Blog_Folge
Feature
2
11.02.2016

B.log - Vocals mischen – schon beim Aufnehmen

Warum macht man etwas bei Snare, Bassdrum und Cabinet, bei Stimmen aber fast nie?

Hallo allerseits.

 

Sagt mal: Geht es nur mir so, oder kennt ihr es auch, dass keines der verfügbaren Mikrofone es packt, eine Gesangsstimme so einzufangen, wie Stimme, Song und wahrscheinlich Mix es wirklich benötigen? 

Letztens habe ich mit dem grandiosen Coles 4038 an den Vocals nicht das Gefühl gehabt, dass das Low-End straff und trocken genug ist. Die Lösung war ein DPA 4009, also eine Druckempfänger-Kugel, die ich zusammen mit dem Coles-Bändchen aufgebaut habe. Bei ungefähr 200 Hz lag das Crossover: Das DPA wurde mit einem Tiefpass-, das Ribbon mit einem Hochpass gefiltert. Ich habe auch mal das Top-End von einem Kleinmembran-Kondensatormikrofon, den Hauptteil des Signals (es muss unterhalb von ca. 6 kHz gewesen sein) von einem Shure SM 7B aufzeichnen lassen. Durch die beiden Filter hatte ich dann auch noch ganz gemütlich Kontrolle über Schärfe und Präsenzen. 

Ich find's total praktisch, doch sehe ich so eine Vorgehensweise kaum und höre/lese fast nicht davon. Dabei ist es bei einem Gitarrenverstärker das Normalste der Welt, dass mit mehreren Mikrofonen gearbeitet wird. Und auch bei Vocals ist ja eine Menge denkbar, also räumlich versetzte (vielleicht identische) Mikrofone, um schön über Phasenunterschiede und mit zusätzlichen kurzen Delays neue Farben zu erhalten und sogar wirklich enorme Veränderungen zu erzielen. 

Was spricht dagegen? Ok: "Natürlichkeit" kann flöten gehen. Aber sind wir mal ehrlich: Ein Großmembran-Kondensatormikrofon, besonders mit Röhre oder FET und Übertrager, womöglich noch nah besprochen – das klingt bestimmt nicht natürlich. Natürlichkeit bekommt man mit Schoeps-Kugeln und ultracleanen Preams hin.

Oder ist es, dass man Sänger nicht unbedingt vor einer Armada an Gerätschaften positionieren will, sondern einfach vor ein schönes Mikrofon pflanzen will, das schön und teuer aussieht und seinen Zweck erfüllt? Ich kann mir schon vorstellen, dass so mancher Vokalinterpret Angst bekommt, wenn er auf mächtig viel Gestänge, Kabel und dergleichen blickt. So ein Array aus zwei, drei Mikrofonen plus Poppschutz etc. wirkt ja schnell unheimlich. 

 

Wie haltet ihr`s?

Und wenn ihr sagt: "Da habe ich mich echt noch nie mit befasst…", dann würde ich sagen: Probiert das doch mal aus! Ein Mikro mehr mit aufnehmen und dann im Mix mehr Kontrolle und weitere Optionen zu haben, das ist Gold wert!

 

Beste Grüße,

Nick Mavridis (Redaktion Recording)

Verwandte Artikel

User Kommentare