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Test
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15.06.2016

Beyerdynamic TG D71c Test

Bassdrum-Grenzflächen-Mikrofon

In der Fläche liegt die Kraft

Bei der Abnahme von Bassdrums gibt es viele unterschiedliche Philosophien. Die einen schwören auf die klassische „Ein-Mikrofon-Lösung“, bei welcher ein (meistens dynamisches) Mikro in oder vor der Bassdrum platziert wird. Andere wiederum schätzen es besonders im Studio, sich den passenden Sound aus vielfältigen Optionen zusammensetzen zu können, die sie durch den Einsatz mehrerer Schallwandler erhalten. Beliebt ist die Kombination aus einem dynamischen und einem Kondensatormikrofon, manche verwenden auch umfunktionierte Lautsprecher als Subbass-Fänger, sofern sie kein Geld für fertig konfektionierte Produkte wie den Solomon LoFreQ ausgeben mögen. Und dann gibt es die „Grenzfläche rein und fertig“-Fraktion. Besonders im Live-Betrieb schätzen Tonleute den konkreten Anschlags-Kick dieses Mikrofontyps, großartige Bearbeitung mit dem Equalizer ist manchmal kaum noch nötig.

Obwohl Grenzflächenmikrofone auch in anderen Anwendungsbereichen funktionieren können, beispielsweise als Konferenz- oder Theatermikrofone, gelten sie als „One Trick Ponys“, also Geräte, die nur eine Sache wirklich gut können. Daran ist nichts schlecht, ob unser Testpony den Trick, durchsetzungsstarke Bassdrums und Cajons aufzunehmen, beherrscht, lest ihr auf den folgenden Zeilen. 

Details

Wie funktioniert ein Grenzflächenmikrofon eigentlich?

Das allgemeine Konstruktionsprinzip eines Grenzflächenmikrofons besteht – sehr verkürzt erklärt – darin, dass es nicht frei im Raum aufgehängt, sondern eben auf eine direkt angrenzende Fläche gelegt oder darauf befestigt wird. Die Größe dieser angrenzenden Fläche bestimmt dabei, wie weit der Frequenzgang des Mikrofons hinab reicht. Mit der mechanischen Begrenzung des Schalleinfallswinkels soll zudem eine deutliche Verringerung von Phasenproblemen einhergehen, als Richtcharakteristik besitzen Grenzflächenmikrofone die Form einer halben Kugel oder einer halben Niere. Ein weiterer Vorteil der in Kondensatortechnik ausgelegten Konstruktion stellt der Druckstau zwischen Membran und Grenzfläche dar, welcher zu einer Verstärkung des Schalldrucks um bis zu 6 dB führen kann. Dieser Wert wird bei der Montage auf Platten oder an Wänden oft nicht erreicht, in der „Druckkammer“ Bassdrum allerdings schon. Deswegen ist es eben gerade dort so beliebt. 

Das TG d71s ist sehr solide und kompakt gebaut

Dass Grenzflächenmikrofone viel Platz einnehmen, kann man nicht behaupten, dazu trägt schon die Plattfisch-artige Form bei. Trotzdem legt das TG d71c noch einen drauf, oder besser: einen drunter: es ist noch einmal deutlich kleiner als die Konkurrenten aus dem Hause Shure, Sennheiser und Audio Technica. Dabei liegt es extrem solide in der Hand, das Ganzmetallgehäuse wirkt, als könnte man versehentlich drauf treten, ohne damit nennenswerten Eindruck zu hinterlassen. Mehr dazu lest ihr unten im Praxisteil, ich habe das nämlich ausprobiert. Formal erinnert es mit seinem runden Rücken an eine Art Wall, statt eines Gitters sorgen kleine Löcher auf der Oberseite des Gehäuses dafür, dass der Schall seinen Weg zur Membran finden. 148 dB Grenzschalldruck soll das Beyerdynamic vertragen, es liegt damit unterhalb des Konkurrenten Shure Beta 91A, welches 155 dB verdauen kann, wirklich relevant ist der Unterschied allerdings in der Praxis nicht. Neben einem Transporttäschchen findet sich in der Verpackung auch noch ein Zettel mit der Aufschrift „Produktinformation“. Dreht man ihn um, wird man breit angelächelt. Die aufgedruckte Frequenzkurve entspricht nämlich dem klassischen „Smiley“, zumindest, wenn man das Gerät verwendet, wie es die meisten tun werden: in naher Aufstellung zur Schallquelle. Wir haben es hier also mit einer starken Bass- und Höhenpräsenz zu tun, die ihre Maximalpegel bei etwa 50 beziehungsweise 5500 Hertz findet. Als Kondensatormikrofonbenötigt das TG d71c Phantomspeisung, liegt diese an, leuchtet ein kleines LED-Lämpchen neben der XLR-Buchse. Bedienelemente befinden sich keine am Testobjekt, auf die Option, das Mikrofon technisch an unterschiedliche Anwendungsbereiche anzupassen (wie sie beispielsweise das Shure bietet) muss der TG-User verzichten. 

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