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Test
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15.06.2012

Behringer NOX606 Test

Sechskanal DJ-Clubmixer

Wer einen Clubmixer mit Effekten und analogen Filtern sucht, der muss meist ziemlich tief ins Geldsäckel greifen. Ob Pioneer, Denon oder Allen & Heath - die Hersteller lassen sich Sonderausstattung in aller Regel gut bezahlen. Vierstellige Investitionssummen sind für den frickelfreudigen Discjockey in diesem Zusammenhang keine Seltenheit, vor allem im Profilager.  

Dass es auch anders gehen kann, möchte Behringer zeigen und bescherte uns im letzten Herbst eine wahre Flut von NOX-Modellen, von denen wir im Laufe der vergangenen Monate bereits einige begutachten durften. Nun ist auch das Flaggschiff der Flotte bei uns in der Testredaktion eingetroffen: der Behringer NOX-606. Besondere Kennzeichen: sechs Kanäle, zwei analoge Filtersektionen, ein integriertes USB-Audio-Interface, ein Vierband-EQ sowie ein kontaktloser Crossfader mit einstellbarem Widerstand und flexibler Kurvencharakteristik. Dazu gesellen sich satte vier Turntable-Anschlüsse - das ist sehr selten heutzutage - und zwölf Effektprogramme. Professionelle Ausgänge, zwei vollausgestattete Mikrofonkanäle und zwei Aux-Sends mit Return reihen sich ebenfalls in die Feature-Liste ein.  

Angst um seinen Kontostand muss der potentielle Käufer indes nicht haben, denn der Nox geht zu einer vergleichsweise günstig anmutenden UVP von 409 Euro über den Tisch, was sich bei knapp 300 Euro Street einpendeln dürfte und nur ein Bruchteil eines DJM oder Xone ausmacht. Dass Quantität nicht gleich auch Qualität bedeutet, ist hinlänglich bekannt, daher untersuchen wir im folgenden Artikel, wie sich Behringers Budget-Alternative in der Praxis schlägt.

DETAILS

Erster Eindruck

Zunächst gilt es, den Kandidaten aus seiner Verpackung zu befreien. Neben einem sicher in Styropor-Formteilen verstauten DJ-Clubmixer samt Seitenteilen für den Rack-Einbau finde ich ein Kaltgeräte-Stromkabel für das integrierte Netzteil, ein USB-Kabel und einen Produktkatalog. Dazu liefert der Hersteller einen Satz Handbücher aus. Das Erste ist in zehn Sprachen, das Zweite in drei Sprachen abgefasst. Sie handeln sämtliche Nox-Modelle ab, was nicht besonders übersichtlich ist. Eine eigenständige Anleitung für die vorliegende Gerätschaft wäre in meinen Augen von Vorteil gewesen und sei es als PDF auf der Herstellerwebsite, um den Druckaufwand nicht unnötig zu erhöhen.

Wie der Rest der Familie erscheint auch der jüngste Behringer-Recke in nachtschwarzem Stahlgewand. Die Lackierung ist fehlerfrei aufgetragen und die Funktionsgruppen tragen kontraststarke weiße Beschriftungen. Unliebsame Grate oder Schnittkanten kann ich nicht ausmachen. Das Chassis ist nicht sonderlich dick, doch wirkt der Proband widerstandsfähig genug für den Arbeitsalltag. Am Bodenblech sind vier leider etwas kleine Gummifüße angeklebt, die für meinen Geschmack ruhig etwas zahlreicher und vielleicht auch größer hätten ausfallen dürfen. Ferner hätte ich sie lieber verschraubt gesehen. Nox bedeutet im Übrigen auf Latein Nacht, in der römischen Mythologie sogar die Personifizierung der Finsternis. Wir schalten trotzdem das Licht an.

