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Test
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17.06.2018

Bettermaker 502P und 542 Test

Zwei API-500er-EQ-Module

Bessermacher

Die beiden Module 542 und 502P für das API-500er-Racksystem gehen direkt auf den 19"-Equalizer 232P von Bettermaker zurück. Der Name der Firma entspricht offenbar ihrem Gründungsgedanken. Marek Walaszek berichtet, er habe nach einer Möglichkeit gesucht, analoges Equipment in Mixe oder Master einzubinden, die über längere Zeiträume mit Kunden abgesprochen werden. Dazu braucht man natürlich die Möglichkeit, alle Einstellung exakt wieder herzustellen. In der analogen Welt war man lange Zeit auf das Notieren oder Fotografieren von Setups angewiesen, die sich ohne Rasterpotis zudem nur ungefähr wieder rekonstruieren ließen. Er fasste also den Plan, es besser zu machen. Heraus kam nach etwa einem Jahrzehnt Entwicklungsarbeit ein EQ, der eine voll analoge Schaltung mit digitaler Steuerung und Speicherplätzen verband: der 230P. Und offenbar war es Marek Walaszek auch in einem anderen Punkt mit dem Firmennamen ernst. Weil der 230P zwar gut ankam, aber Kritik wegen des relativ geringen Arbeitspegels von +18 dBu und der Wunsch nach einer USB-Anbindung laut wurde, brachte er den 232P mit +24 dBu und USB-Interface auf den Weg. Man möchte es also besser machen.

Im Jahr 2013 stellte Bettermaker dann auf der AES in New York die beiden API-500er-Rackmodule 542 und 502P vor, von denen der 542 (bis auf die fehlende stufenlose Durchstimmbarkeit der Passfilter) laut Hersteller exakt dem parametrischen Teil und der 502P exakt dem passiven Teil des 232P entspricht. Diese beiden Module sind es nun, die ich hier näher betrachten werde.

Details

Übersichtliches Panel mit blendenden LEDs

Beide Module sind übersichtlich gestaltet und machen einen sehr hochwertig gefertigten Eindruck. Sowohl der Bettermaker 502P als auch der 542 sind zweikanalige Einheiten, die sich als Dual-Mono- oder Stereo-Einheit nutzen lassen, die Bedienelemente können zwischen Kanal 1 und Kanal 2 umgeschaltet werden oder im Link-Modus beide zugleich steuern. Schon allein dadurch gewinnt die Bedienbarkeit gegenüber rein analogen Einheiten enorm.

Die Frontpanels bieten silberfarben glänzende Endlospotis und Drucktaster vor einen schwarzen Hintergrund. Die Potis sind jeweils mit einem Ring weißer LEDs versehen, der die Position anzeigt, weitere Einstellungen werden mit roten oder weißen LEDs angezeigt. Unter der Regelsektion für die Klangparameter befindet sich bei beiden Modulen eine USB-Anbindung, eine Anzeige für numerische Werte und ein Wahlpoti für die 399 Speicherplätze. Ebenfalls dort liegt der Schalter, der das Bedienpanel zwischen linkem und rechtem Audiokanal oder dem Link-Modus umschaltet.

Beim Einschalten fällt mir zunächst sprichwörtlich ins Auge, dass die Wahl weißer LEDs in Kombination mit silberglänzenden Potis zwar ganz schön was hermacht, aber in der praktischen Arbeit ziemlich nervtötend ist. Ständig werde ich geblendet und muss bisweilen eine Taschenlampe verwenden, um das Kleingedruckte zu lesen. Sehr praktisch wäre hier gewesen, wenn die Werte der Schalter auf dem numerischen Display angezeigt würden. Leider ist das nur bei den Werten für die Flankensteilheit der Fall, hier kann der Hersteller sicher nachbessern.

