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Test
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30.07.2019

Behringer Vocoder VC340 Test

Analoger Vocoder und Choir/String Ensemble Synthesizer

Forever young! - Klassiker in der Moderne!

Man mag über Behringers anhaltende Vintage-Trip ja denken was man will. Fest steht, dass das Engagement, mit der sich der Musikriese dem Nachbau analoger Schaltungen bei gleichzeitig Budget-freundlicher Preisgestaltung widmet, vielen Musikern ermöglicht, Vintage-Sound- und Bedienkonzepte in ihr Setup zu integrieren, die ansonsten vielleicht unerschwinglich bleiben würden.

Idealistisch betrachtet könnte man sogar sagen, dass Behringer hier rare Schätze erhält und allgemein verfügbar macht. Aber natürlich geht es hier auch um den Umsatz – stellenweise gewinnt man aber den positiven Eindruck, dass hier tatsächlich die Beweisführung der Machbarkeit, der „proof of concept“, ein gewichtiger Antrieb ist. Daneben statten Behringer deren Reinkarnationen mit zeitgemäßen Features wie MIDI-Implementation und USB aus, was ein deutlicher Mehrwert gegenüber den Originalen ist.

Ob es klanglich allerdings wirklich notwendig ist, Sound-Ideale der späten 1970er und frühen 1980er Jahre ins Jahr 2019 zu verfrachten, steht auf einem anderen Blatt und wird eher im Schlussteil zum Gegenstand dieser Betrachtung. Etwas abseits der hippen Replika von Roland 808/101, Moog Model D und Sequential Pro-1 manövriert seit Neuestem jedenfalls der VC340 – ein optisch wie klanglich ziemlich genauer Nachbau des legendären Roland VP-330 Vocoder Plus. Einem – der Name sagt es schon – Vocoder samt synthetischem String- und Chor-Ensemble, der für den Sound vieler legendärer Künstler ganz entscheidend war.

Und zwar sowohl der warm-schnarrende Vocoder, der bei Vince Clarke und Underworld genauso zum Einsatz kommt wie bei Laurie Anderson („O Superman“), wie auch die ätherisch unterfütternden Ensemble-Sounds, die bei Vangelis und Mike Oldfield genauso Verwendung finden, wie bei Kraftwerk oder Röyksopp.

Details

Hintergrund

Die Reinkarnations-Pipeline verlässt im vorliegenden Fall ein Klassiker von Roland: Der Roland Vocoder Plus VP-330. Er erblickte im Jahr 1979 das Licht der Synthesizer-Welt und konnte sich schnell eine große Beliebtheit erspielen, was nicht nur am guten Sound und – relativ – günstigen Preis, sondern auch an der hohen Funktionsdichte inklusive ausgefeilter Split-Funktionen bei gleichzeitig überschaubarem Formfaktor, und nicht zuletzt der unbegrenzten Stimmenzahl lag.

Oft sind es dabei Details, die den Ausschlag für die positive Annahme eines Instruments geben. So schätzten viele mitsingende Band-Keyboarder die Möglichkeit des VP-330, mit einem Fader das Mikrofonsignal am Vocoder vorbei, direkt auf den Ausgang zu mischen. Hätte es also zu der Zeit schon den Marketingbegriff „Performance-Instrument“ gegeben, dann wäre er wohl im Werbeprospekt gefallen.

Insofern gilt nahezu alles, was über den Vocoder Plus VP-330 zu sagen ist, auch für Behringers VC340: Es ist ein polyphoner Vocoder, der sein Carrier-Signal wahlweise intern generiert oder über den integrierten Audio-Eingang entgegen nimmt. Daneben ist er ein analoger Chor- und String-Generator, wobei beide Sektionen gleichzeitig betrieben, frei zusammen gemischt und gesplittet gespielt werden können. Dabei können Vocoder und Human Voice noch mal einem Chorus-Effekt (Ensemble) zugeführt werden, der für den Gesamtklang ausgesprochen prägend ist.

Auspacken

Der schmucklosen Umverpackung entnehme ich den eigentlichen Karton, dessen Bedruckung keinen Zweifel lässt, dass sich darin der Vocoder VC340 befindet. Mit im Karton reisen ein Stromkabel und eine mehrsprachige Bedienungsanleitung. Amüsantes Detail: Auf der letzten Seite haben Behringer ein sogenanntes „Patch Sheet“ versteckt. Eine Blanko-Darstellung des Synthesizers, um darin händisch, und zur Erinnerung, die eigenen Einstellungen zu verewigen.

Erster Eindruck

Zuerst gilt es, die stattlichen sechseinhalb Kilo Vocoder aus dem Karton zu wuchten, wodurch sich sofort der schöne „Ah, Hardware“-Effekt einstellt (dabei ist der VC340 sogar halb so leicht, wie sein Vorbild). Steht der VC340 dann auf dem Studiotisch, geht die Verzückung weiter denn das Layout samt Farbcodierung der Tasten vollziehen die Vorgabe des Originals vollständig nach. Allein an der Ausführung der Fader-Kappen und den Poti-Köpfe, werden Unterschiede deutlich.

In Verbindung, mit dem sich (wie beim Original) freundlich zum Benutzer hinneigenden Bedienfeld und den Seitenteilen in Rosenholz-Optik, bekommt man hier aber ziemlich schmeichelnde Vintage-Gefühle. Im Gegensatz zum Vorbild, das mit vier Oktaven aufwartet, sind beim Behringer nur drei Oktaven verbaut. Die sind dafür aber in Full-Size, und obendrein anschlagsdynamisch spielbar. Tatsächlich wirkt die daraus resultierende Kompaktheit des Instruments optisch sogar noch ein bisschen ansprechender, als das Original.  

Anschlüsse

Der Blick auf die Rückseite zeigt ein vollständiges Bild – von links nach rechts finden sich: Ein Mikrofoneingang (XLR/Klinke), ein Kopfhörer-Ausgang, ein externer Audio-In, zwei Anschlüsse für Fußpedale (Vocoder Hold und Pitch), der Stereo-Audio-Ausgang (mit drei wählbaren Pegeln: High, Medium, Low), ein MIDI-Trio (In/Out/Thru), sowie eine USB-Buchse. Besonders das vollwertige MIDI-Trio findet lobende Erwähnung, da es bei vielen Herstellern längst nicht mehr selbstverständlich ist, alle drei Buchsen zu verbauen.

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