Backpanel

Mit Ausnahme der beiden Kopfhörerbuchsen, die auf der Mixeroberfläche Platz gefunden haben, finden sich sämtliche Schnittstellen am Backpanel ein. Eingangsseitig sehe ich vier Stereo-Cinch-Paare, die Line- und Phono-Zuspieler mit jeweils dedizierten Anschlussbuchsen begrüßen. Die Betriebsart bestimmt ein Drucktaster. Zwei Erdungsschrauben nehmen die Massekabel der Plattenspieler zur Vermeidung von Brummschleifen entgegen. Die Returns sind standesgemäß als 6,3 mm-Klinke ausgeführt. Etwas weiter unten sind die beiden Mikrofonbuchsen platziert. Zu meinem Unverständnis setzt der Hersteller hier auf XLR-only. Ich hätte ehrlich gesagt lieber Kombo-Buchsen gesehen, wäre man damit doch etwas flexibler aufgestellt.  

Auch die Ausgangsseite zeigt eine respektable Schnittstellenvielfalt. Als DSP kommt ein 24-Bit-„Freescale“-Prozessor zum Einsatz. Die AD- und DA-Konverter arbeiten ebenso mit 24-Bit und sind Delta/Sigma-Wandler. Der Crosstalk liegt bei -70 dB und zeigt marginal Übersprechen bei voll aufgerissenem Kanälen, also immer schön Fader runter, wenn es wirklich still sein soll. Für Haupt-PA und Monitoranlage kann das Master-Signal als XLR (Mix1) oder 6,3-Millimeter-Klinke (Mix2) jeweils getrennt regelbar abgegriffen werden. Ferner ist ein ebenfalls separat einstellbarer Booth-Out gleichen Formates zugegen, der sich stumm schalten lässt und unabhängig von den Mikrofonwegen operiert, was zur Beschallung einer durchsagefreien Zone ideal ist. Wer seine Mixsession unabhängig von der Hauptlautstärke aufzeichnen will, freut sich über den Record-Out.  

Obendrein spendiert Behringer zwei Aux-Wege und eine MIDI-Buchse zur Ausgabe des internen Clock-Signals. Im Test stellte sich heraus, dass die Ausgabe der MIDI-Clock vom Tempo der Sektion „Filter2“ abhängig ist. Den Abschluss auf der linken Seite bildet die Aufnahme für das Kaltgerätekabel mitsamt zugehörigem Einschaltknopf und die USB-Buchse Typ-B zur Verbindung mit dem Computer. Über dieses Kabel kann der DJ einerseits die Mixsession in Form des Summensignals am Computer aufzeichnen. Außerdem kann er ein Stereo-Signal an den Mixer senden. Zum Beispiel aus iTunes oder Winamp.

Aufbau

Denkt man sich die FX-Sektion am Kopf des Mixers weg, wäre eine gewisse Ähnlichkeit zu Allen&Heaths Xone:92 wohl kaum zu verleugnen (aber jetzt bitte nicht wegen der Farbe mäkeln...). Tja, was soll man dazu sagen? Berlingos und Kangoos gleichen sich auch wie die berühmten Eier, haben ABS und Airbags - und keiner beschwert sich. Dennoch wäre es nicht verkehrt, würde man von Behringer im DJ-Bereich mal wieder die eine oder andere Innovation erleben. Hier mal ein Vergleichsfoto.

Über jedem Kanal residieren zwei Drehregler für die Sends. PRE entscheidet, ob Vor- oder Nach-Fader geschickt wird. Dann folgen die Quellwahlschalter, wobei lediglich der erste Kanal neben der Phono/Line-Option eine dritte Stellung, nämlich „USB“ kennt, mit deren Hilfe sich das Signal eines angeschlossenen Computers einspielen lässt. Eine Treiberinstallation ist dafür nicht erforderlich. Merkwürdigerweise fehlt den Kippschaltern eine eindeutige Kanalbezeichnung (so etwas wie Phono1, Line2, Phono3).Warum Behringer keinen zweiten USB-Kanal integriert hat, damit man DJ-Softwares wie zum Beispiel die kostenlosen Programme Mixvibes DJ-Free oder Mixxx mit dem internen Sound-Interface adäquat betreiben kann, will mir ebenfalls nicht einleuchten. So bleibt es bei lediglich einem Software-Deck. Echt schade, hier spart der Nox für meine Begriffe am falschen Ende. Aber immerhin lässt sich die Mixsession für die Ewigkeit festhalten. Darunter liegt der Gain-Regler zum Einpegeln des Signals. Die seitengelagerte LED-Kette zeigt acht Segmente (4x gelb und 4x rot) und verzichtet auf eine Skalen-Einteilung. Ein weiteres Indiz dafür, dass der Mixer wohl eher für das Einsteiger-Lager, den Partykeller oder Hobbyisten konzipiert sein dürfte.

