anfangen lässt.

Die Pianoklänge

Beim reinen Pianoklang kann man hingegen deutliche Unterschiede feststellen: Das Modell PX-870 klingt deutlich offener und realistischer. Das lässt sich über den Kopfhörer schon sehr gut bei dem Klangbeispiel mit Mozarts C-Dur Sonate bemerken, einem Klavierstück mit wenig Pedalgebrauch. Aber auch in dem Musikbeispiel von Debussy kann man den Unterschied recht gut hören: Hier „verwirbelt“ das PX-870 den Klang der offenen Saiten viel mehr und ist einem echten Klavier viel ähnlicher als das PX-770 es kann. Auch im Nachhall am Ende des Beispiels mit Jazzmusik kann man sehr schön hören, wie die oberen ungedämpften Saiten beim PX-870 immer noch klingen, während sie beim PX-770 schon nicht mehr das sind.

Audiobeispiele Casio PX-770 über den Kopfhörerausgang aufgenommen.

Audiobeispiele Casio PX-870 über den Kopfhörerausgang aufgenommen.

Auch über die Lautsprecher ist der Unterschied zwischen den beiden Digitalpianos deutlich zu hören, was vor allem an den zusätzlichen Lautsprechern an der Oberseite des PX-870 liegt. Während das PX-770 noch den recht „dosigen“ Sound eines Digitalpianos früherer Zeiten bietet, nähert sich das PX-870 doch schon um einiges mehr dem Klang eines akustischen Klaviers an, und man bekommt schon Spaß an der Sache.

Audiobeispiele Casio PX-770 über spezielle Ohrmikrofone aufgenommen, um den Klangeindruck im Raum zu vermitteln.

Audiobeispiele Casio PX-870 über spezielle Ohrmikrofone aufgenommen, um den Klangeindruck im Raum zu vermitteln.

Dabei darf man aber eines nicht vergessen: Sowohl Digitalpianos als auch die hochgezüchteten Softwareversionen, sei es als Sample Library oder als virtuelles Modell, haben oft ein anderes Klangideal als das eines realen akustischen Klaviers. Das liegt einfach daran, dass ein akustisches Klavier eine sehr große dynamische Bandbreite hat und durch seine mechanische Bauweise auch sehr laut werden kann.  Das versucht man bei einer Aufnahme zu beschränken, sonst beschweren sich ja die Nachbarn und unter dem Kopfhörer wird es schnell viel zu laut. Zum anderen wird ein reales Klavier aber auch oft recht nah aufgenommen, damit es weniger Störgeräusche gibt. Der Pianist sitzt dagegen akustisch eigentlich an der falschen Stelle, denn beim Klavier geht der Schall nach hinten heraus und beim Flügel zur Seite. Beim Vergleich mit unseren Klangbeispielen von zwei unterschiedlichen Flügeln - einem A-Flügel von Steinway aus den 1920er Jahren und einem Kawai gleicher Größe aus den 1980er Jahren – darf man das nicht vergessen. Daraus resultiert im übrigen auch die viel größere Räumlichkeit der Aufnahmen, denn während bei den Digitalpianos der Klang direkt aus den Lautsprechern in die Mikrofone gelangt muss er bei den Flügeln erst einmal durch den ganzen Raum, um schließlich eingefangen zu werden. Allerdings, das muss man sagen, einmal durch den ganzen Raum klingt besser.

Klangvergleich der zuvor gehörten Audiobeispiele, gespielt auf zwei unterschiedlichen echten Flügeln - einem A-Flügel von Steinway aus den 1920er Jahren und einem Kawai gleicher Größe aus den 1980er Jahren. 

Zusätzliche Klänge, Funktionen und Bedienung

Bei unserem Durchlauf durch die Presets haben wir uns des Lautsprecherausgangs am Casio PX-870 bedient - original übrigens das Piepsen zwischen den Soundwechseln. Die verschiedenen Pianoklänge können überzeugen, auch die E-Pianos und die Mallets animieren zum Weiterspielen. Cembalo, Streicher und Orgeln gehören allerdings nicht zu den Favoriten.

Die Handhabung über die kleine Bedienoberfläche und der Rückmeldung über Piepstöne ist zwar machbar, aber nicht wirklich elegant. Wenn man beim Wechseln der E-Piano Sounds erst hören muss, wie oft es gepiepst hat um zu wissen, ob man jetzt auch wirklich den zweiten Sound drin hat, dann ist das eher umständlich und erinnert einen doch sehr daran, dass da jetzt eben doch kein „echtes“ Klavier vor einem steht. Will man ein bisschen tiefer gehen und zum Beispiel eine andere Hallsimulation auswählen wird zwingend das Handbuch hervorgeholt werden müssen, sonst weiß man nicht, welche Tastenkombination man drücken muss. Das Handbuch muss übrigens erst noch aus dem Internet heruntergeladen werden, den beiden Digitalpianos liegt lediglich eine Kurzanleitung bei.

Die zusätzlichen Sounds des Casio PX-870 die auch im PX-770 integriert sind.

Bei den Zusatzfunktionen wie den 60 eingespeicherten Übungsstücken und den zehn Stücken mit Orchesterbegleitung des PX-870 muss man sagen, dass das zwar eine nette Dreingabe ist, jedoch sind solche Dinge auch zuhauf auf CD oder im Internet zu finden und sollten daher nicht zur Kaufentscheidung beitragen. Tatsächlich ist es sogar viel angenehmer, wenn man dafür ein eigenes Abspielgerät bereithalten kann, denn hier kann man viel besser im Stück hin- und herspringen und auch einmal in der Mitte des Titels anfangen. Dafür wäre dann allerdings ein Audioeingang am Digitalpiano Voraussetzung, damit man nicht noch ein zweites Lautsprecherset aufbauen muss. Leider ist ein Audioeingang bei beiden Casio PX-Modellen nicht gegeben.

Die Orchesterbegleitung des PX-870 (... hier einer von zehn Titeln)

USB-Anschluss

Das PX-870 bietet im Gegensatz zum PX-770 noch einen Anschluss für einen USB Stick, mit dem man seine eigene Musik aufnehmen oder andere Aufnahmen ins Gerät einspielen kann. Leider ist der Anschluss des USB Stick ziemlich versteckt an der hinteren Seite unter dem Spieltisch angebracht und dadurch wirklich umständlich zu erreichen. Hier hätte eine andere Positionierung, z. B. an der Gehäuse-Vorderseite sicherlich mehr Sinn gemacht. Ein absolutes No-Go ist allerdings der Zugriff auf den USB Stick, den man erst einmal mit verschiedenen Tastenkombinationen formatieren muss, ihn dann über eine weitere Tastenkombination ins System einbinden muss, um dann schließlich mehr oder weniger im Blindflug die darauf geladenen Stücke zu finden – alles gesteuert durch kurzes oder längeres Piepsen des Pianos. Eine Funktionsweise also, die durch ihre umständliche Bedienung eine häufigere Verwendung wohl eher verhindert.

Die USB-Anschlüsse beider Casio Digitalpianos liegen leider ziemlich versteckt. (Fotos: Bonedo)

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