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28.03.2016

Besser Mixen – Pop-Kickdrum mischen

Yoad Nevo im Interview: 5 Tipps zum Mischen im Homestudio

Serie: Top-Producer helfen mit Ratschlägen

Hallo Yoad, beim letzten Mal hast du uns ja schon einen kleinen Einblick in deinen persönlichen Workflow gegeben. Schön, dass du dir wieder mal die Zeit für ein Interview auf bonedo nimmst. dein Name ist längst zu einer Art Marke geworden. Wenn die Leute an „Yoad Nevo“ denken… Was denkst du selbst, wofür dein Name steht?

In meinen Anfangstagen ging es mir vor allem um Innovation und um meinen Mut, mir ganz neue Herangehensweisen anzueignen, neue Techniken umzusetzen und mich nicht durch traditionelle Methoden und Tontechnikschulen ausbremsen zu lassen. Heutzutage habe ich zwar mehr Erfahrung, aber ich würde mir wünschen, dass die Leute, wenn sie an mich denken, all das immer noch im Hinterkopf haben. Den Mut zu Innovation, die Originalität und die enorme Erfahrung, die ich über die Jahre gesammelt habe.

Ein Tag hat für jeden von uns nur 24 Stunden… dennoch bist du an wahnsinnig vielen Projekten beteiligt: du produzierst, mischst, masterst und entwickelst sogar Plug-Ins. Wie organisierst du all das?

Ich mag es einfach abwechslungsreich. Das hält mich zugleich aufmerksam und fokussiert. Ich arbeite zum Beispiel zwei Stunden an einem Mix, dann mache ich etwas anderes. Vielleicht mache ich das Mastering für einen Track, den ich noch auf dem Zettel habe. Dann schreibe ich einen Song. Die Entwicklung für Waves ist immer präsent, sodass sie mir ständig im Kopf rumspukt und es gibt immer etwas zu erledigen. Deshalb sorge ich dafür, dass ich mir ein paar Stunden pro Tag dafür reserviere.

Und deine Produktionen? Bleiben die dann auf der Strecke?

Aufgrund der heutigen Technik lässt sich ja problemlos an unterschiedlichen Produktionen gleichzeitig arbeiten, wodurch ich das Pult nicht über Nacht unangetastet stehen lassen muss, bis ich die Zustimmung von der Plattenfirma bekomme, sondern kann gleich mit dem nächsten Song weitermachen. Dadurch kann ich entspannt an so vielen Songs oder Projekten arbeiten, wie zur jeweiligen Zeit nötig. Das schafft viel Freiraum und Beweglichkeit.

Das sorgt sicher auch für genügend Abstand zum jeweiligen Projekt. Deine Produktionen und Mixes sind bekannt für ihre sauberen Signaltrennungen. Hast du eine besondere Strategie, um diese tollen Ergebnisse zu erzielen?

Zunächst einmal behandle ich jedes Instrument und jede Spur mit einem Höchstmaß an Respekt. Ich sorge dafür, dass sie schon für sich genommen umwerfend klingen und eine Story erzählen. Wenn du sie dann kombinierst, können sie auch im Gesamten brillieren. Eine andere Sache, die ich immer im Fokus halte, sind die Lead Vocals. Wenn du sie zum Schwerpunkt machst, kannst du die anderen Instrumente um sie herum aufbauen. Dadurch bekommst du einen Mix, der nicht nur gut strukturiert ist, sondern mit hoher Wahrscheinlichkeit auch durchgehend gut umrissen bleibt.

Und in puncto Groove? Aufgrund der höheren Timing-Stabilität ziehen es viele Mixing Engineers vor, mit Samples oder gerenderten Audiofiles zu arbeiten statt mit virtuellen Instrumenten und/oder via MIDI. Wie sieht das bei dir aus? Mit welchem Ansatz kannst du Dich besser identifizieren?

Ich liebe meine Sammlung analoger Synthesizer, auch wenn ich Software-Instrumente für Waves entwickle und an Sample-Sammlungen mitarbeite. Ich ziehe den Sound analoger Synths stets vor. Man könnte sogar argumentieren, dass einer der Faktoren, weshalb sie so gut klingen, ihr ungenaues/unperfektes MIDI-Timing ist. Und vielleicht steuert das tatsächlich seinen Teil dazu bei. Jedenfalls würde ich immer eher dazu tendieren, eine echte analoge Basslinie oder ein Pad oder Lead-Sound aufzunehmen. Sicher, manchmal sollte man schon das Timing geradebiegen oder quantisieren, um ein paar MIDI-Mängel zu beseitigen. So erhältst du das Beste aus beiden Welten: die Stabilität und Genauigkeit des Sample-Timings und den fetten Sound analogen Equipments.

Workshop: Pop-Kickdrum

Ok, auf geht’s zum Workshop. Yoad, mit welchen fünf Schritten würdest du aus einer einfachen, standardmäßigen Kick Drum ein Signal für einen radiotauglichen Popsong zaubern?

1. Trigger-Gating der Bass Drum

Bei einer live aufgezeichneten Bass Drum würde ich zuallererst ein Gate einsetzen, um die Übersprechungen von Snare und anderen Schlagzeugelementen zu eliminieren. Das ist ein wichtiger Schritt, den man nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte. Dann würde ich die Sidechain des Gates per MIDI-Trigger ansteuern. Auf diese Weise kann ich mit den Transienten der Bass Drum arbeiten, statt mit einem Schwellenwert, der sich an der Energie des Signals ausrichtet. Das ist genauer und erfasst verschiedene Spiellautstärken deutlich besser, ohne den Einsatz des Gates zu beeinträchtigen.

2. Separation: Welche Frequenzen der Kick Drum kollidieren mit dem Bass?

Im zweiten Schritt suche ich nach einer Frequenz, die entweder mit dem Bass beziehungsweise der Basslinie kollidiert oder nicht ganz so angenehm oder sogar dröhnend klingt. Die versuche ich abzusenken und behalte im Hinterkopf, dass ich sie im Verlauf des Mixens eventuell wieder hinaufregle, damit die Kick Drum nicht allzu klein klingt.

3. Lowend-Design mit Hochpassfilter und EQ

Beim nächsten Schritt geht es darum, das Lowend zu gestalten. Dazu suche ich eine passende Frequenz, von der aus ich den Bereich abwärts mit einem Kuhschwanzfilter soweit anhebe, dass er optimal hörbar wird. Das klappt normalerweise am besten in Verbindung mit einem Hochpassfilter, das irgendwo zwischen 20 und 30 Hz einsetzt, um noch ausreichend Headroom beizubehalten.

4. Dynamik! Kompression der Bass Drum

Dann setze ich Kompression ein. Üblicherweise mit langsamem Attack, um das charakteristische Attack der Bass Drum herauszuarbeiten. Zugleich würde ich ihr Release verringern, weil das sonst zu einem unausgegorenen Bassbereich führen kann.

5. Balancing – die Bassdrum muss zu den anderen Spuren passen, um im Mix zu funktionieren

Und dann die wahrscheinlich wichtigste Sache, das Balancing der Bass Drum mit allen anderen Spuren. Dabei verändere ich all die vorherigen Schritte noch mal oder mache sie sogar rückgängig, damit die Kick Drum gut im Mix sitzt und ihren wichtigen und elementaren Zweck erfüllen kann.

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