Bass Hersteller_Boss
Test
7
11.08.2016

Praxis

Wie schon beim Test des TC Electronic SpectraComp verzichte ich auch diesmal wieder auf Backing Tracks, damit ihr die Wirkungsweise des Kompressors ganz genau heraushören könnt. Auch Nachbearbeitung wie Normalizing oder weitere Kompression zur nachträglichen Pegelanhebung kam nicht zum Einsatz. Bei den meisten Klangbeispielen habe ich den Groove zuerst ohne den Boss Bass Comp und danach mit eingeschaltetem Effekt eingespielt - jedes entsprechend benannte Soundbeispiel ist also ein voller A/B-Vergleich, weshalb es sich natürlich empfiehlt, die Beispiele ganz durchzuhören. Here we go!

Ich beginne für den Klangtest mit einer Einstellung, bei der ich sämtliche Regler in der Mittelstellung eingepegelt habe. Lediglich den Level-Regler habe ich auf 10 Uhr statt auf 12 Uhr eingestellt, da der Lautstärkesprung das Klangbild ansonsten zu sehr dominiert hätte.

Wow, das ist ja der Hammer! Die sanften Akkorde, die ich auf meinem Jazz Bass spiele, springen mich förmlich an. Der BC-1X bewirkt eine wunderbare Direktheit und Glättung des Signals, ohne dass dabei unangenehme Nebengeräusche oder Rauschen verstärkt würden. Und beim letzten ausklingenden Akkord sorgt der Boss-Treter für ein schier endloses Sustain - toll!

Für das nächste Beispiel habe ich den Ratio-Regler auf 10 Uhr eingepegelt, das Threshold-Poti stand auf 2 Uhr, und die Regler für Level und Release habe ich nicht verändert.

Bei den harten Pops bei diesem geslappten Beispiel fällt auf, dass ohne Kompressor die gerissenen Töne etwas zu sehr aus dem Mix hervorstechen. Hier kann eine schöne seidige Glättung durch den Einsatz des BC-1X erreicht werden. Doch neben dem "Schleifen" der Dynamikspitzen fällt auch auf, dass die E-Saite auf einmal kräftiger und potenter erscheint als ohne Kompressor - ein schöner Beweis für die unterschiedlich arbeitenden Frequenzbänder des Multiband-Kompressors. Das Signal wirkt im Direktvergleich wirklich um einiges kompakter und druckvoller.

Und wo wir gerade schon dabei sind, loten wir doch auch gleich mal eine denkbare Extremeinstellung des Boss-Pedals aus. Im nächsten Klangbeispiel habe ich den Threshold ganz heruntergeregelt und die Ratio und die Releasezeit ganz aufgerissen. Das Ergebnis ist - natürlich - ein extrem gestauchtes Signal mit sattem Pumpen. Da bei diesem Sound Snippet die Gain Reduction selbstverständlich enorm ist, musste ich den Level-Regler ganz aufreißen, um den Lautstärkeunterschied wieder auszugleichen. In der Praxis wird man Sounds wie diesen freilich eher nur in Ausnahmefällen präsentieren wollen.

Beim nächsten Clip habe ich einen funkig-rockigen Plektrumgroove gespielt. An meinem Jazz Bass habe ich den Steg-PU ganz aus dem Klanggeschehen herausgenommen, um einen rotzig-schiebenden Ton zu erhalten. Sobald der Boss hinzugenommen wird, bemerkt man, wie das Fundament spürbar angedickt wird. Ermöglicht wird dies durch eine vergleichsweise starke Kompression mit dem Ratio-Regler auf 15 Uhr. Um gleichzeitig die Knackigkeit der engmaschigen Sechzehntel des Plektrumgrooves zu gewährleisten, habe ich die Releasezeit recht kurz auf 9 Uhr eingestellt. Auf diese Weise schiebt es "unten herum" ordentlich, das enge Sechzehntelraster hingegen bleibt deutlich hörbar - nichts verwässert oder verschwimmt; der Sound springt einen wieder einmal deutlich mehr an. Klasse!

Als nächstes möchte ich gerne noch ausloten, wie sich der BC-1X im Zusammenspiel mit einem hochgezüchteten Aktivbass verhält und gebe einem meiner fünfsaitigen Music Man Stingrays in der Bestückung mit Steg-Humbucker und Hals-Singlecoil die Sporen. Interessanterweise pariert das Boss-Pedal auch hier harte, engmaschige Slaps mit derselben Lässigkeit wie beim (passiven) Jazz Bass.

Zum Abschluss lade ich euch noch zu einem Trip in die heißen 70er-Jahre ein! Auf einem alten Gibson EB-3 und mit einem von mir für diese Art Sounds heißgeliebten dazu geschalteten Solidgold FX Beta Superdrive spiele ich einen Fingergroove im Stile von legendären Bassisten wie Andy Fraser oder Felix Pappalardi. Der rauchige "Röhrenton" klingt ohne Kompressor schon durchaus gut, erlangt aber durch den zugeschalteten Boss BC-1X genau jene Sattheit, die Klänge dieser Art meiner Ansicht nach unbedingt benötigen.

Seht hier nun noch ein kurzes Video, welches ich für bonedo mit dem BC-1X aufgenommen habe. Die Endlosschleife mit meinem Music Man Classic Sabre kommt aus einem Ditto Looper von tc electronic. Die Basslinie umfasst mit den Fingern gespielte Grundtöne mit einer kleinen Flageolettfigur, und den Abschluss bildet ein Slap-Fill, um den Dynamikbereich des Basses ganz auszuloten. Die Herangehensweise mit dem Looper ist übrigens ideal, um die Klangfarben der einzelnen Regler zu erforschen.

Aufgrund der tollen klanglichen Eigenschaften ist es für mich absolut denkbar, den BC-1X als "Always On"-Lösung auf dem Effektbrett oder auf dem Amp liegend zu betreiben. Aufgrund seiner enormen Gain-Reserven ist aber natürlich auch ein Einsatz als Boosterpedal im Set bei einem Basssolo möglich. Oder eben ein gezielter Einsatz bei nur ganz bestimmten Sounds innerhalb einiger Songs beim Gig. Die Möglichkeiten sind unbegrenzt - entscheiden muss allein der Bassist!

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