Hersteller_Beyerdynamic
Test
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25.11.2013

Praxis

Verwendungszweck

Als geschlossener Kopfhörer bietet der DT 770 PRO eine gute Schallisolation nach wie auch von außen. Er ist pegelfest, sodass er sich auch gut zum lauten Monitoring bei der Aufnahme von Musikern eignet und selbstverständlich auch beim FOH-Mix eingesetzt werden kann. Faltmechanismen gibt es nicht, er bleibt somit sehr sperrig. Als DJ-Kopfhörer ist er also nicht zu empfehlen; legt man einfach mal den DT 770 PRO um den Hals, fühlt man sich, als würde man eine Halskrause tragen.

Tragekomfort

Mit 280 Gramm gehört der Beyerdynamic DT 770 PRO eher zu schwereren Modellen, aber nicht zu den schwersten im Umfeld unseres Testmarathons. Was das lange Tragen von Kopfhörer mit Bügeln anbelangt, bin ich sehr empfindlich, was den Druck auf den Kopf von oben anbelangt, soviel vorweg. Das dauerhafte Tragen des DT 770 PRO führt bei mir somit nach ca. 1,5 Stunden definitiv zu Verspannung und nach 3 Stunden zu leichten Kopfschmerzen. Ich bin da aber sehr empfindlich. Musiker werden im Studio den Kopfhörer öfters absetzten und entsprechende Pausen einlegen. Also nicht falsch verstehen! Der DT770 PRO ist bequem und sehr anschmiegsam. Darüber hinaus sitzt er auch entsprechend „Headbanging“ fest. Zum Vergleich: SRH-840 und SRH-940 drücken etwas weniger auf die Ohren.

Die Ohrmuscheln sind auf zwei Achsen minimal beweglich, passen sich aber dennoch gut den Ohren an. Eine Ohrmuschel nach hinten an den Hinterkopf zu legen, ist grundsätzlich möglich.

Klang

Ich habe auch jeden Kopfhörer innerhalb unseres Testmarathons an verschiedenen Kopfhörerausgängen bzw. Verstärkern betrieben, um meine Aufmerksamkeit auf den Kopfhörer selbst und nicht auf den Verstärker zu lenken. Von günstig bis etwas teurer waren dabei folgende Kandidaten vertreten:

  • iPhone 4S
  • MacBook
  • RME Fireface UFX
  • Drawmer MC2.1

Weiterhin habe ich diverse akustischen Experimente durchgeführt und viele verschiedene mir bekannte Mixe angehört, um den Charakter der einzelnen Kopfhörer zu isolieren. Unter anderem sind folgende Alben in „Heavy-Rotation“ gelaufen:

  • Daft Punk – Tron (O.S.T)
  • Clint Mansell – The Fountain (O.S.T)
  • 50 Cent – The Massacre
  • NIN – The Fragile
  • Depeche Mode – Violator
  • Rabih Abou Khalil – Blue camel

Weiterhin habe ich zum Abgleich mit Peter Könneman auch folgende Stücke gehört:

  • Charlie Haden – Cancion a Paola
  • Johnny Cash – Desperado
  • Skrillex – Bangarang
  • Rihanna – Rude Boy
  • David Guetta – Sexy Bitch

Frequenzgang

Der DT 770 PRO hat eine angegebene Bandbreite von 5 Hz bis 35 kHz, was ein sehr dehnbarer Begriff ist. Aber das hatten wir ja schon mehrfach! Der Frequenzgang in Verbindung mit meinem Kopf fällt mir sofort durch seine „Bombastizität“ auf, anders gesprochen, er ist ein echter „HiFi-Schön-Macher“!

Mit kräftig satten, teils aber fast zu mächtigen Bässen und vielen angenehmen Höhen, ohne dabei zu hart, harsch oder gar anstrengend zu klingen, gibt diese „Badewanne“ genannte Abstimmung ordentlich Gas! Das macht Spaß und klingt auch wirklich gut, macht nur wichtige Mitten-Beurteilungen durch den auftretenden Maskierungseffekt zumindest etwas schwierig. Fertig gemischte Sachen, vor allem Rock und Pop, klingen somit natürlich eindrucksvoll, auch bei geringen Lautstärken. Die Bässe sind also schon stark betont, werden bei hohem Pegel aber zum Glück nicht übermäßig lauter. Die Belastungsgrenze kündigt sich durch verzerrte Mitten und Höhen an, als dass der Bass komprimiert.

Da ich eine sehr lineare Abhöre benutze, ist der DT770 PRO für mich eine Art „Konsumenten-Alternative“, um zu checken, wie der Endkonsument meine Musik wahrnimmt. Sollten die Bässe eines Mixes zu stark auf dem Kopfhörer wirken, dann sind sie das mit Sicherheit auch! Stundenlanges Editieren ist meiner Einschätzung nach mit diesem Kopfhörer aber nicht ganz so angenehm.

Impulsverhalten

Die Darstellung von Transienten ist ebenfalls gut, es gibt in unserem Testumfeld aber auch Kandidaten, welche noch etwas schneller und knackiger agieren. Beispielsweise wäre etwa der teurere und halboffene DT 880 PRO aus gleichem Beyerdynamic Hause zu nennen. Diesen finde ich vor allem für generelle Editing-, Mix- und Mastering-Aufgaben besser geeignet, da er nüchterner und luftiger klingt. Ansonsten bleibt an dieser Stelle noch der beeindruckend schnelle Ultrasone Signature Pro zu nennen, welcher aber auch gleich mal das Fünffache kostet. Interessante Alternativen für einen ähnlichen Preis sind aber auch der Audio Technica ATH-M50 sowie der Shure SRH-840.

Räumliche Abbildung

Für einen geschlossener Kopfhörer vermittelt der Beyerdynamic Klassiker eine sehr gute Lokalisierung in der Stereobreite, die sehr weit und breit angelegt ist. Dieser Eindruck entsteht sicherlich auch dadurch, dass die Treiber relativ weit vom Kopf weg platziert sind. Einzelne Instrumente und deren Platzierung auf der Stereobühne sind sehr gut und differenziert heraus hörbar. Auch die Tiefenstaffelungen ist gut. Der SRH-940 klingt hingegen beispielsweise deutlich direkter. Der Beyerdynamic DT 880 PRO wiederum klingt nicht ganz so beeindruckend breit und weit, gefällt mir aber trotzdem besser, weil er eben weit weniger zaubert und deutlich linearer ist.

Unterschiede der beiden Impedanz-Varianten:

Für mich waren trotz größter Anstrengungen an meinen Kopfhörerverstärkern keine Unterschiede zwischen der 80 Ohm- und 250 Ohm-Variante festzustellen außer einem geringen Pegelunterschied, welcher sich aber ohne weiteres an meinen professionellen Verstärker ausgleichen ließ. Am iPhone war die 250 Ohm-Variante allerdings schon leiser als die 80 Ohm-Variante, der ich hier klar den Vorzug lasse. Meine Entscheidung würde ich von dem Kabel abhängig machen, also das glatte Anschlusskabel der 80 Ohm-Variante bevorzugen, weil man sich damit einfach weniger verheddert.

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