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22.05.2017

B.log - 3 Sounddesign-Tricks, die du kennen solltest

Profi-Tipps zur Synthesizer-Programmierung

Deine Synthesizer-Sounds sind leblos und langweilig? Das muss nicht sein! Mit diesen drei einfachen Tricks zur Synthesizer-Programmierung kannst du sie aufpeppen! 

Noch mehr Tipps und Tricks zu Sounddesign und Synthesizer-Programmierung findest du zum Beispiel in unserem Workshop Synthesizer Basics und im Crashkurs Synthesizer und Sounddesign!

1. "Analoge" Schwebungen mit einem LFO erzeugen

Analoge Vintage-Synthesizer aus den 1970er und 1980er Jahren sind nicht zuletzt deshalb so beliebt, weil ihre spannungsgesteuerten Oszillatoren (VCOs) nicht hundertprozentig stimmstabil sind. Statt exakt die „richtige“ Stimmung beizubehalten, wie es digitale Synthesizer können, schwanken ihre Oszillatoren leicht im Tuning. Dadurch entstehen Schwebungen, die zu dem viel beschworenen „warmen“ Klang beitragen.

Um dieses Verhalten bei digitalen Synthesizern oder Plug-ins zu simulieren, kann man sich eines LFOs bedienen. Am besten klappt das, wenn er eine zufällige Random-Schwingung mit geglättetem (also nicht stufigem) Verlauf bietet, weil sich die zufälligen Tonhöhenschwankungen analoger VCOs damit am besten nachahmen lassen. Aber auch mit einem Dreieck- oder Sinus-LFO kann man durchaus Leben in die Bude bringen. Stell den LFO auf eine langsame Rate ein und moduliere damit ganz leicht die Tonhöhe des Oszillators. Bei Sounds mit mehreren Oszillatoren genügt es oft schon, einen davon zu modulieren.

Hier ist ein einfacher Bass vom Logic-Synth ES2 zu hören. Er besteht aus zwei gleich gestimmten Sägezahn-Oszillatoren und einem Rechteck eine Oktave tiefer:

Wenn man nun einen der beiden Sägezähne mit einem stufenlosen, langsam eingestellten Random-LFO ganz leicht moduliert, klingt das so (alle anderen Settings sind gleich geblieben):

2. Bass-Boost per Hochpassfilter

Eigentlich ist ein Hochpassfilter ja dazu da, die tiefen Frequenzen aus dem Klang zu entfernen. Daher klingt diese beliebte Technik vielleicht zunächst etwas paradox. Tatsächlich eignet sich ein resonanzfähiges Hochpassfilter vorzüglich dafür, Sounds ordentlich Druck im Bassbereich zu verpassen. Dabei macht man sich zunutze, dass bei hoher Resonanz eine starke Betonung des Bereichs rund um die Cutoff-Frequenz auftritt. Wenn man das Hochpassfilter so einstellt, dass es kaum Bässe „abschneidet“, sondern stattdessen mit nur ganz leicht aufgedrehtem Cutoff und viel Resonanz den Bassbereich betont, wackeln die Wände. Die Einstellung ist filigran und sollte genau austariert werden, damit der richtige, zum Song passende Bereich hervorgehoben wird. Der Trick funktioniert am besten bei Synthesizern, die zwei in Reihe geschaltete Multimode-Filter besitzen oder aber die berühmt-berüchtigte Kombination aus hintereinander angeordneten Hochpass- und Tiefpassfiltern wie bei der Korg MS-20 Familie.

Hier ist ein Bass aus dem Sequential Prophet-6 zu hören, der ebenfalls eine solche Kombination aus Hochpass und Tiefpass besitzt:

Und hier der gleiche Sound mit dem ganz leicht aufgedrehten Hochpassfilter mit viel Resonanz:

3. Eigenschwingung des Filters nutzen

Bei vielen Synthesizern beginnt das Filter bei viel Resonanz selbst zu schwingen und erzeugt einen Sinuston, man spricht dann von Eigenschwingung oder Selbstoszillation. Das kann man sich als Klangquelle zunutze machen und kreativ einsetzen. Die Cutoff-Frequenz entspricht dann dem gehörten Ton, man kann das Filter also mit dem Cutoff "stimmen". Wenn man nun das Keytracking auf 100% aufdreht, kann man mit dem selbst schwingenden Filter auf der Tastatur Melodien spielen. 

Beim folgenden Sound aus der Novation Bass Station II sind die beiden Oszillatoren, der Suboszillator und der Rauschgenerator im Mixer alle auf Null herunter geregelt, zu hören ist nur das schwingende Filter. Das Modulationsrad steuert die Intensität eines LFOs zur Filtermodulation, was ein Vibrato erzeugt. Mit dem Aftertouch wird die Geschwindigkeit des LFOs geregelt. Dann noch ein bisschen Hall aus der DAW, und fertig ist das Pseudo-Theremin!

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