Hersteller_Boss Vocals
Test
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07.01.2019

Praxis

Workflow

Wie so oft bei Multi-Effekten ist das Verhältnis der Parameter-Anzahl zu den Bedienelementen auf der Frontplatte stark unausgeglichen. Intuitive, ausufernde Klangexperimente auf der Bühne erfordern mehr Schalter und Knöpfe. Funktionen wie der Looper oder Tap Tempo taten sich beispielsweise erst nach einer längeren Suche in den Submenüs auf. So dürfte das VE-500 auf der Bühne wohl ein Preset-Pedal bleiben, die riesige Palette an Klangdetails müssten zuvor im Studio/Proberaum in akribischer Handarbeit oder mittels der sehr nützlichen Editor Software eingestellt werden. Geht es dann aber auf die Bühne, erfolgt die reine Anwahl der voreingestellten Sounds durch das System mit den drei Fußschaltern sehr straight und unmissverständlich.

KLANG

Der Reverb hat einen angenehm milden Grundsound und lässt sich je nach Anlass von sanftem "Enhancement" bis hin zu deutlich hörbaren Räumen und Hall-Fahnen variieren. In den Submenüs finde ich hierfür diverse hilfreiche Parameter wie einen High Cut oder Pre Delay. Insgesamt sind fünf klassische Reverb-Algorithmen (Room, Hall, Plate, Ambience, Mod) im Angebot, deren separate Vorstellung hier doch ein wenig den Rahmen sprengen würde.

Das Delay, welches klanglich an die hauseigene "Digital Delay" von Boss erinnert, macht ebenfalls einen guten Job und lässt sich aufgrund der Selbst-Oszillation auch für experimentelle Modulations/Pitch-Effekte nutzen. Neben einem einfachen Mono Delay sind hier auch Stereo-Echos möglich.

Der Vocoder bietet verschiedene synth-basierte Carrier wie Saw, Square etc. Aber auch ein "Talk Box"-Sound ist mit an Bord, der die alte, große Kiste mit dem Schlauch nahezu überflüssig macht. Nutzt man die eigene Stimme als Modulator, lassen sich die Vocoder-Harmonien/Melodien via externem Instrument kontrollieren. Mischt man dieses Signal dann der Originalstimme bei, kommen dabei warm anmutende, blühende Stimmwelten heraus. Nicht so schön wird es, wenn die Stimme gleichzeitig Modulator und Melodiegeber ist. Sie wird dann erst einmal hörbar durch einen Auto-Tune geschickt, bevor der tatsächliche Vocoder-Effekt eintritt.

Die Einstellung der Tonskala/-art, auf deren Basis der Harmonizer arbeitet, gestaltet sich etwas unübersichtlich. Alternativ erkennt das Pedal Harmonie-Informationen auch über den Anschluss eines externen Instrumentes, was beispielsweise für Gitarristen interessant ist: Ist diese Hürde durchstanden und ein Workflow wurde auserkoren, so erhält man solide, hier und da leicht plastisch klingende Harmonien.

Die Intensität des Pitch Correction Effektes ist leider nicht stufenlos regelbar, sondern in vier Härtegerade aufgeteilt. Während man bei den kleineren Härtegraden kaum einen Effekt feststellt - was positiv und negativ sein kann - sind vor allem im "Robot"-Modus sehr abstrakte, moderne Klänge möglich.

Ein Zwischenresümee: Viele der Effekte klingen hier und da ein wenig dünn und digital. So bin ich auch beim Distortion Effekt ein wenig enttäuscht, welcher recht kratzig, mittenlastig und nicht wirklich organisch oder natürlich klingt. Das VE-500 bietet zwar eine große Auswahl an Effekten, in deren Klangnuancen wäre allerdings ein wenig mehr Feenstaub und Finesse wünschenswert gewesen. Wie sagt man so schön: Qualität vor Quantität. Jedoch präsentiert sich das Pedal auch von vornherein mehr als ein Multi-Effekt-Pedal und behauptet keineswegs, ein detailverliebter Boutique-Effekt zu sein.

Dass der ambitionierte Klangforscher und Experimentliebhaber mit dem "VE-500" durchaus seinen Spaß haben kann, beweisen Effekte wie "Rotary" oder "Granular", die mithilfe der Potis einiges an Schrauberei erfahren können.

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