Hersteller_BlueMicrophones
Test
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10.08.2017

Praxis

Verwendungszweck

Als geschlossener Kopfhörer mit hervorragenden Wiedergabeeigenschaften ist der Blue Ella ein richtiges Multitalent, sowohl für Musikkonsumenten als auch für professionelle Anwender, obwohl das Modell vom Hersteller für diese Zielgruppe gar nicht angepriesen wird. Aufgrund des eingebauten Verstärkers ist er eine gute Wahl als Mobilkopfhörer, selbst bei schwachbrüstigen Abspielgeräten. Lediglich das hohe Gewicht schließt ihn tendenziell von sportlichen Aktivitäten aus. Im Telefonbetrieb funktioniert das eingebaute Mikrofon des kurzen Kabels einwandfrei und gut verständlich für den Gesprächspartner und auch im Studio macht der Kopfhörer eine gute Figur. Dank seiner wirklich erstklassigen Dämmeigenschaften eignet sich der Ella uneingeschränkt zum professionellen Einsatz beim Monitoring. Weiterhin werden Hi-Fi-Freunde und auch Mix- und Mastering-Engineers seine neutrale und dennoch druckvolle Wiedergabe zu schätzen wissen, doch mehr zum Thema „Klang“ folgt an späterer Stelle.

Tragekomfort

Ein Gewicht von 481 Gramm ist schon eine Ansage für einen Kopfhörer und ein eindeutiger Tribut an die von großflächigen Magneten abhängige Treibertechnologie. Subjektiv machen mir schwere Kopfhörer selten etwas aus, das gilt auch für den Ella, bei dem es der Hersteller durch großflächige und komfortable Polster geschafft hat, für ein angenehmes Tragegefühl zu sorgen. Der Gelenkmechanismus ermöglicht eine optimale Anpassung an meine Kopfform und sorgt mit einem beherzten, aber nicht unangenehmen Anpressdruck für einen sicheren Sitz, der mir auch über einen längeren Zeitraum keine Probleme bereitet.

Klang

Der Blue Ella wurde für diesen Test an folgenden Kopfhörerausgängen/Verstärkern betrieben:

iPad 4

iPhone SE

UAD Apollo 8

SPL 2Control

Neben diversen akustischen Experimenten (Sinus Sweeps, übliche DAW-Tätigkeiten) habe ich einen stilübergreifenden Mix eigener und fremder Produktionen über den Blue-Kopfhörer angehört und analysiert.

Vorweg: Der Blue Ella, welcher für mein Empfinden wiedergabeseitig zu den besten geschlossenen Kopfhörern zählt, die ich jemals getestet oder auf eigene Initiative ausprobiert habe, liefert auch an meinen mobilen Abspielgeräten ein souveränes Bild ab, was nicht zuletzt an der Aktivierung des integrierten Verstärkers liegt. Obwohl man den Wandler und den Kopfhörerausgang etwa seines iPhones ja nicht umgeht, hat es offensichtlich klangliche Vorteile, den Kopfhörerausgang durch die Verstärkung im Ella nicht im Grenzbereich zu „fahren“.

In manche Kopfhörer muss man sich einhören, das gilt auch für den Blue Ella, hat aber nur drei Sekunden gedauert. Schon beim allerersten Anspielen eines Tracks spürt man wie mühelos, natürlich und druckvoll der Ella die Musik in meine Ohren transportiert. Der Übertragungsbereich von 20 bis 20.000 Hz wird ohne spürbare Färbungen wiedergegeben. Im direkten Vergleich zu meinem offenen Referenzkopfhörer AKG K812 ist die Wiedergabe hoher Frequenzen und oberer Mitten eine Nuance milder, aber absolut nicht unterrepräsentiert. Bemerkenswert ist die souveräne Wiedergabe des Bassbereichs, welche sowohl tonal akkurat, druckvoll und frei von Kompressionsartfakten ist.

Transienten werden zwar knackig und unverfälscht wiedergegeben, allerdings nicht ganz so plakativ auf dem Silbertablett serviert, wie es bei Kopfhörern mit einer prominenteren Höhenwiedergabe der Fall ist. Aus meiner Sicht ist dies aber ein gelungener Kompromiss, der die Verwendung des Blue Ella als Monitorkopfhörer bei höheren Lautstärken begünstigt.

Die Stereobühne des Blue Ella wirkt für einen Kopfhörer geschlossener Bauart erstaunlich natürlich, nicht „überbreit“ und gefällt mir beispielsweise deutlich besser als bei meinem geschlossenen Audio-Technica ATH-M50, den ich gewöhnlich zum Recording einsetze. Wie bei den meisten Kopfhörern dieser Bauart profitiert auch die räumliche Abbildung des Blue Ella von der Verwendung der Crossfeed-Funktion meines SPL 2Control, ist aber im Gegensatz zu vielen geschlossenen Kopfhörern auch ohne diese Funktion zu ertragen. Entsprechend seiner Bauart kann er in Parametern wie Tiefenstaffelung und räumlicher Separierung einzelner Instrumente im unfairen Vergleich mit einem offenen, hochauflösenden Spitzenmodell wie dem K812 nicht ganz mithalten und liefert dennoch ein mehr als zufriedenstellendes Bild ab.

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