Software iOS
Test
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07.04.2017

Blocs Wave iOS Test

Mini-DAW für iPhone und iPad

Die „smart and friendly“ Nerds von Novations Tochterfirma „Blocs“ haben mit der Launchpad App bereits einen digitalen iOS-Ableger ihrer erfolgreichen Hardware entwickelt: eine Sample-Batterie, die ihren Fokus auf Remixen und Abspielen von geloopten Clips setzt. Ein Manko der App war unter anderem das nicht vorhandene Sample-Editing. Audio kann damit nur über Umwege bearbeitet werden, der ansonsten gute Workflow der Anwendung ist dadurch stark holprig. Abhilfe verspricht die Schwester-App „Wave“, die mit dem letzten großen Update quasi mit Launchpad verschmolzen wurde. Das perfekte Team?

Details

Wave ist hauptsächlich für ein schnelles Experimentieren und Arrangieren von Sounds gedacht, quasi eine Art virtuelles Notizbuch zum Festhalten für zuhause oder unterwegs entstandene Ideen. Um schnell einsteigen zu können, ist Wave mit diversen Sounds ausgerüstet, verschiedene Bässe, Drums, FX-Sounds, Melodien, Percussions und Vocals stehen nach Erwerb der App für 2,99 Euro zur Verfügung. Zusätzliche Sample-Packs bekommt man im Content-Store.

Ganze 48 Pakete sind hier im Angebot und bieten eine feinfühlige Auswahl von „India Chime“ (einer Kombination aus klassisch-indischen Instrumenten wie der Sitar und modernen elektronischen Sounds) bis „Urban Harmonics“ (Big Drums mit softeren Pads).

Für den Preis von 1,99 € sind 48 Loops enthalten, 24 gibt es für 0,99 €, auch kostenfreie Zusammenstellungen wie beispielsweise „Chiptune“ werden hin und wieder eingestreut. Die sehr modern wirkenden und schön aufgemachten Inhalte werden laufend aufgefrischt und ergänzt und bieten damit genügend Abwechslung für Liebhaber verschiedener Genres.

Das Prinzip der App: Im Grunde gibt es nur einen Hauptbereich, in dem alle Funktionen untergebracht sind. In der Mitte des Geschehens steht der Looper, hier geben Clips hineingeladene Audiospuren wieder, acht dieser bestückbaren Module warten auf ihre Wiedergabe.

Direkt darüber liegen sechs weitere dieser Looping-Sektionen, jeweils eine kann davon aktiv ausgewählt werden. Die restlichen füllt man mit alternativem Material wie Intro, Hauptteil oder Outro, um in der Wiedergabe variieren zu können. Insgesamt sind also 48 Clips belegbar – genug, um auch komplexere Track-Ideen aufzufangen und zu arrangieren.

Unter den einzelnen Clips werden die drei Untermenüs „Inhalte“, „Editing“ und „Aufnahme“ mit jeweils weiteren Unterpunkten hinzugeschaltet. Im Inhalt-Manager sucht man die Inhalte der Clips aus, die nach Sample-Packs, Instrumenten, Stilrichtungen und eigenen Aufnahmen sortiert sind, auch der Content Store wartet hier auf. Besonders auffällig ist die Discover-Ansicht. Hier liegt eine Art Wabe, mit der die Clips bestückt werden. Zwischen den Bass-, Drums- und Percussions-Slots liegt der Auto-Slot, der die Loops praktischerweise zufällig aussucht und in den ausgewählten Clip lädt.

Im Editing-Bereich packt man die Audiodateien in einen Loop oder zerstückelt und fügt sie im Slice-Mode in ihren Einzelteilen und neu zusammen. Wiederholungen sind von ¼ bis 8 Takte möglich, mit der Slip-Funktion können die Sounds noch zusätzlich in den Offbeat verschoben werden. „Slice“ erweitert das Layout der App um vier Pads, die die entsprechenden Slice-Sektionen triggern. Der aktivierte Loop wird dabei automatisch in diese vier Slices (auf dem iPad auch acht) zerlegt und dann in der darüberliegenden Timeline neu kombiniert. Eine Random-Funktion, die willkürlich einzelne Parts verknüpft, bringt unerwartete Kreationen hervor. Gut gelöst: Trotz Glas-Display kann mit Velocity gespielt werden, je weiter oben das Pad getroffen wird, desto lauter ist der getriggerte Sound – das gibt den erstellten Tracks zusätzliche Komplexität.