Besonders begrüßenswert für die Freunde gezielter Frequenz-Manipulationen dürfte der vierfach EQ mit zwei Mittenbändern sein. Für diese gilt eine Absenkung von bis zu 30 dB und eine Anhebung von maximal 6 dB. Für Hi und Low liegt der Regelbereich zwischen „Kill“ (unendlich große Absenkung) und plus sechs Dezibel. Damit lassen sich harte Cuts und sanfte Boosts ausführen. Die Frequenzbereiche setzen wie folgt an: HiQ = 10kHz MidQ1 = 320 Hz, MidQ2 = 1,8 kHz, LowQ = 50HZ. Für die Mikrofon-EQs gilt laut Spezifikation von Low nach Hi: 50 Hz, 250 Hz, 2,5 kHz, 12 kHz.

Der Schalter „Filter“ schaltet eine der beiden Filterbänke zu. „Xfade“ verbindet den jeweiligen Kanal mit einer der beiden Crossfader-Seiten oder schickt ihn direkt auf die Summe. Vier LEDs geben ein optisches Feedback, ob die zugehörigen Signalwege an eine Seite verschaltet wurden, jedoch nicht an welche. Eine zweifarbige Lösung, wie bei der Clipping-LED am Talkover hätte hier mehr Sinn ergeben.

Beim Crossfader handelt es sich um einen kontaktlosen optischen Vertreter der Marke Infinium. Er punktet mit einstellbarer Friktion und flexibler Kurvencharakteristik. Schiebe ich ihn ganz nach links und nehme die Kappe vom Stift, wird eine kleine Schraube sichtbar. Sie justiert den Andruck auf der Schiene und sorgt somit für einen leichteren oder schwereren Regelwiderstand. Warum der Drehregler für die Flankencharakteristik (Line ist nicht variabel) ausgerechnet zwischen die Channelfader zwei und drei gesetzt wurde, wirft Fragen auf. Ich finde, wenn er irgendwo hingehört, dann eigentlich nicht dorthin. Im Eifer des Gefechtes kann man nämlich mit den Fingern einen der besagten Flachbahnregler streifen.

Die obligatorische Cue-Taste und ein 45 Millimeter-Channelfader komplettieren einen Kanalzug.

Mikrofonkanäle

Die beiden Mikrofonwege pegeln ihr Signal über „Level“ ein und können ebenfalls einen 4-Band-EQ für sich verbuchen. Der Cut/Boost liegt hier bei standesgemäßen +/- 15 Dezibel. Die Verstärker arbeiten relativ rauscharm. Moderationsfreudige Kollegen dürfen für jeden Kanalzug separat auf einen Talkover-Schalter zurückgreifen, welcher die Lautstärke der Musik um einen vorgegebenen Wert absenkt. Hier ist jedoch ein leichtes Knacksen zu hören, wenn der Kippschalter betätigt wird. Einen zusätzlichen Pluspunkt gibt es für die Option, das Signal auf dem Kopfhörer prüfen zu können, bevor man zur nächsten Damenwahl aufruft oder einen Freestyle-Rap beisteuert. Das lassen Clubmixer leider zu oft vermissen. Ferner sitzen hier 45-Millimeter-Channelfader mit Peak-LED. Die Mikrofonwege können alternativ als Returns eingesetzt werden. Über den zweiten Aux kann man das Mike ergo durch ein externes Effektgerät jagen.

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