Flüssige Bedienbarkeit

Es gibt beim ersten Anfassen gleich ein paar Dinge, über die ich mich freue. So sind die Potis geschwindigkeitsempfindlich: Bei langsamer Drehung erhalte ich sehr feine Abstufungen, bei schnellem Zugriff komme ich zügig in andere Bereiche. Das ruckelt beim 542 ein klein wenig, macht aber insgesamt Spaß. Auch sonst ist Bedienung intuitiv, so brauchte ich kein Handbuch, um zu entdecken, dass ein langer Druck auf den Wahlschalter für Kanal 1 oder 2 die Kanäle verlinkt, so hätte ich es auch erwartet. Ein tolles Feature ist der Doppeldruck auf das Preset-Poti: Damit setzt man augenblicklich alle Werte zurück. Gerade in diesem Zusammenhang ist es übrigens beruhigend zu wissen, dass die Module über einen Undo-Speicher verfügen.

Problemchen beim unsymmetrischen Betrieb

Die Schale macht also mit kleinen Einschränkung einen guten Eindruck, das ist schon mal eine schöne Sache. Bei einem Blick hinter die Fassade fällt zunächst auf, dass der Hersteller massive Stahlplatten zwischen den digitalen und analogen Elementen angebracht hat, was unter anderem für den hervorragenden Störgeräuschabstand sorgen dürfte. Beide Module sind dicht gepackt mit analoger Technik. Beim Anschluss an mein (altes) analoges Pult muss ich mich erst ein bisschen wundern, weil der Pegel im Bypass-Modus deutlich höher liegt als im "Engage"-Betrieb. Das gestaltet Dry-/Wet-Vergleiche etwas lustig. Es stellt sich heraus, dass der Pegelunterschied damit zusammen hängt, dass mein Steckfeld unsymmetrisch ist, nicht gänzlich unüblich übrigens bei analogen Konsolen. Sobald ich die Module symmetrisch beschicke, ist dann aber alles paletti. In modernen Setups, die immer symmetrisch funktionieren, ist das Gerät also bestens aufgehoben. Was nun den eigentlichen Sound angeht, kann man sagen, dass die beiden Module zwar eine Art von charakterlicher Verwandtschaft zeigen, aber aus zwei grundverschiedenen Welten stammen.

Der 502P folgt dem Konzept eines Pultec EQP-1

Der 502P bietet die Regelmöglichkeiten eines klassischen EQP-1 Derivats: also HF beziehungsweise LF Boost und Attenuation, wobei die Höhensektion in der Flankensteilheit und einzeln im Frequenzbereich regelbar ist. Die Bässe verfügen über eine feste Bandweite und teilen sich die Frequenzwahl. Höhen lassen sich in sieben Schritten zwischen 3 und 16 kHz wählen und um bis zu 10 dB anheben, wobei vier Bandweiten wählbar sind. Die Absenkung der Höhen erfolgt bis zu 10 dB bei 5, 10 oder 20 kHz. Im Bassbereich lassen sich 20, 30, 60 oder 100 Hz um bis zu 10 dB anheben und absenken. Die Besonderheit des "Pultec-Style"-Konzepts ist, dass Anhebung und Absenkung über getrennte Potis gesteuert wird, also auch gleichzeitig erfolgen kann. Obwohl es auf den ersten Blick unsinnig erscheinen mag, dieselbe Frequenz gleichzeitig anzuheben und abzusenken, ergeben sich aus der Veränderung der Phasenlage interessante und nützliche klangliche Verschiebungen, wenn man das tut. Das ist als "Pultec-Trick" bekannt:

Der 542 ist ein klassischer vollparametrischer EQ

Der 542 bietet zwei Sets aus jeweils einem Poti für Frequenzwahl und Boost/Cut um bis zu 15 dB und jeweils zwei +/- Tastern zum Ändern der Flankensteilheit. Die Frequenzen sind zwischen 45 Hz und 1 kHz bzw. 650 Hz und 15 kHz nahezu stufenlos wählbar und die Flankensteilheit kann zwischen 0.,3 und 3 Oktaven eingestellt werden. Beide Bänder lassen sich separat bypassen. Außerdem verfügt der 542 über einen High -Pass- und einen Low -Pass -Filter, die mit 24 dB/Okt. bei 30/60/120/240 Hz und 3/5/8/12 kHz greifen und true bypassbar sind.

Gewöhnungsbedürftig ist die Idee, beim 542 das tiefe Band oben und das hohe Band unten zu platzieren. Ich greife immer erst daneben.

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