Für die weitere Bearbeitung der Samples stehen ein Volume-Fader und Panorama-Panning zur Verfügung. Exportiert wird eine einzelne Audiodatei in AAC oder WAV. Praktischerweise können die Audiodateien per Apple-Message, E-Mail, Whatsapp oder iCloud Drive versendet werden, der Import einzelner Sounds erfolgt über Retronyms AudioCopy oder auch wieder iCloud Drive.

In der Aufnahme-Sektion wählt man neben der Lautstärke des Eingangssignals zwischen automatischen 1-, 4- oder 8-taktigem Loop-Rahmen oder endloser Aufnahme, die einmalig getriggert wird. In den Einstellungen legt man die Count-In-Zeit zwischen einem und vier Bars, den Input (beispielsweise das Mikrofon des iPhones oder einen Adapter) und Mono-/Stereo-Aufnahme fest. In der Projektleiste verwaltet, speichert und lädt man die mit Waves erstellten Projekte. In den generellen Einstellungsmöglichkeiten befinden sich neben einigen kleineren Layout-Einstellungen auch die Aktivierung von Ableton Link und ein Maximizer, der die App lauter werden lässt.

Um immer auf dem neuesten Stand in Sachen Sample-Packs und Updates zu sein, bietet Waves auch eine News-Rubrik. Da laut Hersteller wöchentlich neue Inhalte eingepflegt werden, ist das auch wirklich mal sinnvoll. Hier sind neben einigen Social-Media-Kanälen und Rabattaktionen auch hochwertige YouTube-Tutorials verlinkt.

Jedem Projekt wird eine festgelegte Tonart zugewiesen. Die Sounds der Sample-Packs und die eigenen Aufnahmen, sofern sie im richtigen Key abgespeichert wurden, pitchen sich dann automatisch in den passenden Bereich. Dank Timestretch-Engine bleibt die Länge der Loops dabei gleich. Das generelle Tempo lässt sich ohne Kommazahlen per -/+-Tastern und mit einem TAP-Button bestimmen.

Waves bietet mehrere Möglichkeiten, die eigenen Kreationen zu exportieren. Neben einzelnen Samples sind auch ganze Loop-Sektionen versendbar. So lässt sich die jeweils ausgewählte Gruppe mit einer Länge von 1-16 Bars oder automatisch auf den Inhalt eingegrenzt im Format AAC oder WAV verschicken – auch hier sind E-Mail, Whatsapp, iCloud und mehr möglich. Die acht einzelnen Spuren sind dann zu einer Summe zusammengefasst.

Auch ganze Projektordner lassen sich exportieren, beispielsweise, um an einem anderen iOS-Gerät weiterzuarbeiten. Ein wenig merkwürdig ist hier, dass auch Apples Health-App als mögliches Ziel angeboten wird (was natürlich nicht funktioniert), so ganz ist dem Braten der vielen Möglichkeiten also nicht zu trauen. Immerhin, die anderen Ziele funktionieren.

Spannend ist das Exportieren des Projekts als Ableton Live Set. Alle Spuren der sechs Sektionen werden als ZIP-Datei für die Berliner DAW bereitgestellt. Sobald man das Set öffnet, sind die einzelnen Loops ordentlich in Ableton Clips überführt, sehr cool!

Als letztes steht der Export zur Schwester-App Launchpad zur Verfügung, sofern man in dieser das kostenpflichtige Audio-Import-Feature für 6,99 € erworben hat. Die Wave-Clips werden dann in Launchpad mit dem gleichen Material belegt.

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