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6
16.11.2015

B.log – Judith Holofernes über das Texten

„Ein guter Song findet seinen Weg“

Letztes Wochenende war ich auf der Operation Ton #9 hier in Hamburg. Einem leicht durchgeknallten Musikkongress mit fabelhaften Gästen und mega Input zum kreativen Kopföffnen und Querdenken. Erste Gäste waren Dieter Meier von Yello und Friedrich Lichtenstein („Leider Geil“). Letzter Gast war Judith Holofernes, die vom Musikjournalisten Linus Volkmann zum Thema Ton und Text befragt wurde.

Linus redete mit Judith über das Attribut „Generations-Sprachrohr“ (Judiths Antwort: „Ich fühle mich weder meiner Generation noch einer anderen zugehörig“), ihr neues Buch mit Tiergedichten und ihre, noch ganz frische, Songwriting-Kollaboration mit Teitur (dem wirklich grossartigen Singer-Songwriter von den Färöer Inseln). Alles voll spannend. Am meisten haben mir aber Judiths Statements über das Texten gefallen. Ich gebe sie hier mal unkommentiert wieder:

1. Ein Song muss etwas wollen. Eine innere Dringlichkeit haben.

2. Man muss sich erlauben, viele schlechte Texte zu schreiben.

3. Man muss Songs / Texte schnell schreiben. Wenn ein Song zu verkopft wird, dauert es zu lang und er wird nicht gut. Nicht zuviel über die Texte nachdenken.

4. Ein guter Song findet seinen Weg.

5. Tipp: Einen Text nicht sklavisch chronologisch sondern „sternförmig“ in alle Richtungen schreiben. Danach erst die Teile sortieren und in eine Reihenfolge bringen.

6. Viel mit Groove experimentieren. Elemente aus dem HipHop und der Spoken Word Tradition in den Pop Text holen.

7. Ideen sammeln. Manchmal muss die Zeit erst reif werden für einen Text. Den Text nicht erzwingen, sondern abwarten. Sich erlauben (für den Moment) aufzugeben.

8. Textideen nicht zu Grabe tragen, wenn sie nicht gut oder fertig werden. Können später Auszüge für andere Texte werden oder als Vierzeiler auf Twitter weiter benutzt werden.

9. Ruhig Texte aus einer anderen Position schreiben. Nach dem Motto: Jemand müsste mal als ....(Person auswählen) einen Text über....(Thema auswählen) schreiben. Diesem Impuls hat Judith früher nie nachgegeben. Macht sie heute aber. Heute schreibt sie „alles, was ihr in den Kopf kommt“.

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